Paranoide Schizophrenie

  • Hallo, ich bin seit 3 Jahren an P-S erkrankt und hatte bisher 3 Schübe.


    Was mich viel mehr belastet als die Krankheit ist, die ANGST vor dem Maßregelvollzug. Ich habe gehört, dass es möglich ist, vor allem bei chronischen Verläufen, den Betroffenen schon bei einem Bagatelldeligt lebenslänglich wegzusperren. Kennt ihr solche Ängste und haltet ihr es für Möglich, dass man sogar Straftaten "unterstellt" bekommt? ... nur um kranke wegzusperren?


    Ich habe schon oft gehört, das Patienten unterstellt bekommen in der Klinik etwas angestellt zu haben, wodurch sie dann psychiatrisch begutachtet werden und dann auf unbestimmte Zeit in die Forensik wandern


    liebe Grüße, Tomy

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    • Offizieller Beitrag

    Tomy

    es klingt eher so das es ein Teil deiner paranoiden Symptomatik ist oder sein könnte. In der Erkrankung steigert man sich häufig auch in Dinge rein die man so aufschnappt und einen selbst weniger betreffen. So etwas kann also Teil einer Wahnsymptomatik sein, etwas was du derzeit kaum verstehst und wo du Antworten suchst damit diese Ängste gelindert werden.

    Darf ich fragen welche Medikamente du bereits bekommen hast und ob du die Wirkstoffe aus bestimmten Gründen abgesetzt hast?
    Bei mir war es auch so das ich es sehr oft probiert habe die Neuroleptika loszuwerden und wenn es akut wurde sind dann verstärkt paranoide Ängste aufgetreten wo ich mich bedroht gefühlt habe und teils Todesängste hatte.

    Wenn du keine schlimme Straftat begangen hast, wird man dich kaum einfach so wegsperren können. Bei einer Psychose ist es so das man wenn man psychotisch aufgegriffen wird in die Klinik gebracht werden kann und man dann auf geschlossener Station zum Teil zwangsbehandelt wird, damit weder für dich selbst noch für Andere eine Gefahr ausgeht.
    Das ist noch lange keine Forensik wo man längere Zeit oder gar dauerhaft wie in einen Gefängnis untergebracht wird. Also meist kann man da nur über Wochen und unter Gerichtlichen Beschluss eine Zeit lang in der geschlossenen Station festgehalten werden, was insofern auch nix Schlimmes ist, bis auf die Medikamente die manchmal etwas reinhauen.

    Insofern wäre es gut, wenn du bevor du einen schweren Rückfall mit Klinik hast, eben einen oder deinen Psychiater aufsuchst und schaust das du erstmal ein Neuroleptikum hast und bekommst damit diese Ängste reduziert werden.

    Von daher die Frage wie du gerade behandelt wirst und welche Medikamente du einnimmst?

    Es gibt von den Atypischen Neuroleptika eine ganze Reihe an Wirkstoffen, die du zusammen mit deinen Psychiater ausprobieren kannst wenn du mit deiner bestehenden Medikamenteeinstellung unzufrieden bist. Häufig leiden Erkrankte ja unter der Negativsymptomatik und Nebenwirkungen, wobei bei dieser Erkrankung lediglich die Positivsymptome relativ gut behandelbar sind.

    3 Jahre ist eine relativ kurze Zeit, also da musst du sicher erstmal deinen Weg und eine günstige Behandlung finden.

    Hier im Forum findest du eine gut verträgliche Medikamentekombination die eventuell besser wirksam und verträglicher ist, aber so eine Umstellung braucht Zeit, Geduld und da muss man eben schauen was zusammen mit dem Psychiater möglich ist.

    Vielleicht möchtest du über deine Symptomatik schreiben, welche Sachen dich da beschäftigt haben und welche Positivsymptome bei dir aufgetreten sind?

    Die Neuroleptika können helfen diesen Ängsten anders zu begegnen, da gehört wohl auf längere Zeit auch dazu das du dort wo du dich sicher fühlst deine Ängste ansprichst, wie hier im Forum, damit nach und nach der Erkenntnisgewinn diese Grundängste reduziert und damit auch diese Art von Wahn abklingt.

  • Was mich viel mehr belastet als die Krankheit ist, die ANGST vor dem Maßregelvollzug. Ich habe gehört, dass es möglich ist, vor allem bei chronischen Verläufen, den Betroffenen schon bei einem Bagatelldeligt lebenslänglich wegzusperren. Kennt ihr solche Ängste und haltet ihr es für Möglich, dass man sogar Straftaten "unterstellt" bekommt? (bsplw. von der Polizei) nur um kranke wegzusperren?

