Beiträge von Recovery

    Wird das dann als Schizophren bezeichnet oder was ist mit einem selbst dann überhaupt?

    Ganz so schizophren wie am Anfang bist du dann nicht mehr. Die Schwere der Erkrankung ist relativ und kann sich dadurch mit der Zeit verändern. Mit der Genesung gewinnst du wieder mehr Regulation und gesunde Anteile hinzu.

    Ich bin ja nicht in einer Psychose, aber wie nennt man es dann die Lebenszeit danach? Es ist ja auch so gesehen ein Symptom es ist ja anders... Dissoziationen treten sehr häufig in Stresssituationen auf oder Reizüberflutungen...

    Frag am Besten mal einen Arzt.


    Wenn noch hin und wieder Symptome entstehen oder bestimmte Zustände häufig noch in milderer Form vorliegen, bezeichnet man das als Residuum (Restzustand). Wie das im Einzelnen diagnostisch bezeichnet wird und wie das speziell bei dir aussieht, kann dir dein Arzt oder Psychotherapeut erklären.

    Wenn ich sage ich "hatte" mit 15 einmal eine Psychose geht jeder normale Mensch davon aus, ok heute ist sie wieder gesund. Aber dem ist ja überhaupt nicht so.

    Es ist wirklich eine relative Geschichte. Man kann gesunde und noch leicht kranke Anteile zugleich haben. Letzteres ist doch kein Abbruch :-)


    Jeder sollte sich entwickeln dürfen.

    Hättet ihr vielleicht ein paar Vorschläge, was man gegen diese Wahnvorstellungen nehmen kann, wo man später wieder leichter absetzen kann ?

    Vielleicht hilft ein angstlösendes Antidepressivum. Mirtazapin wäre eins. Ansonsten könntest du zusammen mit deinem Arzt ein anderes Neuroleptikum ausprobieren. Seroquel führt nur zu einer Teilbesserung deiner Symptomatik.


    Wenn die Wahnvorstellungen "nur" gelegentlich auftreten, könnte ein Beruhigungsmedikament gegen Panik und Angst helfen (z.B. Atosil).

    Wegen der schlechten Erfahrung mit den Absetzerscheinungen der Quetiapin, "obwohl ich sie ausschleichend abgesetzt habe (mehrere Monate)" wollte ich möglichst keine heftigen Psychopharmaka mehr nehmen.

    Mh, keine Ahnung, ob du ein anderes Medikament leichter absetzen könntest. Frag am Besten mal deinen Arzt. Ergänzend zur medikamentösen Therapie steht einem noch Psychotherapie zur Verfügung. Ich kenne den paranoiden Wahn, den du beschreibst. Vielleicht empfiehlt es sich innerhalb einer solchen Therapie, diesen Wahn wiederlegen zu lernen und psychische Ursprünge aufzudecken. Kenne die paranoide Angst vor Einbrechern nicht, aber welche vor "bösartigen Aliens" und "Geistern". Hört sich bizarr an.


    Es ist ein unangenehmer Zustand, weil ich dann auch kopfmäßig entsprechend visualisiere. Alle innerpsychische Unterdrückung des Wahnimpulses hilft meist nicht viel, um es abzuschütteln. Da ich das hin und wieder von Kindesbeinen an habe, vermute ich, dass die psychischen Gründe mit in der Kindheit liegen. Es ist sozusagen eine verspätete Entwicklung, um mit dem Unbekannten, dem Irrationalen und den Urängsten umzugehen.


    Psychotische Symptome erzählen auf eigentümliche Art und Weise von nicht gelösten Konflikten. Die jeweiligen Inhalte sind individuell.


    Ich wünsche dir, dass du das besiegen kannst.

