Ist die Wahrscheinlichkeit für eine gute Prognose höher als vermutet?

  • Hallo,


    die offiziellen Zahlen zu Schizophrenie sagen, dass ca. 22% nur einen Schub haben, 35% immer wieder Schübe haben, wobei sie zwischen den Psychosen recht normal leben können, 8% haben immer wiederkehrende Psychosen bei gleichbleibenden Residuum zwischen den Verläufen und 35% haben immer wieder Psychosen, wobei die Symptome zwischen den Psychosen jedes mal stärker werden.

    https://www.openthedoors.com/deutsch/images/03_09/chart_4.gif


    Jetzt ist mir aber durch vieles Googeln, vor allem auf Reddit aufgefallen, dass die Diagnose Schizophrenie selten nach der ersten Psychose gestellt wird, selbst wenn die Symptome von der Dauer und Länge einer Diagnose genügen müssten. Ich selbst habe ja offiziell auch keine Schizophrenie, sondern eine Cannabispsychose.

    Sehr oft wird die Diagnose Schizophrenie erst nach der 2ten Psychose gestellt.

    Vor allem wenn Drogen im Spiel sind wird fast immer eine drogeninduzierte Psychose diagnostiziert. Selbst wenn zwischen Drogenkonsum und Psychose schon Monate liegen.

    Das lässt die Vermutung zu, dass die Dunkelziffer mit nur einer Psychose und gutem Verlauf sehr viel höher ist als es die offiziellen Zahlen zulassen, da viele Leute gar nicht die Diagnose Schizophrenie erhalten haben, obwohl sie es eigentlich sind.


    Grüße

  • Hi Kuehnibert,


    du meinst, dass die 22% also nicht die „Dunkelziffer“ beinhalten, die nur als drogeninduzierte Psychose diagnostiziert wurden. Klingt für mich logisch. Vorausgesetzt die Zahlen aus der angegebenen Quelle beziehen sich nur auf Menschen mit der Diagnose Schizophrenie. Eine Dunkelziffer von Menschen mit nur einer Psychose, die gar nicht in Behandlung waren gibt es ja sicher auch noch, von daher hast du wahrscheinlich recht.


    Ich denke die Prognose hängt auch viel davon ab wie man auf sich achtet und wie verantwortungsvoll man mit Medikamenten umgeht. Dazu gehört finde ich auch, dass man diese irgendwann mit ärztlicher Absprache wieder reduziert oder versucht abzusetzen. Irgendjemand hat auch mal ein Video hier gepostet aus dem hervorging, dass eine “vollständige Genesung” nach Absetzen der Medikamenten bei Menschen öfter oder ähnlich oft vorkommt als eine vollständige Genesung unter Medikamenten. ...oder etwas in die Richtung, ich möchte allerdings jetzt nichts falsches schreiben, das war jetzt nur aus der Erinnerung. Ein anderer Teil derer, die die Medikamente absetzen erleidet allerdings auch Rückfälle, vor allem wenn die Medikamente nicht langsam ausgeschlichen werden. Ich glaub die Medikamente, vor allem wenn sie zu hoch dosiert werden, machen auch erhebliche Funktionseinbußen im täglichen Leben.


    Herzliche Grüße

  • Die Prognose einer Psychose hängt auch von der genauen Ursache ab. Akute Psychosen auf Belastungsereignisse oder Stress, Drogenpsychose usw. haben eher eine gute Prognose. Psychosen mit chronischer Entwicklung über Jahre eher schlechte.


    Genberell kann man zusätzlich auch sagen, ne gute Prognose haben Psychose/Schizophrenien, wenn


    - Erstmaliges auftreten eher später erfolgt (24,25 Jahre oder später)...u.a. auch darum haben Frauen eine bessere Prognose

    - Eher Positivsymptome anstatt negative Symptome das Bild dominieren

    - Man vor Erkrankungsbeginn eher ne offene und gesellige Persönlichkeit war.

    - hohe Intelligenz, fleissig und ist und sich nicht aufgibt.


    Eher ne negative Prognose, wenn:


    - die Erkrankung früh, also vor dem 20. Lebensjahr, auftritt.

    - sehr viele Negativsymptome über ne längere Zeit.

    - keine konsequente Medieinnahme


    Das ist das, was ich im Internet bezüglich Prognose bisher im Internet herausgefunden habe. Ohne Gewähr und man darf mich gerne korrigieren. Bezüglich Diagnose weisst du mehr als ich. Ich dachte, dass man immer Schizophrenie diagnostiziert bekommt, wenn man > 6 Monate klare Symptome zeigt.


    LG

  • Ich bin eigentlich eher der Meinung die Prognose ist schlechter. Schizophrenie ist eine chronische Erkrankung per Definition. Menschen die nur eine einzelne Akutphase hatten oder nach 2 Jahren Behandlung geheilt sind, sollten also eigentlich die Diagnose aberkannt bekommen. Das ist ja dann nicht chronisch.


    Allgemein möchte ich auch erwähnen, dass es bei fast allen Erkrankungen eine 20% Quote für Spontanremission gibt. Also fast überall gleich erholen sich 20% der Menschen einfach durch ihre Selbstheilungskräfte. Also das Gehirn reguliert sich wieder selbst.


    Aber ich denke für die wirkliche Beantwortung dieser Fragen sollten wir allgemein die Natur psychiatrischer Diagnosestellung in den Blick nehmen und vorallem die Abgrenzung der Schizophrenie:


    Die ICD10 Kriterien und Diagnoseschlüssel sind ja nichts naturgegebenes. Also Schizophrenie ist ja nichts was objektiv in der Natur wirklich existiert. Sondern man hatte halt Menschen mit Symptomen und über die Jahre hat man diese eben Gruppiert und den Gruppen dann Namen gegeben. Also das sind komplett fiktive menschengemachte Namen und wer nach einem Test, den sich auch ein Mensch ausgedacht hat, eben in diese Gruppe passt - der bekommt eben die Diagnose aufgedrückt.


    Grade bei der Schizophrenie sollte euch ja aufgefallen sein, dass selbst hier im Forum alle Menschen unterschiedlich sind und ein eigenes Krankheitsbild haben.


    Schizophrenie.. das is eben der Obdachtlose am Bahnhof, der nur noch wahnsinnig vor sich hin sabbert und das ist genauso der 20 jährige Student, der etwas zu viel gekifft hat und meint alle lachen über ihn.. um mal 2 Klischees zu nennen.


    Es muss eben irgendwas mit Halluzinationen oder Wahnvorstellungen zu tun haben. Dann ist es irgendwas aus der Gruppe der Psychosen.. alle anderen Diagnosen passen dann weniger. (Also es gibt noch Diagnosen "mit psychotischen Features" aber der Wald und Wiesen Psychiater wird einfach Psychose/Schizo machen) Es gab ja sogar Menschen, die bei verschiednen Psychiatern verschiedene Diagnosen bekommen haben..


    Also lässt sich meiner Meinung nach zusammenfassend sagen:


    Schizophrenie ist eine unfassbar individuelle Krankheit mit unglaublich unterschiedlichen Krankheitsbildern.


    Grade deshalb finde ich eben man sollte solche Statistiken nicht zu ernst nehmen. Weil wenn es eine Studie mit 100 Leuten war, dann können diese 100 Leute halt alle ein ganz anderes Bild zeigen als du.


    Ich würde daher immer empfehlen: ( Da Schizophrene Menschen oft sehr intelligent und refelektiert sind.)


    Werde Experte deiner eigenen Erkrankung und mach dir deine eigenen Gedanken.


    Nimm dir von der angebotenen Hilfe was du gebrauchen kannst. Und wenn du der Meinung bist etwas hilft dir, dann nimm es an und nutze es.


    Und wenn du dir sicher bist, dass du wieder gesund oder geheilt werden kannst. Dann hast du vielleicht viel eher recht, als irgend ein Psychiater, der dir Studien vorliest.


    Du musst lernen was genau du brauchst und was dir nützt. Und dann geh deinen eigenen Weg.