    Knast ist was für Kriminelle. Psychotiker kommen in die Forensik. Du hast durchaus recht dass man dort schneller und länger landen kann als der Kriminelle im Knast. Unterstellt wird dir höchstens die sog. Eigen- oder Fremdgefährdung um dich - eigentlich unrechtmäßig - Zwangszubehandeln wenn du den Leuten zu sehr auf die Nerven gehst. Denn für diese Eigen- oder Fremdgefährdung reicht schon wenn ein Psychiater sagt "der könnte sich/jemandem etwas antun" und da noch nichts passiert ist gibt es dann auch keine Beweise die ein Richter durchprozessieren könnte.


    Kurzum: Vor dem Knast brauchst keine Angst haben. Vor der Polizei schon, aber "nur" im Bereich der Zwangseinweisung.

  • Es ist meines Wissens sogar eher so, dass du schuldunfähig erklärt wirst. Es gab mal einen Serienmörder, der dann trotz Schizophrenie schuldig gesprochen wurde. Aber das passiert selten.


    Je nach Verbrechen, welches dir nachgewiesen wird landest du natürlich im Ersatzstrafrecht also Forensik. Dort bleibst du aber meines Wissens nur, bis klar ist, dass du nicht mehr gefährlich bist.


    Eine völlig anlasslose inhaftierung von schizophrenen wäre mir neu. Da kommt eher das vor was enlightend erwähnte. Die zwangseinweisung mit richterlichem beschluss.


    Aber generell kannst du davon ausgehen, dass die gesellschaft heute ihr bestes gibt, damit es behinderten menschen gut geht und sie ein erfülltes leben führen können. Dir will also eigentlich niemand etwas böses. (Naja stigma sollte man beachten)

    • Offizieller Beitrag

    KotosWegbegleiter ,

    ist interessant aber vermutlich auch eine sehr positive Auslegung von dir.
    Mir ist auch zu Ohren gekommen das es sehr schwer ist aus der Forensik wieder herauszukommen.
    Schizophrenie ist ja beispielsweise unheilbar und was will jemand machen der jemanden wegen Stimmen oder so angegriffen hat oder wenn man jemanden als Sexualstraftäter einstuft?

    Ich denke das auf der Seite der Gesunden es genug gibt die bei solchen Delikten mit einem blauen Auge davon kommen, wo sich bei Schizophrenen die Schlinge zuzieht und man eben dann vermutlich auch keine Straflinderung aufgrund der Erkrankung erwarten braucht. Also das sind ja zum Teil unheilbare Erkrankungen.

    Es ist ein sehr interessantes Thema und ich glaube das Tomy in gewisser Weise schon richtig liegen könnte, das man Schizophrene eben gleich auf dem Radar hat und diese dann Verfolgungswahn und so womöglich auch davon bekommen.

    Eine gewisse Angst vor Kriminalisierung habe ich auch, weil man als Erkrankter dann zweimal Opfer ist. Die können einen dann ja chemisch mit den Medikamenten das Leben oder die Zukunft ganz zerstören, was wohl auch häufig so gehandhabt wird.

    Ich finde von daher das System was wir da haben kaum besser als die Täter und die Stigmatisierung erfolgt ja auch über alle Schizophrenen hinweg ganz unabhängig davon ob man Straffällig wird, viele Menschen wissen das irgendwo einzustufen und abzustempeln und grade weil wir Schizos da angreifbarer sind was soziale Spannungen angeht, gehen diese Dinge eben kaum spurlos an einen vorbei.

    • Offizieller Beitrag

    Tomy


    Die Situation und Vorurteile gegen Schizophrenen und anderen psychisch Erkrankten ist wie sie ist. Da kann man also kaum was dran machen und muss schauen das man weder Straffällig noch zu sehr mit dieser Erkrankung auffällt, weil das ein sehr spaltendes Thema ist.
    Ein Stimmenhörer der auch Soziologe ist meinte das es da ungefähr 50:50 ist, also die Hälfte den Erkrankten wohlgesonnen.
    Insofern gibt es da noch einiges an Aufklärung zu leisten.

    Du bist jetzt 3 Jahre erkrankt wie du schreibst und nimmst vermutlich wie viele irgendwelche Neuroleptika ein die Negativsymptome hinterlassen oder dich beim Absetzen wieder instabil machen.
    Ich war damals für meine Angehörigen eine Zumutung und habe bei diesen Absetzversuchen häufig Symptomatik gehabt und Wut/Schreianfälle, wobei ich mich Fremden gegenüber besser unter Kontrolle hatte. Das war also keine besonders schöne Zeit und wenn ich über diesen Dingen bei den Psychiatern berichtet hätte, dann hätte man mich vermutlich auch Medikamentös vielleicht mit Lithium oder Valproat gar abgeschossen. Die Risiken dieser Medikamente erfährt ja der Betroffene meist als Allerletztes.