    Wollte früher mal Modellraketen bauen. Hatte zwar das Know-How, um welche zu konstruieren, aber nicht das nötige Geld fürs Material. Habe mir dann so eine fertige Rakete gekauft. Aus Plastik mit allem drum und dran. Musste nur noch ein elektronisches Kontrollpanel zum Starten bauen. Hatte ich aus Holz, einem Schalter und einer Kontrollleute gebaut. Die "Startrampe" war mit dabei. War ganz cool, der Start hinterher. Die Rakete flog nach Packungsangabe etwa achtzig Meter in die Luft. Aber irgendwas funktionierte bei der Absprengung des Fallschirms nicht. Die Rakete stürzte mitsamt einem verbrannten Fallschirm zu Boden. Es war wohl zu wenig Glaswolle zwischen dem Sprengsatz und dem Fallschirm. War wie gesagt ganz cool, die Aktion. Mein Bruder war mit dabei und hat sich erschreckt, als ich den Startschalter knipste, weil die Modellrakete schon ordentlich laut nach oben zischte.

    Kennt ihr Situationen in denen ihr euch besonders stark getriggert fühlt oder anfällig für Wahnhafte oder andere Symptome seid?

    Oh ja. Ich bin manchmal verschwörungstheoretisch-paranoid ("alle Institutionen lassen uns links liegen und verfolgen ausschließlich dunkle Absichten") bis nihilistisch ("gibt keinen Sinn und kein ordnendes Prinzip in dieser Welt = sollte mich endlich umbringen"). Und aggressiv bin ich manchmal. Dann ist da dieser Impuls, jemanden Bestimmtes scharf herabzuwürdigen, durch Beleidigungen, Sarkasmus oder Satire. Komme da immer mehr hinter. Dann wiederum bin ich öfters ängstlich ("traue mich nicht, mit dem und dem über das und das zu sprechen, weils ja sowieso keinen Diskurs gibt, da der Gesprächsinhalt zu komplex IST und mensch ja eher ein vereinfachtes Modell der Wirklichkeit im Kopf haben will"). Diese Angst generalisiert sich dann, bis ich kaum noch mit wem spreche. Aber das ist alles so wechselhaft und schwankend. Gibt danach immer positivere und energetischere Phasen. Schlechte Phasen bedeutet immer so einen hässlichen Rückgang der kommunikativen und gestalterischen Fähigkeiten.

    Selbst glaube ich das zum Teil andere gerne mit den Gefühlen spielen und auch im Internet zum Teil bewusst getriggert wird.

    Menschen wollen dich provozieren, dich unterdrücken und "BESSER" sein. Das läuft dann auf Gaslighting hinaus. Solche Triebmuster ziehen die Energie aus den ethischen und realitätszugewandten Bewusstseinszentren des Hirn ab. Das sind die dunklen Verhaltensimpulse der Psyche. Sehr sehr komplex.

    Wie steht ihr das?

    Ja, wie damit umgehen? Also eine Lebensphilosophie ist ja immer vereinfachend. Ich meine, man muss und sollte sich nicht alles antun. Man muss auch nicht da kämpfen, wo ein Umfeld fundamental korrumpiert und zerspalten ist, ohne Bindung an den eigentlichen inneren Reichtum der umgebenden menschlichen Wesen.


    Den und den fundamental ändern zu wollen, ist ja selbst manipulatorisch und egozentrisch. Das ist letztendlich das, wo einen der Status Quo in abgegrenzten Gebieten hintreibt. Man hält seinen Mund und besinnt sich auf gute Ideale im GEISTE. Hat mit Askese zu tun. Sucht minimieren.

    Ich sehe das so: Es sind krankmachende Strukturen,die kranke Menschen hervorbringen und zum Teil auch die Krankheiten aufrechterhalten.

