Abilify / Aripiprazol - Negativsymptome oder durch Neuroleptikum verursachte Anhedonie?

  • Hallo zusammen!

    Ich bin neu hier im Forum, lese aber schon seit ein paar Wochen eure Beiträge und möchte mich nun beteiligen.


    Ich hatte vor 3,5 Monaten meine erste Psychose (Akute schizophreniforme psychotische Störung), habe die ersten 6 Wochen Risperidon (5mg) genommen und bin mittlerweile auf Abilify (10mg) umgestellt. Zusätzlich nehme ich Escitalopram (10mg), weil ich vor etwa 1,5 Monaten in ein depressives Loch gefallen bin.

    Ich leide unter Anhedonie, Libidoverlust, Antriebsstörungen, Motivationsverlust, Bewegungsstörungen - die ganze Palette also. Ich habe allerdings das Glück, dass meine Psychiaterin und ich schon nach 6 Monaten beginnen werden, das Abilify auszuschleichen, sofern ich symptomfrei bleibe, was ich bis jetzt bin.

    Da es mir 2,5 Wochen nach der Psychose (die zum Glück nur 7 Tage gedauert hat und mit Tavor und Risperidon auf Station sehr schnell eingefangen werden konnte) sehr gut ging und ich überhaupt keine Negativsymptome oder ähnliches hatte, befürchte ich, dass es bei mir an den Medikamenten liegen könnte. Eigentlich hoffe ich darauf und kann es kaum erwarten, dass die Dosis reduziert wird (evtl. wird ab Mitte Juni schon auf 5mg reduziert). Möglicherweise handelt es sich aber auch um eine postpsychotische Depression. Ich habe beschlossen, alles in Absprache mit meiner Psychiaterin zu machen, weil ich ihr vertraue. Eigenmächtig reduzieren kommt für mich nicht infrage, deshalb muss ich mich gedulden. Zumal ich mir darüber bewusst bin, dass es zu Rückfällen kommen kann.

    Unter Risperidon ging es mir, nachdem Tavor etwa nach 3 Wochen abgesetzt war, sehr schlecht. Ich konnte kaum schlafen, habe gezittert, habe mich extrem depressiv gefühlt. Jetzt kann ich hin und wieder lachen und habe auch ein paar Mal geweint. Ganz emotionslos und taub bin ich also nicht, aber stark eingeschränkt, wie unter einer Käseglocke. Eigentlich sind das alles ja auch Symptome, die bei einem Dopaminmangel auftreten.


    Was sagt ihr dazu? Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit Abilify gemacht?


    maxi Ich habe deine Beiträge gelesen und habe mich sehr darüber gefreut, dass es dir nach dem Reduzieren bzw. Absetzen immer besser ging. Ich hoffe inständig, dass es bei mir auch so läuft.


    Zu mir: Ich bin weiblich, 29 Jahre alt und habe parallel Gespräche bei einem Psychologen.

  • Freut mich sehr, dass dir meine Beiträge geholfen haben!

    Mit Abilify habe ich leider keine Erfahrung mehr gemacht, aber es sieht ja schon mal so aus, als ob du das Medikament besser vertragen würdest.

    Ich möchte dir jetzt keine Angst machen, aber was die Bewegungsstörungen angeht solltest du, wenn die unter Abilify bestehen bleiben, mit deiner Psychiaterin unbedingt über eine sofortige Dosisreduzierung oder einen Medikamentenwechsel reden. Ich hatte auch Bewegungsstörungen und war total geschockt, als ich herausgefunden habe, dass die selbst nach Absetzen des Medikaments bleiben können, wenn man nicht rechtzeitig etwas unternimmt. Das ist also nichts, was man lange aussitzen sollte. Warum Psychiater darüber nicht informieren, weiß ich nicht, vielleicht weil sie Sorge haben, dass die Patienten dann aus Panik eigenständig absetzen, dazu rate ich dir natürlich nicht. Trotzdem ist es wichtig, das möglichst schnell in Angriff zu nehmen, wenn du nicht dein Leben lang an den Spätfolgen der Neuroleptika leiden willst.

