Beiträge von Recovery

    kann das angehen das man 9 Monate Therapie macht und nach 3 Jahren erfährt das das umsonst war?

    Vielleicht war nicht alles umsonst in der Zeit. Hast von den NL denn in irgendeiner Weise merklich profitiert oder nicht? Die können auch einen beruhigenden Effekt haben, was bei PTBS vielleicht (?) nicht schlecht ist.


    Enttäuschend ist es wirklich, wenn man aufeinmal erfährt, dass eine gewichtige Diagnose nicht ganz gepasst hatte. Ich hoffe, die neue Diagnose beschreibt dein Leiden besser, sodass es zielgerichteter behandelt werden kann.


    Eine dissoziative Störung ist wahrscheinlich besser behandelbar als eine paranoide Schizophrenie. Wünsche dir viel Glück für die Zukunft.

    Nagarjuna

    Bremer77


    Danke, das erklärt es ziemlich gut. Habe mich geirrt und ohne Wissen/Erfahrung geurteilt.

    Wer sich intensiv mit der Wirkung von Neuroleptika auf Körper und Geist befasst,und das nicht nur aus schulpsychiatrischen Quellen,wird schnell feststellen,wie dramatisch und negativ die Folgeerscheinungen vom Neuroleptikakonsum sein können.

    Da habe ich was nachzuholen. Von meiner (relativen) Warte aus kann ich nur sagen, dass Negativsymptome beim ein oder anderen auch stark von der Erkrankung abhängig sein können.

    Hallo, Nagarjuna.

    15 mg Abilify ist in der Tat recht viel.

    Die Höchstdosis ist laut Internet 30 mg. Dementsprechend sind 15 mg keine hohe Dosis, eher eine mittlere.

    "Minussymptomatik" beschreibt eigentlich nur das, was die Neuroleptika an Nebenwirkungen auf den Geist haben,nämlich das,was oben von dir beschrieben worden ist.

    Minussymptome können sowohl psychisch- als auch neuroleptikabedingt sein. Tendenziell würde ich sagen, dass die 15 mg Abilify wenig Probleme in der Hinsicht machen sollten und deswegen der Dreh- und Angelpunkt psychischer / seelischer Natur ist. Aber das kann man von hier aus nicht sagen.


    Gruß, Recovery

    Ist es echt Standart bei den Minussymptomen ?

    & diese Energielosigkeit sowie Sprachverarmung.

    Ja, die von dir geschilderten Fähigkeitseinbußen sind dem Cluster "Minussymptome" zuzuordnen. Hört sich erstmal allzu statisch an. Statisch bist du aber nicht, was du daran erkennen kannst, dass du dich nun selbst reflektierst. Sich bewusst zu werden, was mit einem im Einzelnen passiert ist, kann den Selbstwert erschüttern, besonders wenn man sich ausmalt, was man hypothetisch gesehen ohne Schizophrenie bereits geschafft "hätte". Auch wenn es schwer ist, sich wieder an das alte Level heranzukämpfen: alles dauert seine Zeit. Wenn du theoretisch studieren kannst, ist das ein Marker dafür, dass du viele Ressourcen in dir schlummern hast. Und die kannst du nutzen, indem du nach der Tagesklinik eine Tätigkeit anfängst, die dir in deinen Interessen zusagt und dich fordert (bei mir ist es eine schulische Ausbildung mit Fachabi-Erwerb). Das zweite, was daran gut ist, ist der beständige soziale Kontakt zu neuen Kameraden. Bis so eine "Vernarbung" der Psyche ausheilt, vergeht Zeit. Das dauert einfach. Das sollte man nicht leugnen.


    Die Gedächtnis- und Sprachprobleme, von denen du erzählst, fallen in den Teilbereich "kognitive Einbußen". Die Minussymptome beschreiben eher die affektiven Veränderungen (Energielosigkeit, Affektverflachung usw).