    Sehe ich genauso. Und das geht auch über den abgegrenzten Bereich des Familiären hinaus. Es zieht sich bis in die soziologischen, philosophischen und politischen Ebenen hinein. Es ist ein gesellschaftlicher Missstand, der nicht nur mit uns, sondern mit Millionen anderer Menschen zu tun hat. Man kann von ein paar Autoren ausgehend sogar soweit gehen und sagen: eine Verzerrung (Entstellung) der menschlichen Psyche durch das Verhalten der Eltern zum Kind ist allen Menschen gemein. Das erweitert die ganze Problematik auf die Dimensionen, die ihr am realitätsnahsten sind.

    Eigentlich hast du das einzig richtige gemacht,indem du dich von deiner Familie abgrenzt.

    Ich habe damals überhaupt keine Ahnung gehabt, wie ich das tun sollte. Ich habe mich selbst nicht mehr verstanden und tue es auch heute oft nicht. Es ist so, als wenn ein Teil deiner Psyche wie abgestorben ist. Das Abgrenzen ging nur mit dem beständigen Appell seitens der Sozialarbeiter "Sie können Ihre Eltern nicht ändern". Ich hatte ihnen einige Stories erzählt, die bei uns Gang und Gebe waren. Sich da rein von der Psyche oder Seele her abnabeln, ist ein schmerzhafter Prozess. Man hängt mit seiner kindlichen Gebundenheit an seinen Eltern. Man gab sein Selbst her, weil es die Eltern so erzwangen, um ihr eigenes fragiles Selbst zu füllen. Im Prinzip ist das ein "psychischer Vampirismus" über Generationen hinweg. Dieser Prozess, die Bindung zu trennen, ist aber auch gewaltsam im Inneren. Aber es war der einzigst mögliche, um nicht noch ver-rückter und apathischer zu werden. Es ist ein brachiales Entwerten einer fälschlicherweise idealisierten Beziehung.


    Ich war eine lange Zeit in dem Glauben, ich müsse mich nur konform und sozusagen auf die Bedürfnisse meiner Eltern angepasst verhalten, dann würden sie schon respektvoller mit den heranwachsenden menschlichen Kindern umgehen, die sie dort vor sich haben. Das ist ein Irrglaube gewesen, denn sie sahen in mir und meinen Brüdern quasi fast nur sich selbst - ihr eigenes Ich. Wenn ich dann nicht spurtete, mich nicht korrekt verhielt, nicht gut im Leben war, sahen sie ihre eigenen Eltern in mir. Also das ist auf psychologischer Ebene richtig chaotischer stuff. Normalerweise macht man die Ablösung von den Eltern schonender durch. Die gewaltsame Behandlung in Kindheit und Jugend erschweren das aber. Durch die Veranlagung zu einer psychotischen Erkrankung erschwert es zusätzlich. Heute weiß ich, dass meine Eltern Opfer und Täter in einem sind. Und so haben sie etwas Vergleichbares bei mir bewirkt. Sowas kann man nur heilen und in Zukunft für sich und seine Nächsten verhindern, indem man sich seinen Gefühlen stellt. Ich denke, das ist ein lebenslanger Prozess, denn die Psyche speichert jede Emotion und jedes Ereignis in einer bestimmten Weise ab.


    Wir können uns vielleicht nicht mehr ganz retten. Wir können unsere eigenen Eltern nicht mehr retten. Aber wir können unsere eigenen Kinder und die Kinder, die noch geboren werden, retten. Leider müssen wir auf diesem Planeten mit begrenzten materiellen und ideellen Ressourcen auskommen. Aber die Geschichte zeigt ja, dass wir uns zumindest in kleinen Schritten weiterentwickeln können.

    Ich hatte leider oft nicht die notwendige Konsequenz,um diesen folgerichtigen Schritt zu gehen.

    Forsche nach, woran das liegt. Eine gute Nachricht für mich war immer, dass ich noch Zeit habe. Zeit ist etwas Wertvolles. Und auch, wenn man nicht sofort das schafft, was man schaffen will, ist das kein komplettes Unfähigkeitsurteil an einen. Der Ablösungsprozess hat mir schon zu etwas mehr Selbstständigkeit und Freiheit verholfen. Ich gönne das jedem, der vor Schmerz und Selbstzweifel nicht mehr richtig gehen kann. Manche Dinge übersteigen die eigenen Kapazitäten und Fähigkeiten. Man DARF flüchten.

