Clozapin und Schlaf

  • Hallo zusammen,


    ich nehme nun schon seit einer etwas längeren Zeit wieder Clozapin abends zu mir und versuche nach und nach diese wieder langsam zu reduzieren.
    Konkret war ich über einem längeren Zeitpunkt auf 200mg unterwegs - mittlerweile bin ich bei 75mg, ohne dass iwelche psychotischen Symptome aufgetreten sind.


    Meine Frage:

    Wie sieht es bei euch aus mit der Schlafdauer unter Clozapin oder anderen sedierenden Neuroleptika?


    Abends, wenn ich meine Medikamente einnehme, bin ich spätestens nach 1,5 Std. eingeschlafen (das einzig positive an dem Medikament). Allerdings schlafe ich momentan 8,5 - 9 Std. täglich, was mir sehr zu denken gibt. Dadurch bleibt mir einfach weniger vom Tag übrig und morgens wache ich auf, als hätte ich am Vorabend was weiß ich alles zu mir genommen.
    Dadurch, dass ich die Möglichkeit habe, wieder ins Berufsleben einzusteigen, könnte ich vllt noch damit leben mit 8 Std. zurecht zu kommen. Aber jeden Morgen diese Qual beim Aufstehen, auch nach 8 Std. Schlaf?
    Gibt es hier Leute, die ein ähnliches Neuroleptikum zu sich nehmen, dennoch 8 Std. Vollzeit arbeiten gehen, mit Lebensfreude, trotz Neuroleptika? Oder muss ich mich damit abfinden - sollte ich mein Neuroleptikum bis an mein Lebensende nehmen müssen - jeden Morgen mich aus dem Bett quälen zu müssen und es vllt iwie zur Arbeit zu schaffen?

    Ich werde immer erst im Laufe des Tages richtig wach und abends, wenn das Medikament nachlässt, fühle ich mich gefühlt viel besser. Aber dann steht die Medikamenteneinnahme halt wieder an...

    Danke schon einmal! :smiling_face:

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Matthew ,
    das Problem mit dem Schlaf lässt sich nur schwer lösen, weil man mit einer Psychose insgesamt deutlich mehr Schlaf braucht wie jemand gesundes.

    Die Neuroleptika können die Schlafqualität bessern und den Schlafbedarf reduzieren, aber tragen gleichzeitig zur Negativsymptomatik bei, von daher ist es gut da einen Mittelweg zu finden indem man da nur soviel wie notwendig einnimmt. Zusätzliche spezielle Antidepressiva wie das Bupropion was auch ein Nikotinentwöhnungmittel ist, können die Motivation tagsüber verbessern und insgesamt einen aufgeweckter machen, diese können bei sinnvoller Anwendung die Lebensqualität deutlich steigern und die Negativsymptomatik reduzieren.

    Es gibt ja eine ganze Reihe atypischer Neuroleptika, Clozapin wird etwa eher bei therapieresistenten Psychosen bevorzugt eingesetzt.
    Etwas neuartigere Wirkstoffe wie Aripiprazol können einen Versuch Wert sein, das gilt unter den Neuroleptika als eines der am Besten verträglichen kann aber zu Unruhe und Restsymptomen führen.

    Hier im Forum findest du dazu einen ganz neuartigen Ansatz der die Vorteile von Aripiprazol und bestimmter Antidepressiva (Bupropion+Citalopram) so kombiniert, das die Negativsymptome und Positivsymptome sich deutlich verbessern und die Nachteile des Aripiprazols wegfallen:
    Medikamente-Empfehlung für Psychose


    Mein Ratschlag wäre von daher über so einer kompletten Umstellung nachzudenken, was man in Absprache mit dem Psychiater hinbekommen sollte.

    Da würde die Psychose mehr über die Negativsymptomatik mithilfe des Bupropions geheilt werden was auch ein Nikotinentwöhnungsmittel ist. Das Neuroleptikum in dem Fall Aripiprazol kann später Form einer Intervalleinnahme angewendet werden und wäre damit erheblich reduziert, so das sich die Wirkung gegen die Negativsymptome deutlich verbessert. Auf längere Sicht lässt sich damit die Erkrankung eher heilen als mit den üblichen Methoden die meist nur auf die Neuroleptika setzen.

    Damit lässt sich zwar einiges deutlich verbessern, aber Schlafstörungen und erhöhter Schlafbedarf sind bei der Erkrankung mit einzuplanen, da wäre also ein Halbtagsjob schon eine Leistung.
    Häufig gibt es da auch die Möglichkeit eine Erwerbsminderungsrente oder Teilerwerbsminderungsrente zu beantragen, gerade wenn es beruflich eben kaum zu schaffen ist.

    Diese beschriebene medikamentöse Möglichkeiten hast du um da erstmal für dich das Beste herauszuholen und wenn sich die Situation damit verbessert, dann kannst du auch eher sehen was für berufliche Möglichkeiten du noch hast.

    Ich würde also erstmal empfehlen da das Maximale für sich herauszuholen was die Medikamente angeht, in dieser Zeit erstmal einen Gang runterschalten damit du da keine schlechten Kompromisse eingehen musst.

