• Hallo,

    Mich würde mal interessieren ob die Gefühle im Alter abflachen also weniger intensiv sind? Ich bin ja noch jung aber habe ja aufgrund meiner Schizophrenie keine mehr , leider... wie sieht das bei euch älteren aus? :thinking_face:

  • Hallo Malicurry

    Ich bin 41 und habe auch keine Gefühlsabflachung.

    Kann ich mir auch nicht vorstellen was das bedeutet, aber ich habe es schon oft gelesen. Vielleicht sind das Nebenwirkungen von den Medikamenten.


    LG

    ion

  • Bei mir waren es eindeutig Nebenwirkungen vom Risperidon. Ich war zeitweise auf 5mg dosiert und hatte in der Zeit überhaupt keine Gefühle mehr. So ab 2mg kamen sie dann langsam zurück und jetzt wo ich das Risperidon abgesetzt habe, sind sie vollständig wieder da. Nimmst du ein Neuroleptikum und wenn ja in welcher Dosierung?


    Ansonsten kann ich sagen, dass ich mich nach der Psychose und den Klinikaufenthalten auch erst wieder an den Alltag gewöhnen musste. Meine Psychosen waren hochemotional und auch die Klinikaufenthalte waren mit vielen starken negativen Gefühlen verbunden, so dass ich mich jetzt, auch wenn die Nebenwirkungen nachgelassen haben und ich definitiv wieder in der Lage bin intensive Gefühle zu empfinden, öfter mal darin erinnern muss, dass ein "normales" Leben nicht so aussieht, dass man ununterbrochen extreme Hochgefühle oder Angst oder Verzweiflung spürt, wie es in der Psychose der Fall ist. Die meiste Zeit über fühle ich mich einfach neutral und das ist okay. Die Psychosen haben nur mein Gefühl dafür, was normal und natürlich ist, sehr durcheinander geworfen. Vielleicht könnte das auch eine Rolle spielen darin, dass dir deine Gefühle jetzt sehr abgeflacht vorkommen?

    Falls du ein Neuroleptikum nimmst, würde ich diese Gefühlsabflachung aber auf jeden Fall auch bei deinem Psychiater ansprechen und hoffentlich hast du jemanden, der das nicht direkt als Negativsymptom abschreibt und mit dir an der Dosierung schraubt, sodass du weniger Nebenwirkungen hast. Neuroleptika sedieren, auch wenn einem das von Psychiatern häufig nicht so deutlich gesagt wird, aber wenn dein Hirn so weit runtergefahren wird, schränkt das natürlich neben dem Denken auch das Gefühlsspektrum ein.

  • Hallo,


    ich kann auch bestätigen, dass Gefühle keine Frage des Alters sind (ich bin 54 Jahre alt), wohl aber spielen Medikamente und eventuell Restsymptome eine Rolle.

  • Ich bin zwar erst 25, aber ich antworte trotzdem :face_with_tongue:

    Ich denke, dass Emotionen im Durchschnitt im Alter abflachen, oder zumindest weniger intensiv erlebt werden.

    Man muss sich nur mal Gespräche von Kindern im Vergleich zu Rentnern anhören. Alleine wie unterschiedlich groß da die Stärke der Emotionen im Gespräch ist.

    Auch hatte ich als Kind viel häufiger Lachanfälle und Wutanfälle als jetzt.

    Das ist denke mal ein normaler Prozess, der zum Älterwerden dazugehört.

    Jedoch betrifft das vom Bauchgefühl her nicht alle Emotionen. Emotionen wie Trauer kommen mir nicht weniger intensiv vor, als wie in der Kindheit.


    Vielleicht ist es mit Emotionen so, dass sie sich den nötigen Lebensabschnitten von der Intensität her anpassen.

    Sprich als Kind erkunden wir die Umwelt und sind getrieben von Neugier. Müssen schnell und quirlig sein: Folglich sind hier Emotionen präsenter, die uns dabei Unterstützen (z.B. Freude darüber, etwas neues entdeckt zu haben).

    Im Alter haben wir eher ausgelernt und sind mehr mit Verantwortung bis hin zu Tod konfrontiert. Hier sind deshalb vielleicht eher Emotionen wie Trauer ausgeprägter (Trauer als Verarbeitungsmechanismus von Tod). Extremstimmungen der Freude und der Wut sind hier eher hinderlich.


    Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von Kuhnibert ()