    Gibt es so Situationen indem ihr durch die Erkrankung in Extreme Situationen geratet oder öfters als üblich aneckt?

    Ja, klar. Früher nach der akuten Psychose noch mehr als heute. Aber das ist alles Teil eines Selbst- und Fremderkenntnisprozesses. Tut erst weh, aber jede erbitterte Auseinandersetzung zeigt einem, dass man was an sich reflektieren und ändern kann - etwas an seiner Herangehensweise, an seiner Einstellung oder am Verhalten. Verständnis untereinander sollte man z.B. nicht auf Biegen und Brechen erzwingen. Schon gar nicht, wenn die Atmosphäre bereits überreizt ist und sie nur noch vor Ärger und Unterdrückungstendenzen trieft. Man muss daran nicht teilnehmen. Muss diese Kommunikationsbedingungen nicht akzeptieren. Es steht einem frei, auch mal zu flüchten und sich selbst zu modelieren. Wir sollten nicht auf Triumph aus sein und nicht wollen, dass sich andere uns unterordnen. Bei Kooperation kommt es auf eine symbiotische Beziehung an. Wenn die nicht da ist (entweder wegen einem selbst oder wegen dem Gegenüber oder beiden Parteien), gibt es keine Kooperation, nur Konkurrenz. Manchmal ist es wichtig, zu konkurrieren, zu konfrontieren und seine Stellung geltend zu machen. Besonders auf Ebenen, wo genau das entscheidend ist. Manchmal aber braucht man nicht kämpfen, weils aussichtslos ist. Man kann seine Meinung dann einfach behalten und getrennte Wege gehen. Man sollte sie keinem einprügeln. Wenn was falsch an der eigenen Meinung ist, dann sollte man das ausloten, es zugeben und verändern. Wenn man von seiner Meinung überzeugt ist und der Gesprächspartner die Argumente nicht versteht, dann kann man gehen und seine Meinung behalten. Manchmal ist es auch so, dass wir selbst noch nicht die richtigen Worte gefunden haben, um einen Standpunkt verständlich zu machen. Ist kein Abbruch, die Zeit läuft weiter.


    Das alles sind nur meine Ansichten, die ich im Laufe der Zeit entwickelt habe und die ich mir auch im gegenseitigen Umgang wünsche. Für manch einen ist das gefühlsbetontes Geschwätz eines 'Sensibelchens' - mimosenhaft wurde mir auch schon gesagt. Aber die, die das sagen, sind in meinen Augen verbitterte Leute, die wider der Vernunft handeln. Die sind in jenen primitiven Triebmustern gefangen, in denen man auch selbst gefangen sein kann. Ich erkenne mich in ihnen wieder. Sie befehlen einem, dass das und das Verhalten in der Welt laut ihnen nicht existieren darf. Laut ihnen darf nicht jeder respektiert werden, weil dann würden sie halt weniger beachtet oder sogar bewundert werden. Will mich aber nicht mehr mit ihnen identizieren oder mich an einen Tisch mit ihnen setzen. Die machen sich wie Viren überall breit. Das sind Blender mit einem labilen Ego - umgangssprachlich: Opfer. Sie ersticken die Lebenskraft anderer und binden halbtote Seelen an sich. Die wissen das auch innerlich, können das aber nicht vor sich selbst zugeben. Die beachten auch soziale Probleme wie den heutigen Spin zum Postfaktischen gar nicht. Und hier an dieser Stelle ist mir meine menschliche Existenz zu wertvoll. Da bin ich stolz darauf, dass mensch kooperieren kann. Und da verweigere ich sinnlose Kleingartenkriege und schaue eher, wie ich eigene primitive Muster in progressivere umwandel oder sie damit ersetze. Und dafür stehe ich dann, auch wenn's nicht offensichtlich ist. Ich muss mich nicht mit irgendwelchen ideologisch determinierten Kontrahenten abgeben. Dabei wird man doch nur zum Schlechten. Das ist einfache Psychologie.

