Schizophrenie und Rauchen

  • Wie ja viele wissen sind schizophrene zumeist starke Raucher. Ich frage mich jetzt: ist das eine Art sich selbst zu therapieren? Rauchen erhöht ja den Dopaminspiegel, was ja die Neuroleptika blockieren. Jetzt stellt sich mir die Frage: Kann Rauchen die Wirkung der Neuroleptika so weit schwächen, daß sie keinen wirksamen Schutz mehr bieten?

  • Kann Rauchen die Wirkung der Neuroleptika so weit schwächen, daß sie keinen wirksamen Schutz mehr bieten?

    So weit würde ich nicht gehen, aber eine Verminderung der Wirkung um bis zu 1/3 oder so ist wohl durchaus anzunehmen.


    Was mich angeht, rauche ich mehr wenn ich NLs einnehme und zwar um etwa die Hälfte mehr Zigaretten.

    • Offizieller Beitrag

    Dafür sind die Neuroleptika meines Erachtens zu stark! Wie ein Tropfen auf dem heißen Stein.
    Rauchen ist aber so ein gesundheitliches Problem von Schizophrenen, die meistens deutlich früher sterben aus diversen auch anderen Gründen.

    Die Zigarettenindustrie hat sich früher bei der Forschung bezüglich der Schizophrenie eingemischt, was an sich nix Gutes bedeutet:
    https://en.wikipedia.org/wiki/…renia_and_tobacco_smoking

    Ich empfehle ja auch ein Nikotinentwöhnungsmittel welches auch ein Antidepressivum ist, also das Bupropion(Elontril/Zyban/Wellbutrin). Das wirkt einerseits gegen die Zigarettensucht so das man das Rauchen entweder deutlich reduziert oder ganz aufhört und Andererseits wirkt sich die Dopaminfreisetzung bei der Wirkweise(Wiederaufnahmehemmer) dieses Medikaments sehr positiv auf die Psychose aus. Gerade durch diesen Medikament werden die Negativsymptome besser, was insgesamt auch zur Besserung der Positivsymptomatik beiträgt.

    Bei einer Psychose gibt es ja einen Dopaminüberschuss der üblicherweise behandelt wird, aber im Bereich des Frontallappens also der vordere Teil des Gehirns ist mit Dopamin unterversorgt oder es ist eine Art Unterfunktion, dadurch lässt sich etwa durch Bupropion die Negativsymptomatik aber auch Nebenwirkungen lindern.

    Was das Rauchen angeht, so glaube ich eben das nur die Wirkung minimal abgeschwächt wird solange man Neuroleptika regelmäßig einnimmt. Bevor man Akut ist oder wenn man Akut ist dann könnte das Rauchen stärker ins Gewicht fallen.
    Meine Erfahrung ist auch das die Psychiatrie relativ hohe Neuroleptikadosierungen gibt, also das Dopaminsystem lässt sich schwer gleichmäßig regulieren, meiner Meinung entstehen dadurch viele Negativsymptome was dar Rauchen für die Betroffenen attraktiver macht weil diese Symptome dann nachlassen.

    • Offizieller Beitrag

    Unter dem Namen kenne ich das Dreckszeugs sogar. Das hat bei mir über zwei Wochen Schlaflosigkeit verursacht bis ich aggressiv wurde und es dann abgesetzt werden musste. Schlimmstes Medikament was ich je genommen habe.

    Da hattest du aber kein Neuroleptikum zusätzlich oder?
    Die Psychose macht auch aggressiv, das mit der Schlaflosigkeit ist möglich wenn man es allein (ganz ohne Neuroleptikum) einnimmt, Schlaflosigkeit ist auch so bei Psychose Gift wenn man dann 1 oder 2 Nächte wach bleibt.

    Bei mir hat es gegen Stimmungsschwankungen sehr geholfen, die hat es zurückgehalten und gelindert, wobei trotzdem etwas Neuroleptikum notwendig war. Bei längerem weglassen des Neuroleptikums ist die Wut und Aggressionen zwar deutlich später aber auch wieder durchgekommen.

    Wie und wann und wofür hattest du das bekommen? Mit welchen Medikamenten hattest du es eingenommen wenn ich fragen darf?

  • Bezüglich Rauchen hat uns eine Ärztin einmal gesagt, dass man schon 3 Schachteln am Tag rauchen müsste, um die Wirkung der Neuroleptika ernsthaft abzuschwächen.

    Vor allem raucht man während einer akuten Psychose mehr, wohl aus Stress oder weil man da enthemmt ist.

    Eine geringere Dosis eines Neuroleptikums führt nach meiner Erfahrung nicht dazu, dass man mehr raucht.