    Meine Bewegungsstörungen sind nach einer Reduktion von 4mg Risperidon auf 3mg nach ca. zwei Wochen schlagartig von einem Tag auf den anderen verschwunden, es ist also durchaus möglich, dass die relativ problemlos wieder gehen. Allein das die Störungen da sind, ist eigentlich schon ein eindeutiges Zeichen, dass deine aktuelle Dosis zu hoch ist.


    Was die postpsychotische Depression betrifft, die wurde mir auch diagnostiziert und ich glaube auch, dass da was dran war, dass sie aber durch die Medikamente stark verschlimmert wurde. Wenn man nicht mehr so abgestumpft ist, ist es sehr viel leichter sich mit therapeutischen Methoden aus der Depression rauszuholen. Also ich würde meine Hoffnung nicht vollständig auf die Medikamente setzen, es kann gut sein, dass dich nach der Reduzierung noch Arbeit erwartet, aber sie machen sicher einen großen Teil aus, gerade wenn du gemerkt hast, dass du auf Risperidon mit so vielen Nebenwirkungen reagiert hast. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg, du packst das!

  • maxi Danke für deine Antwort. Meine jetzigen Bewegungsstörungen sind vor allem in der Feinmotorik bemerkbar, z.B. wenn ich den Fuß bewege. Joggen etc. ist kein Problem, deswegen ist es eher minimal. Wie war das bei dir? Mitte Juni habe ich den nächsten Termin mit meiner Psychiaterin und da möchte ich gern die Reduktion ansprechen. Vielleicht werde ich es auch schon vorher ansprechen.

    Bezüglich der Depression ist es so, dass ich ja parallel psychologische Begleitung habe. Das ist mir wichtig, weil die Medikamente ja letztlich nur die Symptome bekämpfen, aber nicht die Ursache. Daher gebe ich dir recht.

    Wie geht es dir denn jetzt? Kannst du ganz normal deinen Dingen nachgehen wie vor der Psychose? Arbeitest du oder studierst du? Ich bin kurz vor Ende meines Studiums, da hat mich die Psychose komplett rausgerissen und ich hoffe, dass ich wieder zurückkomme und das Studium beenden kann.

  • Meine Bewegungsstörungen waren sehr viel stärker, ich konnte nicht mehr richtig essen und hatte Probleme mir die Haare zu waschen, deshalb habe ich es so dringend gemacht. Wenn du noch bis Mitte Juni warten kannst, weil es dich nicht stark belastet, rede ich dir da natürlich nicht rein.

    Dass du Therapie machst, finde ich super! Mir hat das Buch Feeling Good von David D. Burns sehr geholfen, zusätzlich zu meinen alten Therapieunterlagen. Ich habe auch vor der Psychose schon mit Depressionen zu tun gehabt und schon jahrelang Therapie gemacht, deshalb konnte ich das Gelernte dann relativ schnell auf die neue Situation anwenden.

    Darunter hat aber auch mein Studium gelitten und ich hatte schon vor der Psychose beschlossen, es abzubrechen und mich stattdessen in dem Beruf zu bewerben, den ich gelernt habe (kaufmännische Assistenz für Fremdsprachen). Da ich da leider nichts gefunden habe, wollte ich noch einen Fernkurs für medizinische Transkription drauflegen. Den hatte ich gerade angefangen, als ich psychotisch geworden bin. Das ist jetzt 6 Monate her und seitdem konnte ich den Kurs leider noch nicht weitermachen, aber auch weil andere Sachen dazwischen gekommen sind - gerade habe ich leider pfeiffersches Drüsenfieber und bin deswegen nicht fit. Es ist auch schwer, sich kognitiv wieder was zuzutrauen, nachdem man einmal erlebt hat, wie sehr die Medikamente einen lahmgelegt haben, aber ich hab mir auf jeden Fall vorgenommen, mich dranzusetzen, wenn ich körperlich wieder fit bin. Glaube auch, dass die Sorge, dass es mir zu viel wird, wahrscheinlich unberechtigt ist, weil ich auch schon seit Monaten wieder meinem Hobby (kreatives Schreiben) nachgehen kann ohne Probleme. Mein Alltag ist also fast wieder der Alte, abgesehen davon, dass manchmal noch Ängste und Selbstzweifel hochkommen, die ich früher nicht hatte.

