Erholung nach Psychose

  • Wie war das bei euch nach einem akuten Zusammenbruch? Hattet ihr auch nachdem ihr mit Medis gut eingestellt ward, immernoch für einige Tage/Wochen sehr schnell eine Reizüberflutung, konntet praktisch nichts tun und ward immer sehr schnell überfordert? (Auch nur beim Filmschauen zB.)


    Wie lange habt ihr gebraucht, bis ihr euch einigermassen erholt habt, und wieder lernen/arbeiten/mit Freunden treffen oder einer einigermassen sinnvollen Tätigkeit nachgehen konntet?


    Bei mir wurde noch nie eine Psychose in dem Sinne diagnostiziert....eher psychoseähnliche Zustände bezw. "Minipsychosen". (Ich bin für einige zeit extrem dünnheutig, emotional sehr agitiert, starke Stimmungsschwankungen...Ängste aber nie Halluzinationen oder einen ausgebauten Wahn oder lang anhaltende Negativsymptome.) Ich denke trotzdem, es hat gewisse Gemeinsamkeiten und darum schreibe ich auch hier ab und zu :smiling_face:

  • Ich hatte schon einige Episoden und beim abklingen der starken psychotischen Episoden war ich auch sehr dünnhäutig und bin teilweise an den sich ergebenen Umständen völlig verzweifelt. Ich bin nur keine Frau, die gerne leidet und die Flinte ins Korn wirft. Soweit wie ich konnte habe ich mich nach den Psychosen an die Schwierigkeiten gemacht, die sich ergebenen haben wie zb Geldschulden, Abbrüche diverser Verbindungen beruflich wie privat etc. Habe sie wie jeder normale Mensch minimiert bis gelöst durch zb Umzug, Arbeit und familiäre Unterstützung.

    Man kann durch Krisen immer wachsen, da jede Schwierigkeit, die neu ist, immer mehrere Perspektiven hat und man kann beim ersten Mal auch Fehler machen, bis man den richtigen Weg gefunden hat und wenn diese Schwierigkeit nochmal kommt, hat man dann schon Erfahrung gesammelt und weiß, wie man am besten vorgeht. Jede Schwierigkeit, die einen oft überrascht löst (großen) Stress aus. Aber das Leben ist so und das ist ganz normal daß nicht alles glatt läuft.

    Um sich erholen zu können, muss man sich erstmal ein Plätzchen suchen, bzw. es so herrichten, daß man auch erholen kann.

    Meine letzte Episode hatte ich letzten Sommer, wo ich kurz vor meinem Existenzende war. Die weltweite Quarantäne mit leergefegten Straßen, toten Büros, halbleeren Supermärkten und lahmgelegten Bewegungsmitteln hat mir dann eine ausweglose Apokalypse beschert. Trotz allem existierte diese Totenstimmung nur in dem Bereich, wo viele Menschen zusammenkommen wie jeder weiß und das Leben ging auch für andere weiter und ich konnte eine neue Wohnung und einen Job finden, um mir selber zu helfen. Ich muss noch hinzufügen, daß für meine mentale Stabilität auch ein zusätzliches Antidepressivum sprich Bupropion geholfen hat. Wurde mir empfohlen und meine Psychiaterin fand die Stabilisierung durch das Amphetamin als Upper auch geeignet.

    Es gibt für alles eine Lösung. Auch wenn es scheint, daß alles aussichtslos ist, dann versuche objektiv vorzugehen, zu beobachten, was die genaue Schwierigkeit ist, wie es dazu gekommen ist und wie sich das lösen lässt. Du bist kein anderer Mensch als alle anderen, die die gleiche Schwierigkeit auch haben könnten.

    Man lernt ja immer dazu und der Charakter bildet sich weiter durch Erfahrungen und Stabilität bedeutet, gefestigt zu sein ohne schnell ins Wanken zu kommen. Liebe zu geben und zu empfangen bringt sehr viel Stabilität. Viele Einstellungen und Meinungen ändern sich mit der Zeit.

    Wichtig ist es, sein Umfeld genau auszuwählen, Ruhepunkte zu haben und zu finden und seinen Freundeskreis auch Mal auszusortieren. Sich selber zu stabilisieren und auch Empathie zu zeigen ohne sich unterzubuttern. Wenn man zum Beispiel zu spät kommt und sich dann Ellenlang entschuldigt mit einem reudigen Unterton, dann bleibt man die ganze Zeit halbwerig, instabil. Wenn man sich aber für das Warten bedankt, dann zeigt das Stabilität und man ist nicht der Trottel, der die Zeit verdaddelt hat. Sehr viel vom Inneren Parameter, wie man sich fühlt ist die Summe von dem Austausch mit den Mitmenschen. Schau, ob Du selbst mit dir zufrieden bist und wenn nicht, dann mache wieder Dinge, oder fange etwas neues an, worauf du Stolz bist.

    Wenn das alles nicht zutreffend ist oder kein Ende findet, dann sind das wahrscheinlich die Nerven und man kann es mit Uppern probieren, so wie ich.


    LG ion

  • Danke für deine Antwort.


    Ja...ich werde momentan schon bei eher kleineren Herausforderungen wie mit Freunden treffen (was momentan auch noch nicht sehr häufig ist) oder iwonhingehen sehr schnell müde und benommen. Aber ich denke, nach jedem Schub (egal ob Psychose, schwere Depression oder sonst was) braucht das Gehirn erstmals eine Weile, bis es wieder topfit ist. Nie den Glauben und eigene Ziele verlieren, dann kann es immer besser werden.