  • Ich habe mehrmals geschafft, einen fast ganzen Tag nicht zu rauchen. Allerdings war ich ohne Nikotin so müde mit meinen eher müdemachenden Antipsychotika, dass ich den ganzen Tag nicht einsatzfähig im Bett lag. Das ist ja dann auch keine gute Alternative zum Rauchen. Rauchen ist eben anregend. Zumindest bei mir.

  • Nikotin lässt mein Medikament Olanzapin schwächer wirken. Müsste mehr nehmen wenn ich rauchen würde. Hab deswegen mit dem Rauchen aufgehört. Bin jetzt seit fast 5 Monaten rauchfrei.


    Ich glaube, dass Schizophrene häufiger Raucher sind, hat mehrere Ursachen.

    Zum einen ist es so, dass Schizos allgemein suchtanfälliger sind was vermutlich der Genetik geschuldet ist. Schon vor dem Ausbrechen der Krankheit nehmen Schizophrene wahrscheinlicher Drogen zu sich als der Durchschnitt.

    Zum anderen bedeutet die Krankheit in den meisten Fällen mehr Stress, mehr Langeweile und Unzufriedenheit. Das sind alles Dinge, die man mit dem Rauchen kurzfristig ausgleicht.

  • Nikotin verschnellert meinen Stoffwechsel, meine Verstoffwechselung, und regt meine Peristaltik an. Ohne Rauchen kriege ich Verstopfung.

    • Offizieller Beitrag

    Mutante

    Du könntest auch mal ein SSRI Antidepressivum wie Citalopram probieren, bezüglich der Verstopfung sollte das helfen.
    Ich hatte vom SNDRI Bupropion damals auch Verstopfung bekommen was mit der Wirkweise des Medikaments auf das Noradrenalin zusammenhängt. Mit dem SSRI Citalopram gingen diese Nebenwirkungen weg. Citalopram wird sehr häufig gerade auch bei Depressionen aufgeschrieben und ist von der Verträglichkeit recht mild. Bei mir hat es sich zumindest mit unterschiedlichen Neuroleptika die ich im laufe der Zeit hatte gut vertragen.
    SSRIs wirken ja selektiv auf das Serotonin, die antidepressive Wirkung ist da kaum vorhanden wenn man das zum Neuroleptikum einnimmt, also da sollte es kaum einen Unterschied machen.

    Wäre zumindest ein Gedanke von mir, weil Rauchen ja auch keine Lösung sein kann und die Verstopfung auch Medikamentebedingt auftreten kann, da die Neuroleptika ja auch unterschiedlich an einigen Gehirnrezeptoren ansetzen.

  • Ich hatte schon als Kleinkind Verstopfung. Das war überhaupt der Grund, weshalb ich Raucherin wurde.


    Ich könnte in der Apotheke mal nach etwas Pflanzlichem dafür fragen.


    Antidepressiva bekomme ich von meiner Psychiaterin nicht, sondern nur Antipsychotika.

    • Offizieller Beitrag

    Ich hatte schon als Kleinkind Verstopfung. Das war überhaupt der Grund, weshalb ich Raucherin wurde.

    Mutante
    Mit wieviel Jahren hast du denn angefangen und ist das wirklich dein Ernst? So eine Aussage klingt für mich irgendwie absurd.

    Antidepressiva bekomme ich von meiner Psychiaterin nicht, sondern nur Antipsychotika.

    Gut ein anderes Antipsychotikum hat eventuell ähnlichen Effekt. Du solltest das auf jeden Fall mal ansprechen das du anfällig für Verstopfung bist und ob sich da von der Medikamente-Einstellung etwas machen lässt.
    Welches Neuroleptikum hast du gerade?

    Im Allgemeinen ist die Einstellung deiner Psychiaterin keine Antidepressiva zu verordnen etwas engstirnig. Man kann da mit den Medikamenten keine klare Grenze ziehen. Antipsychotika wirken zwar effektiv Antipsychotisch, aber es gibt ja auch Negativsymptome und bestimmte Nebenwirkungen wo der richtige Einsatz unterschiedlicher Wirkstoffe nützlich ist.

    Pflanzliche Mittel wie Johanniskraut welche eventuell ähnlichen Effekt haben sind problematisch, weil da viele Wechselwirkungen mit anderen Psychopharmaka auftreten, von daher sind die chemischen Mittel manchmal auch besser.

  • Ich rauche und trinke Alkohol seit meinem 12. Lebensjahr.