    Es klingt auf jeden Fall, als wärst du auch auf einem guten Weg und ich drück dir die Daumen dafür, dass du dein Studium beenden kannst!

    Eine Psychose muss nicht bedeuten, dass auf einmal das gewohnte Leben vorbei ist und man es nie wieder bekommen kann, so wie einem das oft prognostiziert wird. Mit Therapie und Durchhaltevermögen kannst du alles schaffen, was du dir vornimmst!

  • maxi Dann wünsche ich dir gute Besserung!

    Dass es schwer ist, sich wieder etwas zuzutrauen, glaube ich dir. Für mich war die Psychose sehr verstörend, weshalb ich befürchte, dass es viel Zeit brauchen wird, bis ich darüber hinweg bin. Ich hoffe so sehr, dass Freude und Interesse bei mir wiederkommen.

    Schön jedenfalls, dass du deinem Hobby wieder nachgehen kannst. Das bedeutet ja auch, dass deine Kreativität nicht weg ist. Das ist bei mir momentan der Fall. Ich zeichne und male eigentlich sehr gern, aber momentan geht da gar nichts.

    Danke auf jeden Fall für deine ermunternden Worte!

  • Moin,


    noch als Tipp: Falls du rauchst, hör damit auf. Rauchen lässt die Medikamente weniger stark wirken. Wenn du aufhörst zu rauchen, musst du weniger nehmen und hast weniger Nebenwirkungen. Natürlich nur falls du rauchst.


    Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Bezüglich der Bewegungsstörungen stimme ich maxi zu, das kann an einer zu hohen Dosis liegen. Das Aripiprazol kann man oft locker auf 5mg reduzieren, bei mir war es erst bei einer Dosis von etwa 2,5mg zu schwach. Sowas kann man normal einfach ausprobieren in Absprache mit deiner Psychiaterin. Vielleicht hast du die Möglichkeit diese telefonisch oder per Email noch vor deinen Termin zu kontaktieren, wenn dieses Problem aktuell besteht oder schlimmer wird.
    Eigentlich wirkt sich Aripiprazol weniger negativ auf die Libido aus, aber bei höheren Dosierungen kann das anscheinend auch vorkommen. Das Escitalopram dämpft die Libido ab, von daher kann es ein Stückweit daran liegen.


    Falls du Aripiprazol auf 5mg reduzierst sollten die Bewegungsstörungen nachlassen und eventuell auch die Nebenwirkungen bezüglich Libido, Anhedonie damit dann nachlassen.

    Bezüglich der Antriebsstörungen und des Motivationsverlusts würde ich dir ergänzend zum Escitalopram(SSRI Antidepressivum) das Bupropion (SNDRI Antidepressivum) vorschlagen, das lindert später auch die Absetzproblematik des Neuroleptikums ab. Bupropion ist auch Nikotinentwöhnungsmittel, wobei du ja kein Raucher bist spielt das von daher keine Rolle.
    Bupropion steigert die Wachheit und Konzentration, man wird motivierter damit, also das ist ein wirklich sehr nützliches Medikament.
    Da bei einer Psychose neben den Dopaminüberschuss der mit den Neuroleptika(z.B. Aripiprazol) behandelt wird, es auch noch einen Dopaminmangel gibt wirkt sich da das Bupropion regulierend aus, weil es ein Noradrenalin / Dopaminwiederaufnahmehemmer ist steigert es von daher eher diese Botenstoffe und wirkt damit einer möglichen Ursache für die Psychose entgegen. Entgegen der Annahme wirkt sich das auch auf die Positivsymptome günstig aus.
    Da du Escitalopram(SSRI) welches auf Serotonin wirkt bereits hast, ergänzt sich das ideal mit dem Bupropion, auch das Aripiprazol passt, von daher wäre das keine große Umstellung.