    Was ich dir sagen möchte ist, das du da selbst aktiv deine Behandlung mitgestalten solltest um aus diesen Teufelskreis langsam herauszufinden.

    Hier im Forum findest du eine Medikamenteempfehlung von mir, wobei die Antidepressiva insbesondere das Bupropion sehr zur Stabilisierung beitragen und so eine reduzierte Neuroleptikaeinnahme ohne oder mit reduzierten Stimmungsschwankungen ermöglicht, da kann man also auch mit verhältnismäßig milden Antidepressiva etwas machen, die keine Abhängigkeit machen.
    Hier findest du das:
    Medikamente-Empfehlung für Psychose

    Welche Medikamente bekommst du und welche Einschränkungen empfindest du dadurch? Hast du schon mal einen Absetzversuch gemacht?


  • Danke für die vielen Antworten.


    Also ich nehme seit der ersten Episode vor 2,5 Jahren Olanzapin und habe es auch zwischdurch schon mal ohne versucht. Das klappt eigentlich auch ganz gut ohne, aber ich will kein Risiko eingehen. Antidepressiva hatte ich auch schon ein paar mal probiert habe aber im Buch von Jens Jüttner gelesen dass ein Antipileptikum besser gegen die Negativsymptome helfen soll.


    Ich muss immer an den Fall Gustl Mollath und Ilona Haslbauer denken die wegen kleiner vergehen Jahrelang in der Forensik gequält wurden. Das macht mir echt Angst.


    Ich habe noch nie Stimmen gehört oder hatte auch noch keine Haluzinationen. Aber es ist schon manchmal so, dass ich beim Zeitung lesen z.B. Texte auf mich beziehe wo es eigentlich nix zu beziehen gibt. Das ist aber auch besser geworden. Ich frage mich manchmal ob das wirklich eine paranoide Schizophrenie sein soll. Aggressiv bin ich nie und gewalttätig schon garnicht. Meine Familie kommt auch weitgehend mit mir klar.


    Gibt es hier Leute bei denen man schon von einem chronischen Verlauf sprechen kann?


    Auch dass mir mein Arztbrief von meinem letzten stationären Aufenthalt trotz mehrmaliger Nachfrage nicht herausgegeben wird, macht mich stutzig. Und mir ist aufgefallen, dass immer wenn ich Einkaufen gehe irgendwo die Polizei um mich herum ist. Das kann aber auch an der Erkrankung liegen.


    Bei mir hat das am 01.04.2019 angefangen als ich das Bibelhelft "Die einzige Hoffnung" vom ChickGospel-Verlag im Breifkasten gefunden habe. Das kann man auch auf deren Homepage durchlesen. Das sollte aber niemand machen der nicht stabil ist! (Wahrscheinlich hat das ein Zeuge Jehova eingeworfen)


    Am 03.05.21 und am 20.05.21 habe ich gedacht dass es vielleicht eine gute Idee ist mal einen freiwilligen Aufenthalt in der Klinik bei uns zu machen. Als ich den Raucherraum betrat habe ich gedacht mich trifft der Schlag. Dort stand ganz groß INRI an der Wand. Man konnte sehen dass genau dort frühermal mal ein DIN A4 Blatt hing. Das Nikotin hat seine Spuren hinterlassen. Wahrscheinlich hat das da mal ein Patient hingeschrieben. Aufgrund der Tatsache dass man mich dort nicht allzugut Behandelt hat, habe ich meinen Aufenthalt nach wenigen Tagen wieder abgebrochen. (Ich habe dort vertrauensvoll Tabletten genommen, von denen ich jedoch nicht mehr schlafen konnte) unter dem Vorwand es wäre Olanzapin. Zudem habe ich Hornhaut am Handrücken bekommen, das ist bis heute sichtbar. ...und meine Extrimitäten waren eiskalt. Da ich Olanzapin schon länger nehme weiß ich das sie mir kein Olanzapin gegeben haben, sondern was anderes

    14 Mal editiert, zuletzt von Tomy ()

  • Ich denke auch, dass das ein wichtiges Thema ist. Ich habe dazu aber bisher wenig gehört und würde es unterlassen Gerüchte zu streuen.


    Ich habe allgemein einfach Vertrauen in Psychologen in solchen Einrichtungen, dass sie die Gefährlichkeit einer Erkrankten Person besser einsschätzen können, als es der normal Bürger könnte.