    Hallo Nagarjuna.

    Hat jemand schon mal ähnliche Gedanken oder Erfahrungen bezüglich der Familie gehabt/gemacht?

    Ja, habe ich. Die Situation in unserer Familie ist so zerfahren und von psychischen Zerrüttungen gekennzeichnet, dass ich keinen anderen Weg gesehen habe als mich von meinen Eltern konsequent zu isolieren, um nicht ständig getriggert zu werden. Im psychiatrischen Sinne wäre meine Familie abnormal. Eskalationen und Psychoterror standen bei uns an der Tagesordnung. Friede war immer nur oberflächlich.

    Wie seht ihr das?

    Solche Dilemma sind so chaotisch und haben so eine hohe Reizdichte, dass sie bei Kindern und Jugendlichen mögliche Instabilitäten quasi automatisch heraufprovozieren. Das brennt sich förmlich in die Psyche ein, sodass man als junger Erwachsener viel Unverarbeitetes in sich trägt (Trauma Typ 2). Für Menschen, die das so nicht erleben, ist es kaum nachzuempfinden, was ein solches Aufwachsen für Auswirkungen auf einen hat.


    Der Zwang in der Mittelschicht, eine gutbürgerliche Fassade (Erfolg, Geld, Leistung) aufrechtzuerhalten, ist einer der Gründe, warum solche komplexe Probleme nicht nach außen dringen und dementsprechend niemand eingreift. Es muss noch viel in der Familienpolitik und Gesellschaftsgestaltung getan werden, um die Menschen vor schweren psychischen Leiden zu bewahren.

    Was für ein Zirkus das im Bundestag ist...


    Die gesellschafts- und geopolitischen Schauplätze sind sehr sehr komplex geworden. Der Schlüssel, um die Probleme dieser Zeit zu überwinden, liegt in unserem kollektiven UND individuellen Bewusstsein. Wir brauchen Kooperation und Einigung, wenn es darum geht, die Zerspaltenheit der Menschheit zu überbrücken und die Dekadenz zu minimieren. Wir brauchen quasi Alternativen in einer alternativlosen Situation - in diesem Ozean aus postfaktischen Ideologien. Der Schlüssel dazu liegt allein in unserem Geist. Ich hoffe für uns als Menschen, dass wir ohne große Kriege auskommen.


    Ich finde Sahra Wagenknechts Position und Haltung jedenfalls super.

    Denke ja gelegentlich, dass das Heranziehen von mystischen Konzepten manchmal dazu verkommt, sich selbst zu täuschen und auf der Interaktionsebene auch seine Mitstreiter. Unzwar in der Art und Weise, als dass damit nicht sofort zugängliche und deswegen schwer zu durchblickende Dynamiken des menschlichen ICHs, des Bewusst- und Unterbewusstseins verdeckt werden. Das Hilflosigkeitsgefühl wegen der Erklärungsnot führt zu einem Mangel an Sinn und Bedeutung, der dann mit jener Mystik, jener Kraftverherrlichung, aufgefüllt werden will. Einzelne Statements in der Materie sind wirklich wichtig und kommen im verabstrahierten Leistungswahnsinn dieser Epoche zu kurz, aber oftmals wird in meinen Augen auch einfach nur übertrieben. Auf der unterschwelligen Ebene siehts dann immer so aus, als wenn in dem Gefühl der Mystik gebadet wird, so als seien wir X-Men. Ich denke, das ist keine Taktik von großer Dauer, was einem spätestens auffällt, wenn man merkt, dass man sich alle die Jahre selbst hintergangen hat. Das alles liegt nicht nur an unserer Person, sondern auch daran, dass diese blöden Klerikalen und Eso-Übertreiber das Wort Jesus, das der Spirituellen und das einiger Psychoanalytiker verzerrt haben. Wenn ich auf die menschliche Geschichte gucke, sehe ich einen nie enden wollenden Strang von Assis, denen es scheißegal ist, mit wem sie rumspielen, solange sie ihre konstituierende, pseudo-utilitaristische Macht behalten. Und heute wird dieses chaotische Treiben der Menschheit immer komplexer und weitflächiger, was auf nichts anderes hinausläuft als eine große Ansammlung von Mikro-Unordnungen. Wobei 'mikro' nicht weniger bedeutend ist als 'makro'. Der Subjektanteil des revolutionären Flairs wird somit schon seit Uhrzeiten zerstört. Aber zum Glück konfrontiert uns dieser enge gewordene Druck aufs Subjekt immer mehr mit uns selbst. Ich hoffe ja, das Gesetz der Entropie gilt nur vollends für unbelebte Materie.