    Antidepressiva können einen positiven Beitrag leisten, aber das müsstest du mit deinem Arzt zusammen austüfteln. Was genauso wichtig ist, ist der Umstand, dass die Minussymptome und kognitiven Einbußen das Ergebnis einer Dauerbelastung mit Positivsymptomen waren. Um die Dynamik hinter den +Symptomen zu verstehen, könntest du eine Psychotherapie anfangen. Erstmal zu Einsichten zu kommen, was psychotisches Erleben ist, kann zur Selbstregulation beitragen, was dir wiederum ein stressfreieres Leben ermöglicht. Und dann könntest du deine Ressourcen effizienter nutzen.

    Dh. Solche einfachen Aufgaben wie 13 x 8

    rechne ich falsch.

    Das klingt jetzt komisch, aber du kannst die Aufgabe so zerlegen wie in der Grundschule (3*8 + 10*8). Diese Form von vereinfachender Systematik hat mir geholfen. Kleine Brötchen backen.

    Ich habe eigentlich einen ganz großen Wortschatz aber ich hab keinen Zugriff zu mein Wissen.

    Das geht mir genauso. Es ist so, als wenn meine Psyche eine hohe Begrenzung für den abrufbaren Wortschatz hat. Diese Symptome, über die wir reden, sind Schutzmechanismen unserer Psyche. Zum einen war das einfach notwendig, zum anderen ist es hinderlich.

    Musik,die ich eigentlich auswendig kenne kann ich kaum mitsingen.

    Am besten nochmal in die Songtexte vertiefen, auch wenn sich das erst blöd anfühlt.

    Es ärgert mich schon sehr, wenn ich das nicht verbergen konnte.

    Es ist besser, einiges vehement zu verbergen. Ich stelle mir vor, dass das bei dir eine große Kraftanstrengung bedeuten kann. Das zeugt von innerer Stärke.

    Ich glaube da liegt schon noch einiges an Arbeit vor mir.

    Finde es bemerkenswert, wieviel Mühe du dir gibst. Meine Sorge war, dass dir eine depressive Stimmungslage nicht fremd ist.

    Nur bei mir selbst...ist halt schwer sich einzugestehen, dass man so defizitär ist.

    So geht's mir 50 % der Zeit auch. Manchmal kann ich frei mit meiner Betreuerin oder mit einem Psychiater über mein Befinden und meine Defizite reden, aber dann gibt es auch wieder Zeiten, da habe ich keinen Mut dazu, sodass ich mich sozial isoliere.


    Ich denke, dass die verschiedenen psychischen Probleme des Menschen mit einer zentralen Basisproblematik zu tun haben. Würde man diese flächendeckend thematisieren, wäre unser Zusammenleben bereits etwas weniger fördernd für Neurosen u. letztendlich auch Psychosen.

    Ich hatte neulich ne DR gehabt und dabei Panikatakke mit 197 puls gehabt.

    Hatte mal das Gleiche, auch den hohen Puls (Blutdruck bis 230). Da war ich in etwa 19 1/2. War kurz vor dem endgültigen Ausbruch der Erkrankung und dauerte mehrere Tage lang an. Wusste gar nicht, wie mir geschieht und habe dann arg (cyber-)hypochondriert.

    Aber gehört Derealisatin mit zur Psychose?

    Hast du deinen Psychiater mal gefragt? Meine gelesen zu haben, dass es ein Symptom beim schizophrenen Spektrum sein kann, bin mir aber nicht sicher. Habe es aber manchmal selbst.

    Kopf wie in Watte gepackt und dieses Kribbeln im Kopf?

    Meinst du mit "Kopf wie in Watte gepackt", dass du innerlich eine Art Widerwillen wahrnimmst, an der Realität teilzunehmen? Also dass sich dein Kopf quasi ausklinken will und den Bezug zur Welt kappt?


    Das Kribbeln im Kopf dachte ich, könnte man unter taktile Halluzinationen einordnen. Aber keine Ahnung.

    Ich brach die Reha ab und bin seit dem im Krankenhaus, nun geht es mir wieder besser.

    Erstmal super, dass DU dir Hilfe holst. Gönn dir gedankliche Ruhe. Irgendwas muss dich jedoch sehr stark bedrücken, denn sonst wäre das Zustandekommen der Symptome nicht möglich.


