Drogeninduzierte Psychose

  • Hallo zusammen,

    ich hatte vor etwa einem halben Jahr eine Psychose, welche durch Cannabis verursacht wurde. Ich nehme zurzeit 1mg Risperidon und soll demnächst die Neuroleptika sogar komplett weglassen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass ich mich seit der Psychose komplett verändert habe. Ich war Student und war sehr lebhaft. Jetzt ist es so, dass ich mit dem Studium pausieren muss, da ich relativ ausgeprägte kognitive Symptome(Konzentrationsschwierigkeiten) habe. Außerdem hab ich kaum noch Emotionen, besonders das Gefühl von Freude ist wie verschwunden. Was mich jedoch besonders stört ist, dass mein sozial Leben wie ausgewechselt ist. Ich fühl mich sehr unwohl, wenn ich mit fremden Menschen reden muss und vor allen Dingen fällt es mir sehr schwer an längeren Gesprächen teilzunehmen. Ich war früher sehr sehr gerne in Gesellschaft und jetzt will ich am liebsten ständig alleine sein und mit niemanden reden. Laut meinem Psychiater handelt es sich dabei um die sogenannten Negativsymptome, wogegen er mir Escitalopram verschrieben hat. Ich will das Antidepressivum jedoch nicht nehmen, weil ich durch das Risperidon schon ordentlich an Gewicht zugelegt habe und eigentlich keine Medikamente mehr nehmen will. Hatte jemand ähnliche Erfahrung und kann mir sagen wie lange es gedauert hat bis diese Negativsymptome verschwunden sind bzw. wann man wieder der alte ist ?

  • Hallo LD98,

    ich hatte zwar keine drogeninduzierte Psychose, aber meine Psychose ist jetzt ein halbes Jahr her und ich hab in der Zeit Erfahrung mit Risperidon gesammelt. Ich wurde im Oktober mit 5mg aus der Klinik entlassen, was einfach enorm überdosiert war. Das Medikament hat mich zu einem totalen Zombie gemacht, mit völliger Emotions- und Freudlosigkeit, ich konnte keinen Gesprächen mehr folgen, hatte dementsprechend auch null Interesse an sozialen Kontakten, hatte Schwierigkeiten mit den einfachsten Aufgaben und war allgemein einfach unheimlich eingeschränkt im Denken und Fühlen. Die Psychiater, bei denen ich war, haben das auch als Negativsymptome bezeichnet, teilweise wurde mir auch gesagt das seien Begleiterscheinungen einer sogenannten postschizophrenen Depression und Risperidon wurde erst runterreduziert, als ich davon Bewegungsstörungen bekommen habe. Als ich dann gemerkt habe, dass es mir nach der Reduktion schlagartig besser ging, hab ich zuerst eine Umstellung auf Aripipratzol angestrebt und mich dann, als ich mit jeder weiteren Reduktion wieder psychisch stabiler geworden bin, entschieden es ganz ohne Neuroleptikum zu probieren. Habe das Risperidon also sehr langsam runterreduziert und ungefähr ab 0,5mg keine Nebenwirkungen mehr gespürt.


    Ich bin jetzt seit einer Woche komplett vom Risperidon runter und würde schon sagen, dass ich wieder komplett die Alte bin, auch wenn die Psychose, vor allem aber auch wie in der Klinik und danach durch Psychiater und mein Umfeld mit mir umgegangen wurde, natürlich viele Selbstzweifel hinterlassen hat, vor allem was Negativsymptome betrifft. Wenn man von allen Seiten immer wieder gesagt bekommt, dass alles was man erlebt keine Nebenwirkungen sind, sondern zur Krankheit gehört, zweifelt man natürlich an der Eigenwahrnehmung, in meinem Fall war es aber tatsächlich so, dass diese Emotionslosigkeit und die kognitiven Einschränkungen mit Absetzen des Risperidons komplett verschwunden sind und ich meinen Alltag abgesehen von den Folgen der traumatischen Erfahrungen in der Psychose und während der Klinikaufenthalte nun wieder so erlebe, wie vor der Psychose. Ich fühle mich im Großen und Ganzen nicht mehr eingeschränkt und wünsche dir auf jeden Fall, dass es dir durch das Absetzen des Neuroleptikums auch bald besser gehen wird.