    Hallo marcus93,

    Dann April 2016 habe ich mich erinnert, was einer dieser Leute, ein Psychiater gesagt hatte, nämlich dass man die Krankheit / Symptome zulassen muss und nicht unterdrücken und es hat dann noch ein bisschen gedauert aber dann kamen die Durchbrüche.

    ähnliches ließt man auch vereinzelt im Netz. GEFÜHLE zulassen und sie somit identifizieren und bewusst halten, anstatt sie zu unterdrücken. Sonst spaltet man sie ab, sodass sie erneut in Krankheitssymptome übergehen. So ein Befreiungsakt kann eigentlich nur über einen längeren Prozess stattfinden. Und nur unter fachkundiger Anleitung.


    Mich wundert es, dass ein Psychiater das so direkt sagt. Eigentlich spricht es doch gegen die allgemein anerkannte Behandlungsnorm. Es werden eher Selbstbeherrschung, Impulsunterdrückung und Sublimation vermittelt. Bin mir unsicher, was der bessere Weg ist. Entweder Gefühlsunterdrückung oder Gefühlsbetrachtung. Oder beides? Je nach Situation? Schwierig.


    Jedenfalls ist dein Buch eine schöne Idee. Können gerne mal per E-Mail talken.

    Am besten ist es, immer schön mitzuspielen und unter dem Radar zu fliegen.

    Seh ich ganz genauso. Sofern man keinen Willen investiert, am Status Quo zu rütteln (z.B. durch hysterische Aggressionen und impulsive Gegenreden), fährt man ganz sicher. Allerdings muss man auch nicht alles mit sich machen lassen. Habe ein zwei Psychiatern schon gesagt, dass ich ihr ein oder anderes Vorgehen falsch und unsozial finde. Bin übrigens einer, der noch nie eingewiesen wurde. Sofern man nicht vollends durchtickt, sollte man jede Chance ergreifen, die sich einem bietet, um auf dieses morbide System aufmerksam zu machen.

    Wenn ich mir da anschaue, wie das bisherige Justizsystem menschliche Psychen zerstören kann, ist das traurig. Schade, dass der SWR nicht in Betracht zieht, dass es unter psychiatrischen Mitarbeitern auch Menschen mit Tedenzen zu Persönlichkeitsstörungen gibt. Das ist schon längst kein Geheimnis mehr. Es ist nicht nur das System, dass eben jene 'unheiligen Allianzen' entstehen lässt. Es ist ja auch der bewusste Wille, der überhaupt dazu führt, dass nicht wenige Gutachten profan ausfallen. Kein Mensch ist jemals ganz frei von ideologischer Vorgeprägtheit. Eine unabhängige Behörde einzurichten, die die Gutachten macht und auch einem besseren Qualitätsmanagement unterzogen wird, ist bestimmt eine gute Idee.