    Grüße, Recovery

    Ich hoffe einfach, das das Schrecken irgendwann ein Ende hat.

    Ich leide schon seit 9 Monaten darunter...

    Ist kräftezehrend und enttäuschend. Ich habe mich am Anfang in so einer krassen geistigen Umnachtung befunden - es ist unfassbar mit welcher Geschwindigkeit das damals auf einmal passierte. Desaströse Auswirkungen...


    Ist es tatsächlich möglich nur einmal im Leben daran zu erkranken & dann nie wieder ?

    Vergeht diese Phase irgendwann ?

    Ist es normal, dass ich kein Glück / Trauer empfinden kann ?

    Ist es normal, dass ich totale Sprachstörungen habe ?

    Du kannst einiges dafür tun, dass du nur einmal erkrankst und dich nun auch mehr und mehr erholst. Es ist bei jedem ein ungeschriebenes Blatt, wie der Verlauf aussieht. Auch wenn es um eine schwere Erkrankung geht: man ist in vielen Einzelheiten noch der/die Alte. Das Glücks- und Trauerempfinden kann sich wieder reaktivieren. Man kann da auch selbst nachhelfen. Sprachstörungen habe ich auch manchmal unter Stress gehabt. Hatte mich teilweise verhaspelt/Wörter stottrig ausgesprochen. Das hat sich gebessert als ich mich in wichtigen Situationen freier, weniger gestresst oder auch aufgehobener gefühlt habe. Wenn man z.B. übermäßigen Redefluss hat, ist es klar, dass die Energien für die Sprachgestaltung irgendwann fehlen.


    Gute Besserung! Könn hier auch Tipps reinschreiben, die dir helfen könnten.

    Übrigens kann man sich dort immer darüber kaputtlachen, wie "psychotisch" doch quasi alle Kirchenlieder aus dem Mittelalter sind ;)

    Ja, wobei es für mich jetzt auf ein resignierendes , "haareraufendes", tragisches Lachen hinausläuft. Es ist ein Dilemma, dass das Wort Jesu für einen geistig beschneidenden, psychisch verzerrenden, psychotisierenden Herrschaftsstrategismus herhalten musste/gebraucht wurde. Noch bizarrer und kognitiv dissonanter ist der Umstand, dass die Aufklärung an einem bestimmten Punkt stagnierte, wobei wir meist an das Gegenteil glauben (zu wissen meinen). Das mit der Säkularisierung ist ein wenig fadenscheinig, wenn z.B. der Großteil der amerikanischen Bevölkerung kreationistisch ist. Die Philosophie und Psychologie haben derweil gute Fortschritte gemacht, mit denen das eigentliche Wort Jesu herausgestellt werden kann (so gut es denn ebe geht), aber anstatt dieses Wissen uns Plebs näher zu bringen, zerspaltet wir uns entweder in das Lager (militanter) Atheismus oder (rückschrittiger) Monotheismus/Polytheismus. Man kann natürlich debattieren, inwiefern diese Entwicklung absichtlich unterstützt wurden und inwiefern das zu legitimieren wäre (das Legitimieren stellt aus staatsphilosophischer Sicht bereits einen großen Ethikkonflikt dar => David Hume). Wenn man aber mal nachfühlt/sich begreiflich macht/sicheinen kurzen Einblick schafft, inwiefern die realitätsverzerrende Binnenlogik der Religionen uns Menschen in unseren psychischen Essenzen zersetzen kann... (Eigenanteil ist wie immer dabei) - naja, da frage ich mich jetzt, ob unsere geistigen "Führer" (Eliten, Berater, Politiker) nicht seit geraumer Zeit mit einer Ratlosigkeit und Gezwungenheit zu tun haben. Das sind Abgründe, die nur gemeinsam überwunden werden könnten. Wie kompliziert das alles ist. Jedenfalls sind religiöse Schriften - und insbesondere das (historische) Handeln der Kirche - das "Reich" der Zwiespältigkeit. Es gibt so schöne bildgewaltige Allegorien und transzendente Statements in der Bibel, aber genauso viel pathologischer Mumpitz (der sich auch unter mit Deckmantel des augenscheinlich Positiven verkleiden kann). Also keine Ahnung, wo wir als Menschheit hinwollen. Forschung ist gut, Güterverteilung auch, nur was ist mit der psychisch-spirituellen Perspektive?? Ich sehe immer nur, wie um mich rum jeder ein wenig verkümmert scheint, gedemütigt oder sogar rachetrunken und neidisch. Letztendlich erkenne ich mich da auch selbst. Mir macht das nur so eine kognitive Dissonanz, die ich nicht ertragen kann. Wir sind in Lager aufgespalten und wir haben an Fähigkeit eingebüßt, uns im Anderen zu erkennen und Bindung zu kreieren mitsamt Diskursethik.

