Beiträge von Nutztier

    Das stimmt. Problem ist allerdings, dass dir vermutlich keine Erwerbsunfähigkeitsrente zusteht, oder? Ausbildung oder Lebenshilfe bringen Beitragsjahre.

    Lebenshilfe ist ja keine Ausbildung, aber Arbeitstherapie für Psychisch Kranke, man bekommt Zuverdienst und Rentenjahre.


    Einzige Alternative wäre Grundsicherung für Erwerbsunfähige und wenn du fit genug bist ein 450,- job mit Rentenbeiträgen sodass du in paar Jahren ein paar mehr Rentenansprüche hast.


    Betreutes Wohnen wäre evtl doch auch was?

    Einfach so sich eine Ausbildung aufzwingen zu lassen wenn man eh weiß dass man psychotisch wird ist sinnlos. Da lieber den Arzt wechseln und eventuell beim Rehaberater vom Arbeitsamt nachfragen was es für Möglichkeiten gibt, und sich die Maßnahmen anschauen.


    Grundsicherung und Betreutes Wohnen sind allerdings keine schlechte Kombi, man hat seine Ruhe und kaum existenziellen Druck.

    Das war bei mir so, dass die sofort nach der ersten Psychose immer nur wiedereingliederung wollten, immer nur von Arbeit sprachen und nicht geholfen haben.

    Sag der du willst ne Umschulung (Erstausbildung) in einem Berufsförderungszentrum oder in die Lebenshilfe, das ist sehr viel ruhiger und man lernt viele Leute kennen.

    Lebenshilfe ist eher zu empfehlen glaube ich

    Es gilt die Drittelregel.

    Ein Drittel der Betroffenen hat nach der ersten Psychose nie wieder Probleme, das zweite Drittel hat immer mal wieder Probleme (Schübe), ein Drittel ist quasi schwerstbetroffen.


    Mir geht es jedenfalls besser denn je, muss nicht immer überlegen wie ich über die Runden komme, muss nicht am Essen sparen, und krasse Depression hab ich gerade auch nicht.


    Nach unten hin ist fast immer noch viel Raum: Schizophrenie + Existenzieller Druck + Krebserkrankung wäre zB. sehr, sehr viel schlimmer als Schizophrenie und Rente.

    Es gibt also noch weitaus zermürbendere Szenarien, was allein schon positiv in die Zukunft blicken lässt.

    Mit dem Alter bessert sich die Psyche auch oft. Abwarten ist eine gute Devise.

    Hallo Chris,

    ich war 2 Jahre im betreuten Wohnen, wurde aber zum Selbstzahler da meine private BU Versicherung anfang des zweiten Jahres begann zu zahlen. Dh. die Nachzahlung von etwa 15.000 EU der BU verpuffte förmlich durch Rückzahlung von einem Jahr hartz4 und dann etwa 1700,- Betreuungskosten und Miete im betreuten Wohnen. Da ich zudem auf 450eu basis einen recht unerträglichen job machte, fand ich im betreuten Wohnen nie den Anschluss. Im Grunde saß ich dort zum Schluss nur im Zimmer, ab und zu kam ein Betreuer zum Kaffee trinken, die Mitbewohner waren echt störend zum Teil ziemlich psychotisch.

    Schließlich verließ ich das betr. Wohnen und zog aufs Dorf. 450,- eu job fällt da flach, man zahlt zuviel für zugtickets oder gar Auto sodass sich die Arbeit dann nicht lohnt.

    Geistig war ich bis ca. 2014 noch sehr fit. Das baute dann schnell ab. Wenn ein Freund anrief, redete ich zunehmend weniger, Sprachverarmung ist definitiv eingetreten, liegt aber teils auch an fehlenden Themen. Daher sind mit der Zeit alle Freunde weitestgehend weggefallen.

    Anschluss an die normale Bevölkerung ist als "Rentner" kaum möglich, man wird letzten Endes schon geächtet, selbst im näheren Freundeskreis.