    Hier im Forum findest du nochmal genaueres dazu:




    Ich hoffe das du damit etwas anfangen kannst. Das Bupropion hilft wegen der Noradrenalinwirkung auch gegen Stimmungsschwankungen die gerade beim reduzierten Aripiprazol auftreten können, zudem macht das Bupropion innerlich ruhig, also man ist dann weniger zappelig was so eine Nebenwirkung des Aripiprazols sein kann.
    Etwa auch sicheres Autofahren sollte so einfacher fallen, beim Aripiprazol Mono hatte ich da schon Konzentrationsprobleme und die Negativsymptom können einen da auch unaufmerksamer machen
    Die Dopaminwirkung hilft eher zur Antriebssteigerung und wirkt sich auch so Positiv aus.

    Ob du das Bupropion gut verträgst sollte sich dann herausstellen, so sollte es sich aber mit deinen bestehenden Medikamenten gut kombinieren lassen. Ich nehme das auch so ein nur eben statt Escitalopram habe ich Citalopram, was sich von der Dosis glaube ich unterscheidet, etwa wären 10mg Escitalopram soviel wie 20mg Citalopram wenn ich das so richtig verstanden habe.

    Bupropion hätte ohne zusätzlichem Citalopram bestimmte Nebenwirkungen die auf die Noradrenalinwirkung mit zurückzuführen sind, wie Miktionsstörungen oder Verstopfung, da du bereits das Escitalopram einnimmst wäre das dann kein Problem, falls doch könnte man das mit einer Dosisanpassung(erhöhung des Citaloprams etwa) immer noch lösen.

    Antidepressiva sind generell weniger schädlich als Neuroleptika, insofern musst du dich in diese Richtung weniger Sorgen oder Gedanken machen, gefährlich wird es meistens wenn man mehrere Neuroleptika gleichzeitig bekommt.
    Das wäre zumindest mein Vorschlag, etwa das Aripiprazol auf 5mg reduzieren und Bupropion zusätzlich zum Escitalopram einnehmen.

  • Hi Admin, danke für den Tipp. Ich habe deine Medikamenten-Empfehlung schon vorher gelesen, aber ich plane ja, meine Medikamente bald auszuschleichen und zu schauen, ob ich auch komplett ohne Medikamente klarkomme, daher werde ich erstmal bei dieser Kombi bleiben. Was die Reduktion auf 5mg angeht, bin ich auf jeden Fall bei dir.

    • Offizieller Beitrag

    @Findus , ich denke du wirst spätestens wenn du das Abilify 5mg ganz absetzen möchtest sehen das dieser Schritt auf Null sehr schwierig oder unmöglich erscheint. Ab einer bestimmten Minimaldosis (bei mir ca. 2,5mg) ist das Abilify zu schwach und bei einer richtigen schizophrenen Psychose kann man da eigentlich machen was man will. Ich hab das vielleicht so 10 Mal ausprobiert, war im Grunde ständig am Absetzen und bin zeitweise mit 3-6Tabletten 5mg im Monat(Durch Bedarfseinnahme) ausgekommen, was zwar sehr wenig ist aber auch mit enormen Stimmungsschwankungen verbunden wahr.
    Von daher würde ich dir von solchen Absetzversuchen eher abraten und empfehlen das du dann wenn du beispielsweise Merkst das es kaum klappt mit dem Abilify absetzen, des dann mit Bupropion zusätzlich zum Escitalopram probierst, weil das Bupropion einen enormen Nutzen hat etwa was Stimmungsschwankungen, Konzentration und Motivation angeht, grade in dieser kritischen Absetzphase.
    Das mit den 5mg wäre jetzt eh erstmal der 1. und richtige Schritt mit dem Aripiprazol und der Rest würde ja später anstehen. Du kannst dir das ja im Hinterkopf behalten falls so das ausschleichen Probleme macht, dann tue dir keinen Zwang an und probiere es später mit dem Bupropion+Escitalopram. Die Antidepressiva kann man auch viel einfacher problemlos täglich einnehmen, da diese keine Negativsymptome begünstigen, von daher würde ich dir raten das du da Priorität auf das absetzen/reduzieren des Neuroleptikums legst, ob du die ADs dann noch ein paar Jahre länger einnimmst wäre weniger schlimm.
    Auch das Bupropion ist kein Wundermittel, da sollte man dann ebenso vorsichtig vorgehen mit dem Absetzen des NLs. Ich habe jahrelang eine Bedarfseinnahme des Aripiprazols gemacht indem ich 1-2 Monate es abgesetzt habe, aber dann rechtzeitig wieder für etwa eine Woche das Aripiprazol eingenommen habe. Bei so etwas wäre ich auch vorsichtig, weil Bupropion auch die Krampfschwelle senken kann und so ein Zwanghafter Absetzvorgang sehr viel Stress für den Körper bedeuten kann. Also insofern würde Bupropion zur längerfristigen Stabilisierung gut sein, das du über die Jahre dann immer weniger Aripiprazol brauchst, bis es vielleicht dann mal ganz wegfällt.

