Hass auf Schizophrene

  • Ich hab in den letzten Monaten einen regelrechten Hass auf Schizophrene entwickelt. Ich bin selbst paranoid schizophren, merke aber immer mehr, dass andere Schizophrene mich extrem stören. Ich mag die Art von Schizophrenen nicht, dieses oft gefühllose, dieses egoistische ohne es zu merken. Gleichzeitig glauben Schizos häufig, die ganze Welt sei mies oder mies zu ihnen, merken aber selbst gar nicht wie ignorant sie selbst sind. Und nicht nur wie ignorant, auch diese passiv aggressive Art von Schizophrenen, während sie gleichzeitig glauben, gute Menschen zu sein. Ich kenne diese ganzen negativen Eigenschaften von mir und von anderen Schizophrenen. Und am bedenklichsten find ich, dass die meisten Schizos nicht checken, was für miese Menschen sie sind. Sie ziehen sich den Schuh nicht an, sondern glauben die Verlierer zu sein und jammern vor allem viel.
    Ich war neulich erst wieder in Spanien, hab in Hostels gepennt, war mit ein paar Leuten unterwegs. Eines Abends kam in ein Hostel ein offensichtlich Schizophrener mit so einer Sackkarre rein. Ein obdachloser Schizophrener, der von Hostel zu Parkbank zu Hostel zieht. Die anderen hatten Schiss vor ihm. Ich hab ihnen erklärt, dass sie keine Angst haben müssen, der ist halt durch. Ich hatte keine Angst. Ich war nur genervt. Und da hab ich diesen Hass gegen das Verhalten gespürt. Ich hab ihm eine Frage gestellt und er fing an über die Blume auf dem Tisch zu lamentieren. In der Nacht, er hatte ein Bett im Schlafsaal direkt neben mir, das letzte was frei war, hat er mit sich selbst geredet und angefangen einfach so zu klatschen. Es hat mich wirklich belastet. Ich habe mich einerseits wieder erkennt aus Phasen, in denen ich meine Medikamente nicht nehmen wollte. Gleichzeitig hab ich erkennt, wie eklig und abstoßend dieses Verhalten ist. Und der Schluss daraus war, dass ich Schizophrene noch mehr verachte, wenn sie ihre Medikamente nicht nehmen und ich nicht will, dass mir das jemals selbst wieder passiert.
    Glaubt ihr dass dieser Hass auf andere Schizophrene eine Form von Selbsthass ist? Dass ich nicht ertragen kann wie Schizophrene sind, weil ich selbst ganz ähnlich bin?

  • Ich kann mir gut voerstellen, dass du deren Verhalten oder einfach dieses ganze Thema mit Dir selbst in Beziehung stellst. Ich kenne das selber: Als ich in der Klappse war hat mich einiges an meinen Mitmenschen dort gestört. Vor allem die, die sich dort gerne aufgehalten haben. Da wollte ich einfach nicht dazugehören. Ich kann für mich selbst nur folgendes sagen: Ich bin froh aus diesem Psychiatriekreislauf weitesgehend raus zu sein. Auf mich gestellt und mit "Normal-verrückten" geht es mir besser und ich komme leichter klar. Für deine Situation kann ich dir nur raten an Dir selbst zu arbeiten, also das heißt, dich selbst anzunehmen. Es werden immer mehr Leute psychisch krank. Wenn du auf jeden von ihnen einen Hass entwickelst hast du einfach zu viel mit negativen Emotionen zu tun...