    Hobbies fallen aufgrund Affektverflachung auch weg. Was bleibt ist Netflix und Co.


    An Medikamenten nehme ich nur ein Neuroleptikum, ein Typisches, mit CPZi 50, die Dosis wechselt je nach Befinden. Wichtig finde ich, sowenig wie möglich zu nehmen.

    20 Jahre Neuroleptikum, davon größtenteils eine geringe Erhaltungsdosis.

    Berufsunfähigkeit ist da schnell gegeben, nur muss man aufpassen: in der Rente verliert man schnell jegliche soziale Anbindung, man hat 24/7 nichts zu tun außer Haushalt, das ist auf Dauer nicht so leicht wie es auf ersten Blick scheint.

    Meine Situation erinnert mich an Isolationshaft, und mit jedem Problem steht man gefühlt alleine da. Großer Fehler kann kommen wenn man versucht, der Einsamkeit zb. durch ein Haustier erleichterung zu schaffen; da man selber kaum zurecht kommt, kann es die Situation noch verschlimmern.

    Computerspiele und handy, netflix werden zu den besten und oft auch einzigen Freunden die man hat, und der Gewichtszunahme hat man durch Bewegungsmangel wenig entgegenzusetzen.

    Aber immer noch besser, als sich durch einen Vollzeitjob zu quälen. Kommt natürlich auch auf den Job an, Bücher einordnen in der Bibliothek wäre natürlich immer noch der Isohaft vorzuziehen.

    Hatte selber nach der ersten Psychose vor 20 Jahren eine jahrelange, sehr schwere Depression.

    Es kam bei mir nicht von den Medikamenten.

    Jedenfalls habe ich oft abgesetzt, auch über monatelange Zeiträume ohne Medikation gelebt. Dabei kann ich folgenden Ablauf schildern, der so immer auftritt:
    Erste Tage nach komplettem Absetzen eine Art Hochgefühl, bis hin zu leichter Euphorie, Ideenflut und Tatendrang. Pläneschmieden und oft abstruse Zukunftsträumereien (Honneymoon Effekt).

    Nach etwa fünf bis sechs Tagen tritt anstelle der positiven Gefühle eine Art Reizbarkeit. Aggressionen treten dann mit der Zeit immer häufiger auf, dazu Muskelbewegungen wie Kiefermuskelanspannen und spürbare Verspannung der Gesichtsmuskeln, Zungenrollen.

    Im weiteren Verlauf verflachen die Emotionen wieder komplett, und nach zwei bis drei Wochen pendelt sich ein Zustand ein, der depressiver ist als unter Neuroleptikum, durchbrochen von aggresiven Schüben und auch wahnhaftem Verhalten und Grübeleien.

    Das geht dann über Monate so.

    Wenn ich dann wieder Aufdosiere, geht die Depressivität zurück und der Geist entspannt sich. Emotionale Leere bleibt.


    Klar wird es einen Effekt haben, wenn das Dopamin an den Rezeptoren nicht andockt. Ausbleiben von stärkerem Vertiefen in Arbeit/Hobby (kein "Flow"), und je nach Höhe der Dosis wird man auch emotional abstumpfen.

    Die Erkrankung trägt jedoch bei mir viel stärker dazu bei. Unterscheiden kann man zwischen den beiden Ursachen nur, indem man sich kennenlernt und auch lernt zu spüren, wie die Medikation auf dein Gemüt und Denken wirkt. Spätestens nach einem Absetzversuch weißt du es dann.

    Eventuell solltest du über eine Erhaltungsdosis nachdenken.

    Alkohol und Cannabis scheinst du bedenkenlos zu nehmen, beides ist nachweislich stark krebserregend. Gegenüber Antipsychotika sträubst du dich jedoch.

    Dabei scheint es dir ohne Neuroleptikum doch kaum besser zu gehen.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich die Langzeitschäden von Antipsychotika in Grenzen halten, sofern man verantwortungsvoll damit umgeht. Alkoholismus hingegen wirkt verheerend.

