Völlige soziale Isolation

  • Werdet ihr auch durch die Sprachverarmung gemieden? Bei mir ist das so, das Leute, die sich mit mir abgeben, mich sehr schnell als Langweiler sehen und links liegen lassen.

    • Offizieller Beitrag

    Niggo, das mit der Sprachverarmung hängt mit den Neuroleptika stark zusammen. Ich hatte früher Risperdal, was ähnlich wie Amisulprid sein sollte und auch starke Sprachverarmung. Mir ist es damit sehr schwer gefallen überhaupt über die Erkrankung zu sprechen, die Krankheit war pausiert aber die Wahnproblematik bestand weiterhin.

    Mit Aripiprazol(Abilify) hab ich bessere Erfahrungen gemacht, ich war viel offener und selbstbewusster damit, gut was bei einer Psychose manchmal auch peinlich oder problematisch sein kann wenn man zu offen mit seinen Problemen umgeht.
    Die Sprachverarmung ist bei mir etwa auch Dosisabhängig aufgetreten, also 5mg Aripiprazol was an sich schon die kleinste übliche Dosis ist, führt etwa auch dazu das man beispielsweise Sprachverarmt ist und sich sozial etwas zurückzieht, aber es war verglichen zu Risperidon deutlich besser. Gut bei üblichen Dosierungen von 10-15mg sieht das nochmal anders aus. Wenn ich das Aripiprazol oder auch andere Neuroleptika abgesetzt habe, dann ist bei mir immer das mit der Sprachverarmung zurückgegangen, also dann wurde ich fast schon manisch und konnte viel Texten, aber es gibt dann trotzdem Bereiche des privaten Lebens wo man trotzdem in sich gekehrter ist, grade auch wenn Misstrauen und so Sachen dazukommen.

    Wenn du etwas ändern möchtest, dann solltest du an deinen Medikamenten etwas ändern. Ansonsten ganz von alleine ändert sich wenig. Ich würde bei mir sagen das ich im Nachhinein mich durch die Erkrankung geöffnet habe und auch weniger Schüchtern bin wie früher, also das kann alles im verlauf der Erkrankung besser werden, aber wenn man zu tief in der Krankheit und im Psychotischen steckt oder selbst da extrem gespalten/instabil ist, dann verschließt man sich auch. Ich denke man sollte während der Erkrankung sehr an sich arbeiten und an den ganz normalen Problemen im Leben die man vielleicht vor der Erkrankung lockerer gesehen hat, teils macht das psychotische Dinge deutlich die man vorher vernachlässigt hat, also vielleicht ein glückliches Leben mit der Erkrankung suchen, statt diese ganz aus den Leben zu verdrängen.

    Ich hab viele Jahre gebraucht um die richtigen Medikamente zu finden, vorher hatte ich auch hauptsächlich nur Neuroleptika eingenommen und es war wirklich schlimm. Übliche Antidepressiva wie Serotoninwiederaufnahmehemmer bringen da nur wenig oder könnten teils auch schädlich sein, aber wenn man die richtigen Antidepressiva kombiniert, kann man meiner Meinung nach auf längere Sicht wieder zu einen halbwegs normalen Leben kommen. Es gehört eben auch viel Geduld und der Wille da selbst die Eigenverantwortung für sich zu übernehmen. Für Psychiater ist die Erkrankung(Schizophrenie) unheilbar, also die sind mit ihrem Latein am Ende.
    Antipsychiatrie und gefährliche Absetzversuche führen leider auch zu keinen Erfolg, also man ist da mehr oder weniger auf sich allein gestellt und sollte da einen Mittelweg suchen wo man mit möglichst wenig Neuroleptika zurecht kommt. Spezielle selektive Antidepressiva wie Bupropion können etwa kombiniert mit Citalopram mehr bewirken als es Neuroleptika die hauptsächlich die Symptome unterdrücken können, also man kann da bei richtiger Anwendung die Wirkung der Neuroleptika unterstützen und so auf kleine Neuroleptikadosierungen kommen die bezüglich Sprachverarmung und so dann keine Beeinträchtigung mehr darstellen.

  • Was meinst du damit?

    es war auf falsche oder schlechte freunde bezogen. damit sich in schwierigen zeiten zeigt wie menschen und freunde zu einem stehen und sich verhalten. viele menschen sind nur nett weil sie etwas haben wollen oder bekommen und wie es genau ist habe ich dann auf die harte tour gelernt. Das beschäftigt mich heute noch.

    Ausgrenzung ob gesellschaftliche oder andere finde ich schlimm.

  • Man muss irgendwann aufhören sich was vor zu machen.


    Zitat

    Currently, only 10 to 15 percent of American adults with schizophrenia are in the workforce, a number that includes many part-time jobs.

    Quelle


    Für Deutschland ist es schwer Zahlen zu finden. Aber: Viele haben das Glück, dass sie nach einer kurzen psychotischen Phase wieder normal werden. Für diejenigen, die wirklich Schizophrenie haben, muss klar sein, dieses Leiden ist unheilbar und du wirst dein ganzes Leben damit kämpfen. Das bedeutet "chronisch".


    Und eben deshalb ist der normale 40 jährige Schizophrene eben kein normaler erfolgreicher Typ mitten im Leben, sondern sitzt allein Zuhause und ist vom Sozialamt abhängig oder lebt in irgendwelchen Einrichtungen.


    Natürlich kann man dabei auch glücklich sein und einen großen Freundeskreis haben. Normal ist das aber nicht.