  • Du projizierst da deinen eigenen Selbsthass und wahrscheinlich auch die Scham- und Schuldgefühle, ebenfalls schizophren zu sein, auf andere. Oft wenn ich deinen Namen hier sehe, geht's im Endeffekt darum, dass du Schizophrene aus Grund A, B, C, D, E (...) verurteilst und dass du zwar auch betroffen bist, aber trotzdem ja irgendwie "besser", weil du entweder nicht jammerst oder jetzt anscheinend keine offensichtlichen Symptome zeigst... obwohl du halt - und ich denke das weißt du auch - nicht besser bist. Ich finde das ehrlich gesagt einfach traurig - für dich und andere Betroffene -, weil du ihnen kein Verständnis oder Empathie engegenbringst und dir dann im Umkehrschluss auch nicht. Außerdem fällt dir damit ja auch ein Support-Netzwerk an Betroffenen weg, obwohl ihr euch gegenseitig ja unterstützen könntet. Du behandelst Betroffene (und dich) so wie die Gesellschaft das tut, mit vorschnellen und, wie ich finde, einfältigen Verurteilungen. Findest du das echt okay? Naja, ist natürlich deine Sache! Aber ich würde da therapeutisch ansetzen, so viel Hass in sich zu haben, so verbittert zu sein, so wenig Respekt für Erkrankte (der eigenen Krankheit) aufzubringen kann unmöglich glücklich machen. Du beschäftigst dich ja anscheinend viel mit deiner Krankheit und wenn ich deine Beiträge lese, sehe ich da schon einen Leidensdruck, eben einen großen Konflikt mit dir selbst. Hast du deine Krankheit denn soweit schon 'akzeptieren' können, also dann eben auch in dein Selbstbild integrieren können? Ich denke, dass das wichtig ist, um mit sich selbst ins Reine zu kommen und dann eben auch wertschätzend mit anderen Menschen umgehen zu können. Ich käme nie auf die Idee einen augenscheinlich obdachlosen Mann zu verurteilen, weil er Symptome zeigt. Erstens weißt du nicht, warum er mit sich selbst redet, das muss nichtmal eine Störung aus dem schizophrenen Formenkreis sein. Zweitens hat er es, wenn er auf der Straße lebt (und wer weiß, wie das Gesundheitssystem in Spanien überhaupt funktioniert), höchstwahrscheinlich keinen oder einen sehr erschwerten Zugang zu Medikamenten. Meine Vermutung ist ja, dass es dir peinlich war, dass deine Bekannten einen kranken Menschen gesehen haben, dessen Symptome zu kennst und dass sie Angst gehabt haben. Würde mir ja genauso gehen, da fühlt man sich unwohl, wenn die Leute da eher negativ auf etwas reagieren, was man selbst hat. Und das hast du dann eben auf den Mann übertragen und diese Wutgefühle entwickelt.

  • Woher kommt das, dass Menschen meinen man wäre unglücklich wenn man zu anderen ein Arschloch ist?


    Die Forschung hat schon lange festgestellt Mobber werden im Erwachsenenleben oft sehr viel erfolgreicher als ihre Opfer.


    Man kann doch auch total selbstverliebt sein, während man andere Menschen nieder macht und sie veletzt.


    Zu sagen Menschen hätten einen Nachteil wenn sie Aggressionen gegen andere in sich tragen, stimmt meiner Meinung nach so nicht.


    Natürlich ist man ein besserer Mensch, wenn man liebevoll, höflich und freundlich ist. Aber man hat keine Vorteile davon. Und es ist nicht "gesünder" oder so.


    Jeder Mensch kann sich frei entscheiden, ob er ein Arschloch ist oder sich anstrengen will nett zu sein.

  • Was meinst du denn mit erfolgreicher, worauf bezieht sich das? Das Arbeitsleben? Da würde ich nämlich auch argumentieren, ob ein erfolgreiches Arbeitsleben schon ausreicht, um jemanden glücklich(er) zu machen oder nicht.


    Tatsache ist ja, dass Abwärtsvergleiche ("Arschloch-sein") sich kurzfristig geil anfühlt (und mit kurzfristig meine ich verglichen mit dem gesamten Leben) das kennt wahrscheinlich jeder. Aber das Bedürfnis nach diesem Verhalten, die Notwendigkeit, hat an sich schon mit Leid zu tun. Jemand, der mit sich im Reinen ist, seine Stärken und Schwächen sehen, verstehen und akzeptieren kann, hat es schlicht und ergreifend nicht dauerhaft oder auch nurregelmäßig nötig, von oben herab auf andere zu blicken. Selbst die Menschen, von denen man sagen würde, sie sind die arrogantesten, selbstverliebtesten Menschen (Narzissten) haben an und für sich ein sehr, sehr fragiles Ego und überkompensieren das schlichtweg. Sie halten sich selbst nicht aus und das überträgt sich dann auf andere. Sie versuchen damit einfach negative Gefühle über sich selbst zu bewältigen.


    Selbstverständlich sind die auch "erfolgreich", insbesondere im Job, weil die ihre Probleme gegen andere kehren und nicht gegen sich selbst, das passt ja ganz wunderbar in unsere Ellenbogen-Mentalität. Aber wenn es um Selbstwert, Liebesbeziehungen geht oder allgemein um ehrliche, tiefgehende Freundschaften, sind sie in der Regel sehr, sehr schlecht aufgestellt wegen ihrem Verhalten und ihren Denkmustern. Und wenn du die meiste Zeit deines Lebens damit verbringst, zu hassen, verbittert zu sein, zu denken die meisten um dich herum sind Abschaum, dumm, was-auch-immer, dann bist du nicht glücklich. Du schürst deine Wut, deine Frustration, deine negativen Gefühle. Das kann, wie gesagt, anfangs gut sein, da s kann auch viel Energie und Kraft geben beispielsweise "es den anderen zu zeigen" und dann viel in Job oder was auch immer zu stecken, im Konkurrenzkampf aufzugehen, immer wieder Beweise zu finden, dass andere unten sind und du oben. Auf Dauer macht das aber kaputt.


    Jeder kann entscheiden, wie er sein möchte. Gesünder ist es trotzdem, wertschätzend zu sein. Gegenüber anderen und sich selbst.