    Dein Zustand wirkt für mich nicht sonderlich stabil.

    Deinem Freund bist du vermutlich nicht attraktiv genug, daran kann man arbeiten.

    Da sie ja keine Krankenversicherung zahlt, was ja Pflicht ist, wäre da eventuell ein Hebel, ihr eine gesetzliche Betreuung aufzubrummen, um eine hohe Verschuldung abzuwenden. Monatlich wächst ja ihr Schuldenberg um den fälligen Beitrag bei ihrer KV.

    Die gesetzliche Betreuung kann versuchen, auch das Bestimmungsrecht über ihren Aufenthaltsort zu bekommen und sie dann einweisen.


    Da sie kein Einkommen hat wird sie im Haus deiner Großeltern bald anfangen, Einrichtung zu verkaufen, um an Tabak und Nahrung zu gelangen, falls ihr das Geld ausgeht.

    Mir hilft Gleichgültigkeit gegenüber eigenen Gedanken, Gefühlen und Impulsen.

    Sich den Wahngedanken nicht hingeben. Sich Gewaltphantasien nicht hingeben. Alles, was irgendwie verlockend scheint, hat immer eine Kehrseite. Genauso ist es mit agitiertem Verhalten, es hilft, sich gleichgültig zurückzulehnen und sich dem Fluss höchstens in Gedanken hinzugeben.


    Genau das gilt auch für die Menschen. Sie sind mir egal. Höchstens wenn man verhöhnt wird, sollte man dagegen vorgehen. Mich lachte unlängst ein Päärchen aus, das im Auto saß. Vermutlich lachten sie über meine Kleidung oder meinen Hund. Ich bin noch einmal zu ihnen hin. Sie haben dann nicht mehr gelacht.

    Zyprexa ist weitgehend bekannt als regelrechter Dickmacher.

    Alle atypischen Neuroleptika fördern wohl die Gewichtszunahme, allen voran wohl das Zyprexa.

    Als weniger dickmachend gilt wohl Risperidon.


    Typische Neuroleptika sind zwar älter, jedoch gut erprobt und spottbillig. Führen zwar eventuell zu bleibenden Störungen der Motorik, aber machen gering dosiert wohl weitaus weniger fett.

    Fluanxol gilt zB. als hochpotent und gewichtsneutral.

    Das wahrscheinlichste wird sein, dass anfangs Drogen die Psychose aus der Latenz gehoben haben, diese versteckt vorhandene Schizophrenie aber jetzt in Stressmomenten hochkommt (wenig Schlaf, neue Kollegen).

    Was dafür massiv spricht sind wie du sagst, jene déja-vu Empfindungen, und auch das auf-sich-beziehen zufälliger Äußerungen, die aber nur fehlinterpretiert werden.

    zB. mit Gift, könnte einfach ein tumbes Wortspiel gewesen sein, derjenige fand es eventuell lustig, dass Gift im Englischen Geschenk heißt und wollte nur herumalbern, oder er war der Deutschen Sprache nicht mächtig und wiederholte das Wort nochmal auf Englisch.

    Solche Erklärungen wird es für jede dieser Äußerungen geben, und dass du diese aus dem Zusammenhang reißt und auf dich beziehst geht ins paranoid wahnhafte.


    Positiv ist dabei, dass du während der Minipsychose noch recht bewusst bleibst, dazu die sehr kurze Dauer, und die sehr geringe Medikation.


    Was ich machen würde ist ein wenig höher dosieren oder wie du sagst, wechseln, aber da auch nicht unbedingt hohe Dosis nehmen wie 30mg von dem Aripiprazol, sondern niedrig anfangen und mal gucken.

    Aripiprazol hat halt nicht so die dämpfende Wirkung wie Risperidon und gewisse Symptome wie Ideenflut und Aggressionen konnte es bei mir zumindest kaum eindämmen.

    Ansonsten Stress und Nachtschichten aus dem Weg gehen, und wenn keine Negativsymptomatik auftritt wäre so ein recht normales Leben sehr gut möglich.