    Nina2809

    Nagarjuna


    Chronische Stimmenhörer (imperativ-drangsalierende Stimmen) mit FLUANXOL zuzuspamen, ist mindestens genauso verantwortungs- und innovativlos. Fluanxol ist in etwa wie Haldol. Habe das bei einem aus der Klinik mitbekommen. Er hat ganz gutgläubig die Pillen genommen. Kann ich verstehen. Wenn der eigene Kopf einen mit aggressivsten Vorwürfen überschüttet, klammert man sich an jeden Ast, der Linderung verspricht. Nur bekam er dauerhafte Schluckstörungen, Zuckungen, war kraftlos, litt unter seinen seelischen Schmerzen und konnte nicht mehr richtig gehen. Noch dazu wirkt man somit ganz verschroben auf seine Mitmenschen. Dabei war er noch gesprächsbereit. Seine Empathie und Kognition litten zwar durch Medikament und Erkrankung, aber er war auch klar (gespalten in Stimmenhören und normale Psyche). Deswegen bestünde da eigentlich noch die Chance, psychotherapeutisch zu intervenieren.

    Hallo g1proo1,


    was hast du für Positivsymptome?


    Ich wünsche dir viel Kraft und Glück beim Überstehen deiner derzeitigen Lebensphase.

    Trump ist von der Persönlichkeit her unerträglich und abstoßend. Wie er Reporter behandelt, wie er sich selbst Bewunderung zuraunt, mit welcher Unbekümmertheit er plump und unsensibel über andere herzieht, das spricht im psychologischen Sinne eine ganz deutliche Sprache. Ich rede manchmal mit meiner Betreuerin über die geopolitischen Situationen und den derzeitigen Stand der Welt. Viele teilen Hoffnungslosigkeit und Resignation. Ich hoffe, dass wir Menschen uns an die Komplexität des Daseins und unseres Zusammenlebens tiefgreifend und angemessen anpassen.

    Bin immer mal wieder depri und hab keine Lust mehr. Manchmal schwanke ich zwischen Hoffnung und Nihilismus (purer Enttäuschung). Zurückzuführen auf eine Menge eigener Dysfunktionalitäten und der großen Herausforderungen, die wir im Leben haben. Bin ein komischer Mensch. Denke an große Fragen und bürde mir damit zu viel auf. Verstehe mich selbst oftmals nicht. Sowohl innere als auch umgebende Kompliziertheit überfordern mich. Situationen zu simplifizieren ist für mich schwer, weil es so viel zu sehen gibt in der Welt.

    jede Diskussion kommt AUFs gleiche raus

    Tragikomisch. Die psychostrukturellen Hintergründe dessen übersteigen schnell die Auffassungskräfte des Menschen.

    Ich bin oft mit gottlosen Schafen unterwegs, die keine Nächstenliebe kennen, für mich furchtbar! Selbst Leuts mit gebildeten Titel sind ohne Religion und die 10 Gebote hoffnungslose Mitmenschen.

    Du kannst versuchen, die Angst vor der Gespaltenheit und fehlenden Bindung in der Welt zu ertragen, indem du deine Urteile über sie weniger extrem und dafür relativer fasst. Alles kann und darf gewichtet/bewertet werden. Alles bewegt sich auf "Skalen". Extrem wirds an den Endpunkten der "Skalen".