Chronischer Verlauf

  • HalliHallo,


    hat jemand verlässliche Informationen dazu, ab wann man von einem chronischen Verlauf bei Schizophrenie sprechen kann? Kommt es da eher auf die dauer der Einschränkungen oder auf die Anzahl der Klinikaufenthalte an? ...oder wie man generell klar kommt im Leben?


    UND ist eine stationäre Behandlung Voraussetzung um als "genesen" zu gelten???

  • Man unterscheidet grob 4 Verlaufsformen:

    https://www.openthedoors.com/d…/images/03_09/chart_4.gif


    Ich würde sagen, dass die Gruppe 3 und 4 einen chronischen Verlauf darstellt. Hier bildet sich ein schizophrenes Residuum und damit verbunden eine gleichbleibende oder über die Zeit stärker werdene Negativsymptomatik.

    Wenn man also immer wieder Psychosen hat und auch zwischen den Psychosen nicht symptomfrei oder nur noch eine schwache Symptomatik hat, dann sehe ich es als chronischen Verlauf an.

    Man könnte darüber diskutieren, ob Gruppe 2 auch nen chronischen Verlauf hat. Die hat aber zwischen den einzelnen Episoden kaum bis gar keine Negativsymptomatik. Sprich eine symptomfreie Phase. Diese Pausen sorgen dafür, dass es in meinen Augen nicht chronisch ist.

  • Externer Inhalt m.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

  • Diese 4 Verlaufsformen kenne ich. (Je nach Studie sind die Prozentzahlen etwas anderst angegeben.)


    Denkst du, es ist vor der Krankheit schon praktisch gegeben, zu welcher Verlaufsform man gehört (hauptsächlich biologische Ursachen) oder man kann selbst etwas beeinflussen, wie gut es einem geht? (durch Verzicht auf Drogen, Rauchen, Zusammenarbeit mit Ärzten, eigene Fähigkeiten stärken usw.)


    Ich persönlich könnte mich mit jedem Verlauf ausser Nr. 4 arrangieren. Dort gehts wirklich kontinuierlich nach unten, während man bei 1 und 2 ja zumindest über einen längeren Zeitpunkt praktisch symptomfrei ist und bei 3 immer vorhandene aber gleichbleibende moderate Negativsymptomatik hat, die sich aber auch iwie handeln lässt.

  • Ich bin überzeugt, dass wir was am Verlauf beeinflussen können. Psychosen brechen ja auch nicht bei jedem aus, der die Veranlagung dazu hat. Also es ist bestimmt 50/50. Also 50% Genetik und 50% Umwelteinflüsse und das eigene verhalten.

    Keine Drogen, Schlaf usw. helfen bestimmt. Aber genaues weiß ich nicht.

    Ist bei mir auch so. Dieser Verlauf Nr.4 macht echt Angst. Aber da sind bestimmt auch viele unterschiedliche Arten drunter zusammengefasst. Bei manchen werden die Negativsymptome vielleicht nur ganz langsam schlimmer von Psychose zu Psychose und bei anderen sehr schnell.

  • Ich bin überzeugt, dass wir was am Verlauf beeinflussen können. Psychosen brechen ja auch nicht bei jedem aus, der die Veranlagung dazu hat. Also es ist bestimmt 50/50. Also 50% Genetik und 50% Umwelteinflüsse und das eigene verhalten.

    Keine Drogen, Schlaf usw. helfen bestimmt. Aber genaues weiß ich nicht.

    Ist bei mir auch so. Dieser Verlauf Nr.4 macht echt Angst. Aber da sind bestimmt auch viele unterschiedliche Arten drunter zusammengefasst. Bei manchen werden die Negativsymptome vielleicht nur ganz langsam schlimmer von Psychose zu Psychose und bei anderen sehr schnell.

    Genau. Zudem gibt es ja verschiedene Dinge, die Negativsymptome nachweislich positiv beeinflussen können. (Sport, Bewegung, MKT, Psychotherapie, soziale Kontakte)


    Die letzten Jahre und auch zukünftig gibts auch immer mehr atypische Neuroleptika und Antidepressiva, die Negativsymptome beeinflussen.


    Der Mensch hat auch selbst eine grosse Selbstheilungskraft, wenn man einfach motiviert dran bleibt.


    Ich denke aus all diesen Gründen: Schizophrenie ist zwar immernoch eine teilweise schwere Krankheit, aber wirklich katastrophale Verläufe werden immer seltener. Wenn man denn Hilfe rechtzeitig annimmt.

  • Chronisch heisst nicht nur, dass man andauernde Positivsymptome hat. Ein schizophrenes Residuum und Negativsymptome ohne Positivsymptome zählen ebenso dazu. Ich für mein Teil habe vorwiegend Negativsymptome und gelte somit auch als chronisch krank.

  • Man weiß halt gar nichts über die Mechanismen hinter der Schizophrenie. Das einzige was wir wissen ist, dass der Dopaminhaushalt durcheinander ist.

    Bei den meisten bildet sich ne Psychose aber irgendwann wieder zurück. Warum haben manche nen chronischen Verlauf, warum haben andere immer wieder kürzere Psychosen, wieder andere nur eine. Was für Hebel werden da im Hirn umgeschaltet, die überhaupt dafür Sorgen, dass plötzlich zu viel Dopamin in manchen Hirnbereichen und zu wenig in anderen ausgeschüttet wird. Warum haben manche gar keine Negativsymptome.

