Selbstvertrauen. Auslöser oder Symptom

  • Hallo Leute,


    ich habe mich schon öfters gefragt wie das bei mir war und komme nicht so recht voran. Die Frage ist was zuerst da war ein schlechtes Selbstwertgefühl oder die Psychose. Es ist nicht so ganz leicht diese Dinge zu trennen, weil sie sich gegenseitig bedingen, aber ich würde es trotzdem gerne mit euch versuchen das zu erörtern. Also versucht mal in eurem Leben zu kramen... wart ihr vor der Psychose komplett Normal oder war da ein schlechtes Selbstbewusstsein vorhanden und die Psychose kam noch oben drauf?

    Ich frage mich auch, ob man die Symptome der Psychose mit einem besseren Selbstwertgefühl "behandeln" kann. So scheint es bei mir zumindest zu sein.


    Grüße,

    DS

  • Ich war vor der Psychose komplett normal vom Selbstwert her. Dann kam die Psychose und dann sank mein Selbstwert.

    Die Psychose hat dann das Gefühl krank zu sein getriggert. Als Folge wurde getriggert, dass ich nicht die Ziele erreichen kann, die ich mir in meinem Leben vorgenommen habe. Auch schaffe ich es nicht mehr alltägliche Situationen zu meistern wie vor der Psychose.

    Diese Differenz zwischen den eigenen Erwartungen und den tatsächlichen Fähigkeiten löst glaube ich das geringe Selbstwertgefühl aus. Man weiß einfach, dass man nicht mehr das taugt wie damals...


    Theoretisch müsste sich das irgendwann wieder annähern. Also dass man sein Selbstbild anpasst, sich neue in der Situation noch mögliche Ziele setzt und die Erwartungen an sich korrigiert. Wenn man das über die Jahre hinkriegt, dann müsste das Selbstwert auch wieder steigen. Aber das ist ein langer und schmerzhafter Prozess.

  • Ich hatte vor der Psychose auch einen guten Selbstwert, also ich war eigentlich zufrieden mit mir. Jetzt ist da halt das Gefühl nich mehr normal zu sein und die Angst andere könnten bemerken, dass etwas nicht stimmt. Als hätte ich mein Anrecht auf ein gutes Leben verwirkt und kann jetzt nur noch Schadensbegrenzung betreiben, damit es nicht noch schlimmer wird. Das sind die negativen Gedanken. Woran ich aber immer mehr glaube ist, dass das Gehirn sich regenerieren und an neue Situationen, ein neues Selbstbild, neues Körpergefühl anpassen kann. Das gibt mir aktuell Hoffnung und deshalb strenge ich mich weiterhin an und versuche mich weiterzuentwickeln, mit dem Wissen, dass das jetzt halt ein großer Rückschritt in meiner Entwicklung war.

  • Krass. Dann seid ihr beide ja genau das Gegenteil von mir. Also von der Entwicklung her betrachtet. Ich hatte in der Psychose immer das Gefühl, wenn ich den Selbstwert in den Griff bekomme, wäre die Psychose auch nicht mehr soooo schlimm. Aber ich hatte auch Phasen in denen ich mich dafür fertig gemacht habe. Ich dachte: " Ich kann nichts, bin nicht so belastbar, gut, erfolgreich wie andere" Was ja per se schon Schwachsinn ist. Gut ich gebe zu ich wäre gern erfolgreicher, aber daran arbeite ich ja. Aber man ist ja kein schlechter Mensch, weil man eine Psychose hat und nicht so belastbar ist. Das redet man sich nur sehr sehr leicht ein

  • Servus Doppel_Standard , bei mir war es so, dass ich vor der Psychose einen viel zu übertriebenen Selbstwert hatte. Wenn man das so nennen konnte....Rückblickend sehe ich mich als arrogant und selbstverliebt. Ich hatte einfach ein saugroßes Ego. Durch die Psychose und meinen Psychiatrieaufenthalt wurde ich erstmal richtig auf den "Boden" geholt. Aber auch drumherum ist viel schief gelaufen...Irgendwann habe ich erst realisiert in welche Richtung ich mein Leben gelenkt hatte. Die Vergangenheit und auch meinen jetzigen Stand im Leben zu akzeptieren fällt mir bis heute nicht immer leicht.


    Eine Zeit lang habe ich mir auf YouTube viele Videos zum Behandeln von Traumata von Dami Charf angesehen und das wichtigste was ich daraus gelernt habe, ist dass man seine Stärke bewundern soll mit welcher man durch kritische Phasen gegangen ist. Man darf ruhig stolz sein wie man schon viele schwierige Situationen gemeistert hat und sich immer daran erinnern!

    Vor allem die kleinen Dinge zählen, wie man immer wieder aufgestanden ist und nicht kleinkriegen lassen hat. Gerade auch, wenn/weil es andere Menschen einen schwer gemacht haben. Das gibt einem auch einen gesunden Selbstwert, auf welchen man weiter bauen kann.


    Wenn du bemerkst, dass deinen Gedanken dich runterziehen, weil du dich mit anderen vergleichst, dann steigere dich da in kein Gedankenkarusell rein. Das Bild was du über dich selber hast muss ja nicht stimmen und negative Gedanken helfen ja auch nicht das Problem zu lösen. Auch helfen sie nicht vorbereitet zu sein, wenn wieder etwas schief laufen sollte. :bald: