Musik als Teil der Symptomatik

  • Hi,
    bei mir ist es so das ich ganz früher Lieder gehört habe ohne die Texte zu verstehen.

    Heute lasse ich mich die Texte (Lyrics) dann gleich über Google übersetzen indem ich den Titel + Lyrics eingebe. Lässt sich dann normal einfach übersetzt darstellen und man sieht auch die englischen Wörter.

    Nun ist es so das ich mit diesen Texten vieles aus meinen Leben verbinden kann, so das es sich manchmal so anfühlt wie wäre es für meine derzeitige Situation geschrieben. Kennt ihr so etwas?

    Etwa auch das sarkastische Gedicht von Böhmermann. Darin wird zwar von Erdogan geschrieben aber ich kann in gewisser Weise Textstellen daraus so interpretieren das es auf mein eigenes Leben passt. Beispielsweise kenne ich jemand der mit Spitznamen "Gangbang" heißt und "bis der sch...z beim Pinkeln brennt", war eben auch mal so eine Aktion auf der Arbeit wo die absichtlich etwas sehr scharfes an die Tabaskoflasche gemacht haben und es dann eben wirklich beim pinkeln gebrannt hat :grinning_squinting_face:
    Gut ich war da neu und das könnte sogar der "Gangbang" gewesen sein, der das mit der Schärfe gemacht hat.

    Insofern wäre es eben durchaus möglich das irgendwie Dinge aus meinem Leben da mit eingearbeitet wurden und da fragt man sich im psychotischen Sinne eben ob das real sein kann, gerade wenn man auf einmal überall so zumindest leichte Übereinstimmungen findet und quasi erahnen kann welche Musiktexte auf die eigene Lebenssituation passen und das eben auch bei anderen Menschen und Situationen häufig oder ungefähr hinkommt.
    Bei mir waren es ja schon immer eher so größenwahnsinnige Vorstellungen, damals als ich bei Psychose-Online war vor vielleicht 7 Jahren hat die Online-Zeitschrift Zeit eben auch häufiger ähnliche Texte abgedruckt als jene die im Forum behandelt wurden.
    Aber selbst bei Filmen ist das bei mir häufig so das mir dann immer so kleine Einzelheiten auffallen die sehr gut zur aktuellen Lebenssituation passen, etwa kürzlich Scarry Movie.
    An sich ist das ja so gut wie unmöglich, aber mir fällt das eben häufiger auf. Ich könnte mir das auch mit Telephatie erklären, das man spürt welche Lieder in die eigene Situation passen und diese so im Vorfeld auswählt, aber in dem Fall sind das ja auch englische Texte welche ich Sprachlich mich kaum merken kann, weil Englisch so mein Steckenpferd ist.

    Diese Situationen passieren häufig bei mir, zu häufig für menen Geschmack, weil man fühlt sich dann wie in einer Art Zeitschleife gefangen, wo man selbst auf dem Verlauf des eigenen Lebens keine reale Auswirkung mehr hat. Wenn eh schon alles vorherbestimmt ist oder zumindest das alles was man sich wünscht so nie in Erfüllung gehen kann.

    Mag zwar psychotisch klingen aber was meint ihr dazu?

    Medikament können diese Wahrnehmung da nur Teilweise herabsetzen, also ich bin keineswegs akut, aber man fühlt sich echt wie in Gefangenschaft. Die Toten Hosen // „Alles aus Liebe“ , um mal einen deutschen Liedtext herzunehmen. Gut ich drehe auch wirklich innerlich meistens etwas durch wenn ich mich verliebe und so, also sind meistens von den Texten auch solche Lieder oder amerikanische Punkrockbands Blink 187, Sum 41 und so bekanntere Lieder eben.

  • Ich glaube das nennt man Beziehungsgedanken, also etwas in Beziehung zu sich setzen, wo real keine Beziehung besteht.

    Bei mir ist es, wenn jemand (irgendein Mensch) in meiner Nähe auf der Straße lacht. Ich denke dann immer, der/die lachen über mich.

    Auf der anderen Seite ist es bei Musik relativ normal, sich von einigen Textstellen oder ganzen Songs angesprochen zu fühlen. Gerade bei Punk wird ja oft über das ganz normale Leben gesungen, da gibt es viele Anknüpfungspunkte. Ich zum Beispiel höre viel Oi!Punk, da ist das nochmal stärker, zumindest erkenne ich mich da oft wieder. :winking_face:

    Wenn das aber wie Du schreibst dazu führt, zu glauben es wäre alles eher vorbestimmt, ist das schon eher psychotisch bzw. Teil der Krankheit, finde ich. Denn real kennen die Musiker Dich ja nicht und deshalb können die Lieder nicht mit Deinem Leben in Zusammenhang stehen. Ich hab das aber auch bzw. hatte das früher, mit Radiomoderatoren. Es war manchmal als würden sie direkt mich ansprechen, waren aber nur psychotische Beziehungsgedanken. :winking_face:

  • Hey,

    während meiner Psychose hatte ich auch oft diese Synchronitätsgedanken. Aber ich habe die alle abgewehrt als Trugschlüsse meines Gehirns.

    Ich glaube je psychotischer man ist, desto mehr bezieht man diese Dinge auf sich und desto mehr findet man auch Zusammenhänge die Normalos nicht erkennen. Dadurch, dass zu viel Dopamin im Hirn ist ist der Mensch durchgängig im Alarmzustand. Als Folge wird jede Kleinigkeit überinterpretiert. Das Gehirn gaukelt einen ständig vor, dass da irgendwas ist. Da sagt z.B. der Kommentator in anderen Zusammenhang zufällig das eigene Geburtsdatum und sofort denkt man, dass ist ne Nachricht an einen selbst. Man kann sich diesen Gedanken auch nicht entziehen, da das Gehirn einen nicht nur sagt da sei etwas, sondern es einen auch fühlen lässt. Selbst wenn man sich einredet, dass da nichts ist, fühlt es sich dennoch so an als sei da was.

    In letzter Zeit schreibst du echt öfters leicht psychotisch wirkende Beiträge Admin. Die sind zwar interessant, jedoch sagt einen der Verstand sofort, dass da zu viel reininterpretiert wurde. Pass bitte auf, dass du dich nicht in irgendwas verirrst.

  • Hallo Admin ,
    also ich kenne diese Situationen, die du beschreibst ganz gut! Bei mir kam es letztens nach einem stressigem Arbeitstag vor. Da saß ich in der Bahn und habe zu viel in die Gespräche von anderen Fahrgästen reininterpretiert. Einer sagte zum Beispiel: "Nur weil es nirgendwo geschrieben steht, hat das noch nichts zu bedeuten."...Auch wenn ich es nicht wollte, habe ich mich angesprochen gefühlt. Aber das ist der Beziehungswahn.
    Ich weiss auch was du mit dem Gefühl meinst dann wie in einer Zeitschleife gefangen zu sein. Ich beschreibe dieses Gefühl als leichten Realitätsverlust und es kann sich echt abgefahren anfühlen. Nach dieser Bahnfahrt bin ich sofort nach Hause und habe mich für eine halbe Stunde Schlafen gelegt. Den ganzen Abend dann möglichst viele Reize (Laptop, Musik...) vermieden, gesund gegessen, und dann wieder ins Bett gelegt. Hatte noch einen kleinen Spaziergang gemacht, aber da habe ich auch ganz empfindlich auf andere Menschen reagiert. Also war mein Gehirn eindeutig überarbeitet/Reizüberflutet.

    Ich finde, wenn man das Gefühl hat, diese Symptome treten wellenartig auf, dann hat man eine Chance sich davon zu befreien, indem man aus diesen Situationen flüchtet und dem Gehirn in dieser Zeit keinen weiteren Input gibt, auf den er sich was einbilden kann. Ansonsten hat Kuehnibert ganz gut beschrieben, was da für ein Problem vorliegt. Wünsche dir auch die beste Gesundheit!

  • In Beziehung mit Musik kenne ich so etwas auch. Musik wird ja irgendwie "gefühlt" da liegt es nahe, dass bei einer Psychose diese Gefühle auch irgendwie darauf bezogen werden und sich "psychotisch" anfühlen. Ich nehme mir dann immer irgendwelche Teile raus und die geistern mir dann wie ein Ohrwurm im Kopf rum. Ich hatte das mal Thematisch mit Miles Davis, als ich gerade in der Psychiatrie war. In einer manischen Phase habe ich auch sehr viel Musik gehört und mich in diese Welt geflüchtet. Sehr unschön