    Unter 30mg Abillify hatte ich durchaus das Gefühl, dass sich Ängste verstärken bzw. eine Art Ängstlichkeit auftrat. Ich habe daraufhin das Medikament tatsächlich wieder gewechselt, wegen eben dieser Angstgefühle, aber auch weil die antipsychotische Potenz von Abillify mir wesentlich geringer vorkam verglichen mit einem alten typischen Neuroleptikum mit CPZI 50, die dämpfende und müde machende Wirkung des Abillify dagegen recht hoch, gerade wenn es zusätzlich zu einem anderen Neuroleptikum gegeben wird.

    Das Abillify hat ein spürbar anderes Wirkungsspektrum als man zB. von Risperdal, Flupentixol, Zyprexa oder anderen Antipsychotika gewohnt ist, und es treten durchaus Angstgefühle auf nach meiner Erfahrung.


    Nicht zu verwechseln aber mit Ängsten, die sich teils nach der Psychose ausbilden können: bei mir trat plötzlich eine regelrechte Hundephobie ein, relativ kurz nach Krankheitsbeginn, dann während der ersten postpsychotischen Depression war eine Art ängstlicher Beklemmung zu spüren über Monate hinweg. Angst bei schnellen Autofahrten habe ich als Beifahrer ebenfalls ausgeprägt.

    Mit der Medikation haben diese Ängste bei mir nichts zu tun, wohl aber mit der Erkrankung.

    Habe ebenfalls eine starke Verflachung meiner Emotionen beobachtet und daraufhin über die Jahre hinweg oft mein Neuroleptikum abgesetzt, einmal über mehr als ein halbes Jahr ohne Medikation gelebt. Die Emotionen blieben flach.

    Kurz nach Absetzen hatte ich in den ersten Jahren oft einen kurzen Höhenflug (ein oder zwei Tage lang) wo es mir besser ging (glaube das nennt sich Honneymoon Effekt).

    Aber danach kamen oft Psychotische Symptome bzw. auch wieder Emotionsverflachung.

    Inzwischen geht es mir auch kurz nach Absetzen nicht besser.


    Man muss aber ganz klar sagen, man gewöhnt sich dran, und man lernt auch wieder sich leichter an Sachen zu erfreuen.


    Emotionslosigkeit gehört für mich auf jeden Fall zu den Negativsymptomen, die bei mir oft einer Psychose folgen.

    Medikamente, wie Risperidon oder Abillify, spielen da in hoher Dosierung sicherlich mit rein, da sie stark in den Botenstoffhaushalt eingreifen.


    Bei 15mg Abillify glaube ich eher, dass ein großer Teil der Emotions- und Antriebslosigkeit von der Erkrankung kommt. Gerade Abillify hat ja eher nicht so die dämpfende Wirkung wie zb. Risperidon. Trotzdem kann es sein, dass es dir mit einem anderen Medikament bzw. einem zusätzlichen Antidepressivum besser ginge.

    Sorry dass ich nochmal hier schreibe, aber muss da mal meine Erfahrungen schildern.


    Nach den Psychosen hatte ich oft die selbe Freudlosigkeit, war unfähig positive Emotionen zu fühlen. Das lag teils an den Medikamenten, aber auch an der Depression nach der Psychose.


    Mit der Zeit besserte es sich jedesmal, zwar langsam, aber stetig. Zur Zeit genieße ich wieder Serien gucken und Computerspielen. Das war nach den Psychosen überhaupt nicht möglich.


    Selbst Monate nach der Psychose war ich unfähig, auch nur eine Seite im Buch zu lesen obwohl ich früher eine Leseratte war.


    Der heilende Faktor ist hier Zeit.

    Zeit ohne Psychose.

    Zeit, die man gerne auch die Medikamente zur Ruhigstellung nutzen kann.

    Die Hoffnung, dass es sich bessert sollte man nicht aufgeben, es bessert sich mit der Zeit.