    Ich bin jetzt beispielsweise 3 Monate ohne Aripiprazol, vorher waren es meist so 1-2 Monate wo es geklappt hat. Diesesmal sieht es wirklich so aus als ob es dauerhaft ohne Abilify klappen kann, aber auch das steht in den Sternen, da kann die Psychose auch in Schüben zurückkommen. Ohne den Bupropion hätte ich das nie geschafft, Citalopram habe ich ja auch da dies die Emotionen etwas reduziert und Libido dämpft ist das bei so einen Absetzvorgang auch günstig. Gleichzeitig reduziert Citalopram die Nebenwirkungen des Bupropions obwohl Bupropion eher als sehr mild und nebenwirkungsarm gilt.


    Insofern schau einfach mal was die Zukunft für dich bringt. Der Aufwand Bupropion zusätzlich einzunehmen oder zu probieren ist in deinen Fall minimal da auch keine weitere Umstellung groß notwendig ist, insofern kann das ein riesen Nutzen sein.
    Du kannst ja sehr gerne über deinen Absetzversuch des Aripiprazols dann berichten und falls du es später mit Bupropion versuchst gerne auch über diesen Erfahrungen weil dieser Vergleich und Erfahrung auch so sehr wertvoll wäre, für andere Betroffene beispielsweise die sich da unsicher sind.
    Nur so, also "no Stress", ich möchte auch keinen etwas Aufdrängen, es geht nur darum das wir ja negative Absetzerfahrungen eher vermeiden wollen und man da auch etwas anstellen kann oder hinterher in der Klinik landet wenn man sich da zu sehr ins Absetzen versteift und keine andere Option oder Wahl mehr sieht.

  • Admin ich behalte es auf jeden Fall im Hinterkopf. Was es genau bei mir war, wissen wir nicht, deswegen werde ich auf jeden Fall versuchen, langsam komplett abzusetzen. Wenn es nicht klappt, muss ich eine Lösung finden.

  • Ich werde, wenn es so weit ist, über meinen Absetzversuch berichten.


    Admin Super, dass es jetzt schon drei Monate ohne Abilify geklappt hat. Ich wünsche dir, dass es so weitergeht. Merkst du denn schon einen Unterschied in deiner Wahrnehmung/deinem Denkvermögen o.ä.?

    • Offizieller Beitrag

    @Findus ich kann auch damit leben wenn ich zwischendurch noch Aripiprazol nehmen müsste oder wenn das länger dauert bis ich es komplett absetzen kann.

    So hab ich das mit der Intervalleinnahme des Aripiprazols schon mehrere Jahre was mithilfe der Antidepressiva vor allem dem Bupropion funktioniert hat.
    Durch das Bupropion in hoher Dosis hat sich über die Jahre das immer weiter stabilisiert, wobei es meist nur so 1-2 Monate ohne dem Aripiprazol geklappt hat.

    Diesesmal ist es eben länger, aber die Besserung merkte ich also schon viel länger.