    Ich bin mir auch sicher, dass Psychosen noch durch andere Prozesse begünstigt werden. Nicht umsonst gibt es so viele unterschiedliche Symptome und Verlaufsformen.


    Wir wissen fast gar nichts über Schizophrenie. In Zukunft wird die Forschung bestimmt noch richtig interessant.


  • Cornholio hat hier ein Video zum aktuellen Verständnis der Krankheitsentstehung bei Schizophrenie gepostet. So wie ich es verstehe bräuchte man ein Medikament was als Glutamat-Agonist wirkt.


    Neues Wirkprinzip bei Schizophrenie
    Bei der Suche nach neuen Substanzen für die Schizophrenie-Behandlung richtet sich das Interesse derzeit auch auf das glutamaterge System. Mit Bitopertin…
    www.deutsche-apotheker-zeitung.de


    Glycin-Wiederaufnahmehemmer bessert Negativsymptome
    Der Glycin-Wiederaufnahmehemmer RG16781 kann bei Schizophreniepatienten negative Symptome verbessern. Jetzt wurden die Ergebnisse nach den ersten acht Wochen…
    www.deutsche-apotheker-zeitung.de

    Einmal editiert, zuletzt von Jackjohnson ()

  • Also ich kann mir schon vorstellen, dass es möglich ist Mittel zu entwickeln mit denen es möglich ist, die Symptome komplett einzudämmen. Vielleicht muss man dafür auch garnicht mal zu 100 % verstehen, was genau für Prozesse im Gehirn ablaufen. Wichtig ist nur, dass auch in die Richtung geforscht wird und dafür ist es notwendig, dass die nötigen Gelder zur Verfügung stehen, also auch ein Interesse daran besteht. Ich kann mir auch vorstellen, dass es bestimmt alternativen zu NL und AD in manchen Laboren gibt, nur wie erprobt man das eigentlich? Man kann ja nicht einfach Menschen nehmen und mal schauen wie so ein Medikament wirkt....Keine Ahnung ob man sowas mit Versuchstieren überhaupt erproben kann, weshalb bis heute nur alt bewährte Medikamente auf dem Markt zugelassen sind.

  • Ich bin überzeugt, dass wir was am Verlauf beeinflussen können. Psychosen brechen ja auch nicht bei jedem aus, der die Veranlagung dazu hat. Also es ist bestimmt 50/50. Also 50% Genetik und 50% Umwelteinflüsse und das eigene verhalten.

    Keine Drogen, Schlaf usw. helfen bestimmt. Aber genaues weiß ich nicht.

    Ist bei mir auch so. Dieser Verlauf Nr.4 macht echt Angst. Aber da sind bestimmt auch viele unterschiedliche Arten drunter zusammengefasst. Bei manchen werden die Negativsymptome vielleicht nur ganz langsam schlimmer von Psychose zu Psychose und bei anderen sehr schnell.


    Ja und dem stimme ich auch voll zu! Ich meine sogar, dass es schon erwiesen ist wie zum Beispiel ein gutes soziales Umfeld förderlich für die Genesung ist. Ernährung und ein gesunder Lebensstil haben sicher auch viel Einfluss und Drogen sind zu 100 % absolut schädlich bei Psychosen und es gibt ganz sicher genug Betroffene, welche sich damit auch eine gute Prognose vermiest haben !!
    Ich habe auch schon oft aufgefasst, dass einige Forscher immer mehr erkennen, wie Umweltfaktoren einen größeren Einfluss, als ursprünglich gedacht auf die Entstehung der Krankheit haben. Natürlich gibt es auch Betroffene, welche einfach Ihrem Schicksal erliegen, aber ich glaube trotzdem, dass jeder selbst dazu beitragen kann um die Symptome ein bisschen eindämmen kann, auch wenn sie sehr hartnäckig sind.

  • Man weiß halt gar nichts über die Mechanismen hinter der Schizophrenie. Das einzige was wir wissen ist, dass der Dopaminhaushalt durcheinander ist.

    Bei den meisten bildet sich ne Psychose aber irgendwann wieder zurück. Warum haben manche nen chronischen Verlauf, warum haben andere immer wieder kürzere Psychosen, wieder andere nur eine. Was für Hebel werden da im Hirn umgeschaltet, die überhaupt dafür Sorgen, dass plötzlich zu viel Dopamin in manchen Hirnbereichen und zu wenig in anderen ausgeschüttet wird. Warum haben manche gar keine Negativsymptome.

    Ich bin mir auch sicher, dass Psychosen noch durch andere Prozesse begünstigt werden. Nicht umsonst gibt es so viele unterschiedliche Symptome und Verlaufsformen.


    Wir wissen fast gar nichts über Schizophrenie. In Zukunft wird die Forschung bestimmt noch richtig interessant.

    Du liest ja auch gerne sehr viel im Internet :winking_face:


    Scheinbar hängen Psychosen, welche vor allem mit Negativsymptomen einhergehen, primär mit hirnstrukturellen Veränderungen zusammen (u.a. Hirnvolumenabnahme im Frontalbereich, veränderte Hirnventrikel)...und sind darum auch schwerer zu behandeln, während Psychosen mit keinen oder wenigen Negativsymptomen v.a. mit Veränderungen im Neurotransmitterhaushalt zusammenhängen.


    Das heisst, viele, welche zur "Gruppe 4" gehören, haben wohl schon seit Geburt iwelche strukturellen Veränderungen im Gehirn. Das ist meine Interpretation des ganzen. Mein MRT war zum Glück 2 mal unauffällig.