  • Ist es nicht eher so, dass die Neuroleptika den Schlafbedarf erhöhen. Es werden Dopaminrezeptoren blockiert. Alleine die Wirkung macht schon müde. Mehr Schlaf wäre da doch ne Folge.

    • Offizieller Beitrag

    Kuehnibert , es kommt drauf an.
    Insgesamt wird ja das Gehirn auch weniger beansprucht, weil das Dopamin gesenkt wird. Damit muss man im Schlaf weniger Dinge verarbeiten als es sonnst der Fall wäre.
    Aripiprazol hat bei mir in kleiner Dosis keinen schlafverkürzenden Effekt, bei höheren Dosierungen hat das bei mir den Schlaf verkürzt und das habe ich auch schon von Anderern gehört.

    Ich würde von daher da weniger pauschalisieren. Einerseits kann es gut sein das man wegen der Schädigungen durch die Neuroleptika mehr schlaf braucht, das ist ja chemische Lobotomie wie etwa beim Alkohol, wo sich das Gehirn von dem Eingriff erholen muss. Andererseits hat das reduzierte Dopamin eher eine verkürzende Wirkung auf den Schlaf weil sich weniger Dinge im Kopf abspielen und man somit auch im Schlaf weniger verarbeiten muss.
    So zumindest meine Annahmen dazu.
    Das die Neuroleptika zum Teil sedieren ist ja auch unterschiedlich, es gibt ähnlich wie bei den Antidepressiva Neuroleptika die weniger sedieren/müde machen und welche die kaum sedierung haben und die man auch morgens einnehmen kann (etwa Aripiprazol)
    Insofern wäre das mit der Sedierung wieder Wirkstoffspezifisch. Manchmal kann ein sedierendes Medikament auch helfen das man Abends besser durchschläft und am nächsten Tag fitter und ausgeschlafener ist.

  • Es kommt bestimmt stark aufs Antipsychotikum an.

    Ich glaube Olanzapin und Clozapin verlängern eher den Schlaf wohingegen Aripiprazol eher den Schlaf verkürzt.


    Bei mir war es auch so, dass ich durch die Psychose gar nicht mehr schlafen konnte. Erst durch Olanzapin war das möglich. Anfangs hab ich dann auch nur 8 Stunden gepennt. Zwischenzeitlich warens dann fast 12 Stunden. Mittlerweile sinds 9.

  • Admin

    Zitat

    das Problem mit dem Schlaf lässt sich nur schwer lösen, weil man mit einer Psychose insgesamt deutlich mehr Schlaf braucht wie jemand gesundes.

    Ich durfte schon vor einigen Jahren mal mein Clozapin komplett ausschleichen. Da habe ich dann nicht mehr Schlaf benötigt, sondern bin nach 6 Std. relativ und viel besser als momentan aus dem Bett gekommen. Die Dauer von 6 Std. sind mit dem Neuroleptikum momentan einfach undenkbar - ich würde nicht aus dem Bett kommen.


    Zitat

    Die Neuroleptika können die Schlafqualität bessern und den Schlafbedarf reduzieren, aber tragen gleichzeitig zur Negativsymptomatik bei, von daher ist es gut da einen Mittelweg zu finden indem man da nur soviel wie notwendig einnimmt

    Dazu bereits geschrieben, dass ich mit meinem Neuroleptikum eher mehr Schlaf benötige. Was die Negativsymptomatik angeht, da stimme ich mit dir überein. Weil solange mein Medikament am wirken ist, fällt es mir gefühlt schwerer, mich für Aktivitäten aufzuraffen, als es dann abends oder im Laufe des Tages ist, wenn das Medikament nachlässt.

    Zusätzliche Antidepressiva möchte ich eher ungern einsetzen aus mehren Gründen:

    Es sollte mein Clozapin einmal künstlich zusätzlich mit Fluvoxamin erhöht werden wegen eines Verdachts, der sich nicht bestätigt hat. Das hatte mich dann nur weiter sediert, sodass ich nach einmaliger Einnahme dieses nicht mehr einnehmen sollte.
    Des Weiteren je mehr Medikamente ich zu mir nehme, umso mehr Nebenwirkungen befallen mich dann auch noch. Finde ich in Bezug auf meine Libido z.B. auch eher sehr negativ.

    Clozapin habe ich damals bekommen, weil ich bei 2 oder 3 anderen Neuroleptika EPMS entwickelt hatte und deren Nebenwirkungen mich insgesamt noch härter getroffen hatten. Bei Clozapin fühlte mich im Vergleich zu den anderen Neuroleptika im Geist wesentlich frischer. Es geht wirklich so gesehen nur darum, morgens aus dem Bett zu kommen. Was mich einfach daran ärgert ist, dass ich wesentlich mehr Schlaf benötige und darum weniger vom Tag habe.

    Dein von dir empfohlenes oder geratenes Aripiprazol soll man, wenn ich das richtig gelesen habe, morgens zu sich nehmen. Da ist die Frage dann, ob ich wirklich diesen Prozess durchmachen möchte, von meinem Medikament zu wechseln. Weil es an für sich gut wirkt, nur was die Schlafdauer halt betrifft. Zudem finde ich es ehrlich gesagt etwas kritisch, dass du so einen Medikamentencocktail einfach empfiehlst. No Offense.