    Denkvermögen und Konzentration wurde durch das Bupropion besser, weil ohne auch wenn man das Neuroleptikum absetzt da verstärkt Negativsymptome auftreten und diese Denkprobleme eben bleiben würden gepaart mit psychotischer Symptomatik.
    Was jetzt nach den 3 Monaten insbesondere besser ist, wäre die Motivation da merke ich noch eine zusätzliche Besserung. Dafür schlafe ich noch sehr viel.

    Allein das Absetzen des Neuroleptikums ist es nicht, weil das haben schon Viele versucht, meist ist das chancenlos und führt zu einen Rückfall, wobei das auch länger als 3 Monate dauern kann und davon abhängt wie stark man vorher gedämpft worden ist.

  • Okay, das ist ja gut, dass du schon nach 3 Monaten eine Besserung bei der Motivation merkst. Und ich denke viel Schlaf ist das beste, was man machen kann, um seinem Gehirn Zeit für die Regeneration zu geben. Ich versuche auch so viel wie möglich zu schlafen, wenn es auch nur mit Unterbrechungen klappt.


    Zum Absetzen: Ja, allerdings gibt es immer auch einen Prozentsatz von Leuten, die es schaffen und wo die Psychose eine einmalige Sache war. Da es bei mir die erste Psychose war und sie nur sehr kurz war, hoffe ich darauf.

    • Offizieller Beitrag

    Also ich merke an manchen Tagen eben einen extra Motivationsschub. Teilweise sind auch wieder Tage dabei wo ich unmotivierter bin. Insgesamt aber wurde die Motivation schon vor 4-5 Jahren etwa als ich mit Bupropion angefangen habe viel besser, also dieses Medikament macht einen erheblichen Unterschied und hilft gegen die Negativsymptome wo auch andere Antidepressiva eher wenig bringen, also da ist diese Antriebssteigerung meist auf Depressionen beschränkt. Bupropion wirkt auf Dopamin und Noradrenalin, die Dopaminwirkung ist sehr nützlich gegen Negativsymptome und das hat man sonnst bei fast keinem anderen AD. Die Noradrenalinwirkung hilft gegen Stimmungsschwankungen die ich sonnst bei der Minimaleinnahme des Aripiprazols ausgeprägt hatte. Also bevor ich Bupropion hatte habe ich auch es zuerst nur mit Citalopram probiert ähnlich wie du es mit Excitalopram hast, ich merkte aber eher das es die Nervösität die ich durchs Aripiprazol hatte gesteigert hat und Unruhe war gleichbleibend. Da hab ich auch Aripiprazol abzusetzen versucht und wenn man Akut wird kann in so einen Fall das Citalopram das Wahnhafte auch begünstigen. Später bin ich dann auf Duloxetin einen SSNRI gekommen, wo die zusätzliche Noradrenalinwirkung ruhig gemacht hat und erst dann auf das Bupropion, was zusammen mit Citalopram am besten funktioniert.


    1-2 Monate bin ich also über viele Jahre immer ohne dem Aripiprazol gewesen und hab dann für etwa eine Woche darauf zurückgegriffen. Meist war da dann 1 Monat dabei wo die Motivation deutlich besser war, also damit kann man viel einfacher leben als wenn man nur Aripiprazol hat und das versucht reduziert einzunehmen oder abzunehmen, weil sonnst Negativsymptome und Positivsymptome schnell durchkommen würden.

    Jetzt nach 3 Monaten ohne Aripiprazol schlafe ich unregelmäßig und liege Nachts manchmal wach und schlafe dann 12 Stunden am Stück, das ist auch für mich sehr viel und wäre wenn ich gelegentlich Aripiprazol weiterhin nehmen würde weniger, weil man da dann weniger Schlaf benötigt. Derzeit bin ich auch eher an der Grenze dazu das ich Aripiprazol wieder einnehmen werde wenn das noch schlechter wird, eigentlich nimmt dann auch das mit der Motivationslosigkeit wieder zu wenn man zu lange kein Aripiprazol hatte, weil dann auch die Negativsymptome wieder durchkommen wenn man zu lange kein Neuroleptikum hatte. Da wären dann diese Antidepressiva einfach zu schwach, aber es funktioniert derzeit immer noch.