    Ich glaube, mir bei mir ist Hopfen und Malz verloren. Also mach Dir bitte keinen großen Kopf um mich. Medikamentös geht da wohl gar nichts mehr als:


    Morgens: 1000 mg Valproat, eine Rosskastanientablette, eine Eukalyptuskapsel (ohne die kriege ich als Raucherin kaum Luft), Eine Entwässerungstablette (Ist wohl gegen die Nebenwirkungen der Antipsychotika)

    Mittags: eine Entwässerungstablette und eine Eukalyptuskapsel

    Abends: 1000mg Valproat, eine Rosskastanien tablette, eine Eukalyptusölkapsel, eine A-Z Ü50

    zur Nacht: 20mg Olanzapin

    • Offizieller Beitrag

    Mutante

    Vom Rauchen her würde sich das Bupropion anbieten, weil es als Nikotinentwöhnungsmittel da sehr nützlich ist.
    Das ist im Übrigen diesbezüglich auch bei Schizophrenie laut den aktuellen Leitlinien zugelassen:

    https://www.awmf.org/uploads/t…Schizophrenie_2019-03.pdf
    Bei Empfehlung 109 findest du das.

    Das Problem beim Bupropion ist eben das es Verstopfung begünstigt und Miktionsstörungen(schwache Blase) machen kann, von daher wäre da in jedem Fall Citalopram nötig. Also das sind so 2 Wirkstoffe die zusammen besser als einzeln sind.

    Da diese Antidepressiva gegen die Stimmungsschwankungen helfen, wäre Valproat dann eigentlich hinfällig.

    Ich hab bevor ich mit dem Bupropion angefangen habe eine Schachtel am Tag geraucht, aufhören war mir da unmöglich und wenn nur für ein paar Monate. Seid ich das habe bin ich so bei maximal 2-3 Zigaretten am Tag (meistens gar keine).
    Das wäre theoretisch also auch ein Ansatzpunkt wegen der Nikotinentwöhnung zu fragen, aber Bupropion macht ohne dem Citalopram unter den Umständen gar keinen Sinn.

    Olanzapin gut, da würde ich an deiner Stelle erstmal dabei bleiben. Wäre aber auch so fraglich ob sich die Antidepressiva mit dem Olanzapin gut vertragen würden, dazu fehlt mir eine Erfahrungslage, selbst hatte ich nur kurzfristig so mal Olanzapin mit diesen Antidepressiva eingenommen und hatte da keine Schwierigkeiten, bin dann aber wieder zurück auf das Aripiprazol.

    Also wenn dann wäre es als kompletten Ersatz für das Valproat sinnvoll die beiden Antidepressiva (Bupropion+Citalopram), in dem Fall mit Vorbelastung wie die Neigung zu Verstopfung wäre dann erst das Citalopram und dann erst zusätzlich das Bupropion in der Reihenfolge sinnvoll.

    Das ist von mir jetzt nur eine theoretische Abhandlung welche Möglichkeit du da hättest, aber sind eben trotzdem Antidepressiva und wäre dann als letzteres das Nikotinentwöhnungsmittel Bupropion. Dieses Antidepressivum wirkt auch auf das Noradrenalin was zwar die Neigung zu Verstopfung und Miktionsstörungen steigert, aber zusammen mit einem Neuroleptikum Stimmungsstabilisierend ähnlich wie das Valproat wirkt.

    Nur so als Gedanken dazu auch wenn das unrealistisch ist solange diene Ärzte da dicht machen.

    Ich hab heute übrigens den Artikel von der Empfehlung in ein PDF Format / Seitenansicht zum Drucken umgewandelt, das wäre damit also auch eine Möglichkeit das auszudrucken so das der Arzt etwas in der Hand hat und es sich zu einen späteren Termin überlegen kann. Da steht eben als Neuroleptikum Aripiprazol drin, was in deinem Fall mit Olanzapin klappen könnte. Zumindest wäre die Nikotinentwöhnung dabei ein zusätzliches Argument.
    https://psychose-forum.com/att…deutsch-druckversion-pdf/


  • Jetzt hast du dir doch so ein kopfzerbrechen um meine medikamente gemacht. Ich mache mir eher kopfzerbrechen um meine psyche und mein sozialleben.

  • Jetzt hast du dir doch so ein kopfzerbrechen um meine medikamente gemacht. Ich mache mir eher kopfzerbrechen um meine psyche und mein sozialleben.

    Na wengistens ist Rauchen für soziale Interaktionen gut haha so kann man zum Beispiel immer mal jemanden ansprechen ob dieser Feuer hat.

    Ansonsten bin ich mir nicht sicher, ob Rauchen bei Psychosen sonderlich förderlich ist. Vielleicht gut gegen Negativsymptomatik, aber können Zigaretten nicht dafür Positivsymptomatik begünstigen? Ich denke, dass alles was berauschend ist, oder die Sinne überflutet, vermieden werden sollte.