    Balanced


    Kann dir da nur zustimmen. Vorbei ist noch gar nichts. Gibt ja allein dutzende Spekulanten, die über die nächste Bankenkrise aka. Geldverzockerkrise sinnieren. Gebt einfach mal "nächste Finanzkrise" bei Yahoo oder Google ein und schon findet ihre dutzende neoliberal-populistische Zeitungen (z.B. t-online, Spiegel, Fokus), die darüber berichten.


    Der Vormarsch von Populisten wie Trump oder AfD ist sowas wie eine kleine Klassenrevolte. Hoffen wir mal, dass der Machtbereich der Finanzaasgeier noch kleiner wird. Trump erfüllt sicherlich eine wichtige Funktion. Aber angehen wird er die Probleme im Wirtschafts- und Finanzsektor, die es gibt, auch nicht. Also uns stehende spannende Jahrzehnte bevor.

    Es ist ein wenig inkohärent, den eigenen Tod oder den Tod geliebter Menschen als Rettung zu betrachten, wenn man davor eine Mordsangst hat. Siehst Du ja selbst...

    So habe ich das nicht gemeint. Im ersten Fall gings um eine Total-Extinktion, im zweiten Fall um eine halbe. Eine Halb-Extinktion könnte eine Krise darstellen, die gesellschaftliche Strukturen und damit auch gedankliche aufbricht. Bei einer Halb-Extinktion sterben nicht alle Menschen. Wobei du so vehemend an ein Totalabsterben festzuhalten scheinst, dass es nach Torture-Porn aussieht.

    Befreiend ist, dass es für mich keine Probleme mehr zu lösen gibt. Es gibt keinen Notfallplan zu erstellen. Bei dem Gedanken, was hier in den Städten abgehen wird, sollte irgendwann mal die Versorgung zusammenbrechen, wird mir schon mulmig. Aber was soll ich dagegen machen?

    Es ist irrational zu glauben, dass keiner überleben würde. Es muss daher mehr eine Wunschvorstellung von dir sein. So eine kranke Vorstellung kann ich leider nicht teilen, tut mir leid. Du musst keinen Notfallplan erstellen, aber andere werden es müssen.

    Menschen wie McPherson bieten eine Chance, Kohärenz herzustellen.

    Ich denke eher, das Gegenteil ist bei solchen Untergangspropheten der Fall, die eine Total-Extinktion propagieren und dann auch noch sagen, man solle keine Angst haben. Das ist nicht kohärent, sondern nihilistisch bis psychopathisch. Dass Krisen schon immer einen ideellen Wachstumsprozess in Gang gesetzt haben, vergisst McNugget anscheinend. Für ihn scheint sein Untergangs-Postulat mehr ein Erlösungsgedanke zu sein. Wissenschaftliche Fakten kann man auch präsentieren, ohne gleich den Rat anzuknüpfen, man könne ja eh nichts tun. Wenn die Welt untergeht, sollte man eher darüber nachdenken, wie man so viele Menschen rettet wie nur möglich. Ich kann ihn schon verstehen. Ihm hört von den Klimawandel-Verleugnern keiner richtig zu. Das kann schonmal verrückt machen.

    Aber Angst haben, braucht man nicht und sollte man nicht. Das sollte man selbst dann nicht, wenn man McPherson glaubt.