    Zitat

    Leben auf der Schattenseite: Wer wegen Krankheit nicht mehr arbeiten kann, dem drohen Armut und Einsamkeit

    Quelle


    Dadran kann man auch nichts ändern. Damit muss man einfach leben lernen.

  • @KotosWegbegleiter,
    ich habe ca 17 jahre unter symptomen gelitten, aber seit einen halben jahr bin ich völlig symptom befreit.

    ich bin 47 und mir geht es wunderbar, montag fange ich einen neuen job an, aufm ersten arbeitsmarkt. ich freue mich schon darauf.

  • Bluthund wie hast du das geschafft und hast du die ganze Zeit trotzdem gearbeitet?

    ich habe aufm 2ten arbeitsmarkt gearbeitet, mit vielen auf und abs. irgendwann mußte ich wieder in die klinik(psychose), da ich angeblich meine tabletten nicht nahm. im krankenhaus hat man mich versucht mit all möglichen tabletten zu füttern. ich sagte aber immer bestimmend was ich wollte und was nicht. erst kurz vorm schluß(7 monate klinik) bekam ich clozapin(letzte wahl der ärzte), dann habe ich miteinem mahle alles vertrauensvoll mitgemacht, sogar ekt(elektrokrampfterapie) habe ich mitgemacht, nebenwirkung der ekt war, leichte kopfschmerzen. ekt könnte ich empfehlen, aber am ende haben die patienten leider viel angst, dabei ists halb so wild.
    naja, und die clozapin vertrage ich sehr gut, habe gewollte ungewollte nebenwirkungen, gewollt: super schlaf, ungewollt, sabbern im schlaf, aber dafür bekomme ich jetzt magentabletten, die helfen.


    also der wichtigste rat: gewöhne nicht du dich an die tabletten, sondern suche tabletten die zu dir passen. du mußt beim deinem psychiater oder im krankenhaus bestimmend sagen was geht und was nicht.

    gruß Ingo

  • Bluthund Ohne scheiß, vielen Dank für deine Geschichte und Ratschläge. Und herzlichen Glückwunsch, dass das für dich so gut geendet ist. Ich denke du weißt selbst, wie stolz du sein kannst, dass du immer weiter gekämpft hast.


    Ich hoffe es stört dich nicht, wenn ich noch ein paar Fragen nachschiebe..


    Mir fehlt jeglicher Antrieb überhaupt nochmal was zu ändern, weil ich auch die Hoffnung verloren habe und Menschen allgemein nicht mehr leiden kann. Was war dein Antrieb so lange durchzuhalten und nochmal einen Anlauf zu wagen? Warum lohnt es sich, sich mit Arbeit zu quälen, obwohl die Wirtschaft solche dysfunktionalen wie uns überhaupt nicht braucht?


    Ist es nicht komisch an der Arbeit dann mit Leuten konkurrieren zu müssen, die diese 20 Jahre Berufserfahrung gesammelt haben und keine Probleme haben? Also welche Vorteile hast du und wie haben die Leute beim Bewerbungsgespräch reagiert? Ich denke, wenn ich in deinem Alter bin ist allein schon meine körperliche Verwesung zu weit fortgeschritten, um noch zurück ins Leben zu gehen.


    Wie ist dein Notfallplan für Akutphasen? Hast du noch mehr allgemeine Tipps für einzelne Symptome also Erkenntnisse, die dir den Umgang erleichtert haben?

  • Bluthund hast du keine negativsymptome ?

    nein, mir geht es sehr gut :smiling_face:


    @KotosWegbegleiter, du darfst natürlich alles fragen, aber ich bitte dich zu detailierten fragen.
    also, mein job ist oder war aufm 2ten arbeitsmarkt, ich habe nicht großartig gekämpft, obwohl schon, aber erst seit ich meine kraft wiedergefunden habe. aber eigentlich war oder bin ich ein fleissiger arbeiter, was denen in der firma auch auffiel. das ich mit dem pc auch umgehen kann, hat dazu geführt das ich ne eigene firmenmail und eigen pc-zugang bekommen habe.
    also wirklich konkurenz musste ich nicht spielen, tat sowas eher freiwillig, weil mir der job gefiel.
    eines solltest du dir einprägen, mit arbeit kann man seinen tag gut gestalten, man muß nicht immer denken wie schlecht es einen geht, solche gedanken können dann verfliegen. was noch wichtig ist, das gillt für alle hier die keinen job haben, geht wenigstens aufn 2ten arbeitsmarkt, sonst ist im alter ende mit rente. ich arbeite bei der lebenshilfe, die zahlen super in meine rentenkasse ein.

    jetzt komme ich aufn ersten arbeitsmarkt, aber ich lasse mich weiter von der lebenshilfe bezahlen. das hat den vorteil, wenn mal was ist(schub oder so), dann kann ich jederzeit wieder bei der lebenshilfe fortfahren.


    ich weiß, viele wollen nicht mehr arbeiten, haben sich aufgegeben, das ist nicht gut. sucht euch einen job der euch gefällt, schlimmer als eure jetzige situation kann doch nichts mehr werden. wenn ihr eingearbeitet seid, dann macht fast jeder job spaß.
    noch ein kleinen tipp, wenn bei euch vorhanden, dann geht zur lebenshilfe (2ter arbeitsmarkt), die unterstützen einen bei allem und der job ist auch etwas womit man auch mal sein hirn anstrengen darf.

    viel glück euch.
    gruß Ingo