  • es gibt paragrafen für einen bestimmten und unbestimmte aufenhalt in der forensik. Laut Internet wird beim §63 StGB, der Sträfling auf unbestimmte Zeit festgehalten, was einmal im Jahr überprüft wird.

    ich habe dokus gesehen, in denen den patienten das Trinken rationiert wird in der forensik, mit der Begründung das die Medikamente ausgeschwemmt werden.

    Ich muss immer an den Fall Gustl Mollath und Ilona Haslbauer denken die wegen kleiner vergehen Jahrelang in der Forensik gequält wurden. Das macht mir echt Angst.


    Ich habe noch nie Stimmen gehört oder hatte auch noch keine Haluzinationen. Aber es ist schon manchmal so, dass ich beim Zeitung lesen z.B. Texte auf mich beziehe wo es eigentlich nix zu beziehen gibt. Das ist aber auch besser geworden. Ich frage mich manchmal ob das wirklich eine paranoide Schizophrenie sein soll. Aggressiv bin ich nie und gewalttätig schon garnicht. Meine Familie kommt auch weitgehend mit mir klar.


    Gibt es hier Leute bei denen man schon von einem chronischen Verlauf sprechen kann?

    man sollte sich immer überlegen was schlimmer ist, ein Gefängnis im kopf oder ein Gefängnis aus mauern.


    mein Krankheitsverlauf ist von der Krankenkasse und ärztlich bescheinigt, das bringt mir eine kostenbefreihung von den Zuzahlungen bei der Krankenkasse, wie z.B Medikamente.


    Ich hatte auch nie stimmen oder haluzinationen. meine Familie hat mich etwas überfordert ohne Medikamente. Bei fremden personen ist das aber einfacher gewesen, wie Admin beschrieben hat.


    Ich merke aber wenn ich mal morgens eine Tablette vergesse, bin ich unruig und anfällig für meine laster, wie sachen kaufen die ich nicht brauche oder leisten kann.


    Und wenn ich jetzt die abenmedikation weglasse, dann habe ich auch kalte beine und kann nicht schlafen, sowie unruhe oder angstzustände oder Panik.

  • Gibt es hier Leute bei denen man schon von einem chronischen Verlauf sprechen kann?

    Klar gibts die hier.

    Auch dass mir mein Arztbrief von meinem letzten stationären Aufenthalt trotz mehrmaliger Nachfrage nicht herausgegeben wird, macht mich stutzig.

    Da steht auch öfters viel scheiße drin. Hab mal einen für meinen ambulant weiterbehandelnden Arzt gedachten Brief einfach geöffnet und da stand etwas von positiven Drogenschnelltests auf mehrere Substanzen. Ich nehme aber gar keine Drogen. Und solch unfähigen Ärzten soll ich meine Gesundheit anvertrauen und nehmen was die mir sagen??

  • Klar gibts die hier.

    Da steht auch öfters viel scheiße drin. Hab mal einen für meinen ambulant weiterbehandelnden Arzt gedachten Brief einfach geöffnet und da stand etwas von positiven Drogenschnelltests auf mehrere Substanzen. Ich nehme aber gar keine Drogen. Und solch unfähigen Ärzten soll ich meine Gesundheit anvertrauen und nehmen was die mir sagen??

    Also ich nehme mein Olanzapin schon konsequent ein. Die frage ist nur, ob ich als behandelt gelte wenn ich den freiwilligen stationären Aufenthalt nach ein paar Tagen abgebrochen habe. Daraus könnte mir man einen Strick drehen.

  • Hallo Tomy


    Der Maßregelvollzug ist ehr was für Täter, die eine Gefängnisstrafen verdienen + von denen in Zukunft schwere Straftaten zu erwarten sind, weil sie Stimmen hören etc.


    Du brauchst überhaupt keine Angst haben! Wirklich nicht! Um für den Maßregelvollzug verurteilt zu werden musst du zu aller erst ein Gerichtsverfahren wegen einer Anzeige/Anklage haben. Dann muss man für schuldunfähig erklärt werden (wegen Krankheit oder weil man besoffen war). Und dann muss ein Gutachter davon ausgehen, dass man in Zukunft schwere Straftaten begehen wird.


    Und von einer Beleidigung, kleinen Sachbeschädigung, jemanden anrempeln oder so Geschichten bekommt man keine Gerichtsverhandlung.


    Ahso und Tomy, auch wenn dein Klinikaufenthalt freiwillig und kurz war. Es zählt trotzdem als Behandlung. War bei mir auch so…Bleib aber entspannt, du scheinst ein ganz anständiger zu sein und dir wird niemand was böses wollen. Da bin ich mir ganz sicher. :smiling_face_with_sunglasses:

    2 Mal editiert, zuletzt von Cornholio ()