    Naja, also ich glaube, das ist Käse - ein blöder Rat. Also wenn ich mir vorstelle, dass Menschen sterben werden, meine Artgenossen, meine Verwandten, die unschuldigen Kinder und auch ich selbst, dann habe ich Angst, unzwar eine Mordsangst. Wieso sollte man keine Angst haben? Ich verstehe ja den Punkt, dass unbändige Angst einem vom Restgenuss des Lebens abbringen kann, aber ich glaube, Angst war schon immer ein wichtiger Motor, um Gegen- oder Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Wer behauptet, keine Angst zu haben, hat einen derben Sterbewunsch. Der will unbedingt ins Nichts. Und geschmackvoll soll es sein, wenn dem andere notgedrungen folgen? Käme mir armselig und instrumentalisierend vor, jemandem mit apokalyptischen Fantasien anzuraten, keine Angst zu haben. Angst muss nicht bedeuten, dass man sich verkriecht und seines Lebens nicht mehr froh wird. Angst kann auch als dynamische Triebfeder genutzt werden, um sich voll und ganz ins Leben zu werfen.

    Und ja, McPherson bekennt sich zur Anarchie, sagt aber immer dazu, dass er es tut, weil er die Definition von Anarchie kennt: "Anarchy is not the absence of rules, but the absence of rulers."

    Ist das die einzig wahre Definition von Anarchie? Ich glaube, Anarchie hat immer dieses Gewaltmoment in sich. Es kann aus einer rein idealistischen Sicht auch vernünftige, besonnene Personen mit viel Gestaltungsmacht geben. Feudalen oder Patriachalen sollte man anarchistisch gegenüber eingestellt sein - nicht aber idealen Gestaltungspersonen. Natürlich existiert das nur in der Vorstellung. Aber ich denke, auch wenn die realen Bedingungen stellenweise grandios schlecht sind, sollte man sein Vorstellungsvermögen und seine Innovationskraft nicht verlieren, um sich eine bessere Welt vorstellen und daraus hervorgehend mitgestalten zu können.

    Wenn man seine Botschaft so aufnimmt wie ich, ist es eine Befreiung.

    Warum ist denn seine Botschaft für dich befreiend?? Du scheinst ja trotz der apokalyptischen Gefühle richtig happy zu sein.

    Wie kommen wir auf die Idee, dass es einem Menschen, der "unsere" Bananen in 6000 km Entfernung für einen Endpreis von 1,29 €/kg produzieren muss/darf, irgendwann (wenn er sich anstrengt) genauso gut gehen wird wie unserem Apfelbauern von Nachbar, der fürs Kilo 2,49 € bekommt?

    Ja, traurig. Das ist ein Aspekt der neoliberalen Ökonomie. Arbeite nur genug, streng dich nur genug an, dann wirst du reich und froh - fromm könnte man fast schon sagen. Arbeit als Erlösungsreligion. Man sieht zweifelsohne den faschistoiden Charakter hindurchschimmern.


    Ich glaube, unsere Produktionstechniken und Produktionsmengen sind beinah ausreichend, um den ganzen Planeten zu versorgen. Nur da müssten wir hier ja etwas enger schnaller. Das wollen wir ja nicht, denn wir baden gerne im kapitalistisch-hedonistischen Narzissmus.

    Zwecklos.

    Glaube ich nicht. Ich denke, man kann Gefahrenabwehr und Schutz von Menschenleben betreiben. Auch wenn die Dinge noch richtig schlimm werden und das nur deswegen geschieht, weil nicht an dem Punkt eingegriffen wurde, wo es noch am effizientesten gewesen wäre. Ein waschechter beinah-Wipe-out könnte auch eine Rettung darstellen. Zwar müssten wir uns aus der Asche erheben; ein paar auseinandergebrochende Puzzle-Teile wieder neu zusammenfügen; alten Ballast abwerfen; uns ideologisch umpositionieren, aber Krisen dienen auch dem Wachstum. Mit Wachstum meine ich jetzt nicht oder nicht nur kapitalistisches Wachstum.


    Also ich meine: man kann die Freuden des Erdenlebens genießen, muss aber nicht alle Hoffnung in die Menschen verlieren. Ich denke, es kommt darauf an, dass man jeden zum kritisch-normativen Denken anregt, wie nur möglich. Eben gerade weil unsere Gesellschaft auf ideologischer Ebene so durchessentialisiert ist.