    Zum Absetzen: Ja, allerdings gibt es immer auch einen Prozentsatz von Leuten, die es schaffen und wo die Psychose eine einmalige Sache war. Da es bei mir die erste Psychose war und sie nur sehr kurz war, hoffe ich darauf.

    Gut wenn du nur eine erste Psychose hattest, könnte es eben sein das du keine chronische Form (schizophrene Psychose) hast, von daher kann es sein das du es auch so schaffst. Das siehst du ja dann. Falls nicht, würde ich dir das mit den Antidepressiva dringend raten, weil es sonnst eigentlich nur die Dauereinnahme der Neuroleptika gibt die man dann im Grunde durchgehend bis Lebensende einnehmen soll.
    Zudem auch so kann das Bupropion das Absetzen oder den Entzug vom Neuroleptikum erleichtern. Das zusätzlich Citalopram oder in deinen Fall Escitalopram dient dazu bestimmte Nebenwirkungen des Bupropions aufzuheben, weil letzteres auch möglichst hochdosiert eingenommen werden sollte, damit du eine vernünftige Wirkung hast.

    Also die Besserung bei mir ist schon seid Jahren erkennbar, ist nur so das ich mich jetzt nach 3 Monaten ohne noch etwas motivierter fühle als ich es von mir kenne.

    So Dinge muss man letztendlich dann auch selbst herausfinden um diesen Unterschied zu merken oder verstehen zu können. Üblicherweise ist man bei der Neuroleptikaeinnahme wie du es gerade hast, schon arg eingeschränkt, das ist also kein Vergleich, aber wenn du diese absetzt ist die Besserung meistens auch nur so ein 2-4 Wöchiger Honeymoon-Effekt der sich dann in Stress umwandelt und verstärkt Negativsymptome auftreten, später dann auch Positivsymptome.

  • Admin Ja, mal schauen. Ich hoffe einfach dass es klappt und dass kein Honeymoon-Effekt auftritt. Übernächste Woche werde ich wohl mit der Reduktion beginnen und vielleicht merke ich dann ja schon einen ersten Unterschied.

  • Hallo @Findus, keine Sorge, ich glaube du kannst da auf den Rat deiner Ärztin vertrauen. Es gibt leicht unterschiedliche Angaben zur "Rückfallquote", aber meistens ist die Tendenz folgendermaßen:


    Zitat

    Der Verlauf der Psychosen ist von vielen Faktoren abhängig und daher sehr unterschiedlich: Durch Langzeit-Studien mit Patient*innen, die unter Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis litten, konnte Folgendes festgestellt werden:

    • Bei 10 bis 15 von 100 Betroffenen treten Psychosen einmalig auf
    • Bei etwa 30 von 100 Betroffenen kommt es zu mehreren psychotischen Episoden, ohne weitere psychotische Symptome zwischen den Episoden.
    • Bei etwa 30 von 100 kommt es zu mehreren akuten psychotischen Episoden mit psychotischen Symptomen zwischen den Episoden.
    • Bei etwa 10 bis 20 von 100 kommt es direkt nach der ersten Episode zu dauerhaften psychotischen Symptomen.

    Quelle


    In anderen Quellen ist sogar von einmaligem Auftreten bei 20 - 30% der Betroffenen die Rede, ich glaube das kommt stark auf das Alter an, das man bei der ersten Psychose hat.


    Ich habe sogar mal gelesen, dass es mit steigendem Alter unwahrscheinlicher wird, eine weitere Psychose zu bekommen, egal wie viele man schon hatte (meine Hoffnung!)


    Allerdings finde ich es nichtsdestotrotz sehr zeitig, die Medikamente schon auszuschleichen. Deine Ärztin weiß das sicher besser, jedoch hat mir einer meiner Psychiater mal einen Vortrag gehalten, dass das Gehirn mehrere Jahre braucht um den Gehirnstoffwechsel anzugleichen (was unter längerfristiger Einnahme tatsächlich passieren kann - die "Heilung").


    Ich bin auch gerade dabei, langsam auszuschleichen... seeeeehr langsam... und ich kann dir raten, ganz genau auf Frühwarnsignale zu achten (z.B. schlechter Schlaf, Unruhe, häufiges Streiten mit Nahestehenden...) und ggf. so schnell wie möglich mit einer Ärztin zu sprechen, wenn nötig die Dosis wieder erhöhen.

    • Offizieller Beitrag

    Ich bin auch gerade dabei, langsam auszuschleichen... seeeeehr langsam... und ich kann dir raten, ganz genau auf Frühwarnsignale zu achten (z.B. schlechter Schlaf, Unruhe, häufiges Streiten mit Nahestehenden...) und ggf. so schnell wie möglich mit einer Ärztin zu sprechen, wenn nötig die Dosis wieder erhöhen.

    Ja genau! Das war bei mir auch so in der Art. Hab Jahre versucht abzusetzen und war eher so ein Ritt auf Messers Schneide.
    Von daher habe ich auch heute die passenden Antidepressiva die das bei derart niedrigen Dosierungen deutlich zurückhalten und stabilisieren.

  • Allerdings finde ich es nichtsdestotrotz sehr zeitig, die Medikamente schon auszuschleichen. Deine Ärztin weiß das sicher besser, jedoch hat mir einer meiner Psychiater mal einen Vortrag gehalten, dass das Gehirn mehrere Jahre braucht um den Gehirnstoffwechsel anzugleichen (was unter längerfristiger Einnahme tatsächlich passieren kann - die "Heilung").

    Was passiert, wenn sich der Gehirnstoffwechsel derartig auf Neuroleptika einstellt, ist dass mehr Dopaminrezeptoren gebildet werden, um auszugleichen, dass durch das Medikament Dopamin fehlt. Das führt dann dazu, dass es beim Absetzen sehr viel schneller und leichter zu Psychosen kommen kann, weil sich diese zusätzlichen Rezeptoren nur sehr langsam wieder abbauen und man dadurch dann wieder einen Dopaminüberschuss hat. Wenn sich der Körper schon sehr darauf angepasst hat, muss man das Medikament in winzigen Schritten über Jahre hinweg absetzen, um keine starken Absetzerscheinungen zu bekommen. Das sind zumindest die Informationen, die ich dazu gefunden habe. Würde das also nicht als "Heilung" bezeichnen. Der einzige Vorteil, den ich mir vorstellen kann, ist dass man dann während der Einnahme nicht mehr so starke Nebenwirkungen spüren wird, weil der Körper das fehlende Dopamin wieder ausgleicht. Diese zusätzlichen Rezeptoren können sich aber auch schon nach wenigen Monaten bilden, deswegen muss man beim Absetzen von Neuroleptika immer sehr vorsichtig und kleinschrittig vorgehen, weil man sonst Psychosen riskiert, die quasi überhaupt erst durch die Abhängigkeit zum Medikament entstehen.


    Von daher finde ich ein frühzeitiges Absetzen gut (natürlich nur sofern man sich stabil genug dafür fühlt), weil es mit der Zeit immer schwieriger und riskanter wird. Das ist nicht wie bei Antidepressiva, die man jahrelang nehmen und dann ohne größere Probleme wieder ausschleichen kann. Je länger man ein Neuroleptikum nimmt, desto länger wird es auch dauern wieder davon runterzukommen. Bei mir hat es mit dem Absetzen nach sechs Monaten bisher gut funktioniert, ich bin jetzt seit ca. einem Monat medikamentenfrei und habe bisher keine psychotischen Symptome.

  • Ich habe immer eher das Gefühl, dass Ärzte auf "Nummer sicher" gehen wollen und einen so lange wie möglich mit Medikation behandeln. Es gibt auch zunehmend Stimmen die sagen, dass Psychiater viel zu lange Medikamente verschreiben.


    Zitat

    „Weinmann selbst ist überzeugt: Rund 20 bis 40 Prozent der Menschen mit Psychosen würden eigentlich ohne Antipsychotika oder mit einer sehr geringen Dosis auskommen.“

    Quelle