    Was das Antidepressivum angeht, mir wurde Sertralin verschrieben, auch in relativ hoher Dosis, ich hatte davon aber keine spürbare Besserung und konnte mich erst als die Nebenwirkungen des Risperidons nachgelassen haben aus der Depression befreien und das Sertralin dann auch komplett wieder absetzen. Das ist alles natürlich nur meine individuelle Erfahrung und ich bin kein Psychiater, ich würde dir aber empfehlen wenn du skeptisch bist, noch mehr Medikamente einzunehmen, erst mal abzuwarten, ob sich dein Befinden nicht bessert, wenn du weniger oder gar kein Risperidon mehr nimmst. Da würde ich aber aufpassen, dass du es nicht zu schnell absetzt, weil die Gefahr einer Absetzpsychose dann groß ist, nach allem was ich gelesen und gehört habe machen Psychiater das tatsächlich oft zu schnell. Ich habe das letzte Miligramm über 1 1/2 Monate abgesetzt, erst zwei Wochen auf 0,5mg, dann zwei Wochen auf 0,25mg und dann noch mal zwei Wochen alle zwei Tage 0,25mg um auch wirklich auf Nummer Sicher zu gehen, da ich letztes Jahr schon Absetzpsychosen erlebt habe und damit wirklich nicht zu spaßen ist. Dieses Mal hat es aber sehr gut geklappt und ich wünsche dir, dass es für dich auch gut läuft.


    Alles Gute!

  • Hallo zusammen,

    ich hatte vor etwa einem halben Jahr eine Psychose, welche durch Cannabis verursacht wurde. Ich nehme zurzeit 1mg Risperidon und soll demnächst die Neuroleptika sogar komplett weglassen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass ich mich seit der Psychose komplett verändert habe. Ich war Student und war sehr lebhaft. Jetzt ist es so, dass ich mit dem Studium pausieren muss, da ich relativ ausgeprägte kognitive Symptome(Konzentrationsschwierigkeiten) habe. Außerdem hab ich kaum noch Emotionen, besonders das Gefühl von Freude ist wie verschwunden. Was mich jedoch besonders stört ist, dass mein sozial Leben wie ausgewechselt ist. Ich fühl mich sehr unwohl, wenn ich mit fremden Menschen reden muss und vor allen Dingen fällt es mir sehr schwer an längeren Gesprächen teilzunehmen. Ich war früher sehr sehr gerne in Gesellschaft und jetzt will ich am liebsten ständig alleine sein und mit niemanden reden. Laut meinem Psychiater handelt es sich dabei um die sogenannten Negativsymptome, wogegen er mir Escitalopram verschrieben hat. Ich will das Antidepressivum jedoch nicht nehmen, weil ich durch das Risperidon schon ordentlich an Gewicht zugelegt habe und eigentlich keine Medikamente mehr nehmen will. Hatte jemand ähnliche Erfahrung und kann mir sagen wie lange es gedauert hat bis diese Negativsymptome verschwunden sind bzw. wann man wieder der alte ist ?

    Ja, das können gut Negativsymptome sein. Es ist individuell unterschiedlich, wie lange sie dauern.


    Ich persönlich würde Escilatopram oder ein sonstiges Antidepressivum gegen die Negativsymptome nehmen. Ich habe praktisch keine Nebenwirkungen mehr davon und ich glaube, dass es auch auf das Gewicht keine gewichtsfördernden Eigenschaften hat. Im Gegenteil...am Anfang war mir davon noch oft leicht übel.


    Man sagt, dass auch regelmässiger Ausdauersport (2-3 Mal die Woche in der Summe ca 120 Minuten) gegen die Negativ- sowie die kognitiven Symptome hilft. Ich persönlich denke nicht, dass sie von nur 1 mg Risperidon kommen. Wenn du sonst stabil bist, kannst du das aber ganz weglassen.

  • maxi ,


    ehrlich gesagt hatte ich auch das Gefühl, dass die ganzen sogenannten Negativsymptome vom Risperidon kommen. Als ich entlassen wurde aus der Klinik habe ich 3 Monate lang 2mg genommen und nach der Reduktion auf 1mg ne Verbesserung gemerkt. Ich will mir gar nicht vorstellen wie stark die Nebenwirkungen bei einer Dosis von 5mg gewesen sein müssen bei dir. Ich hoffe, dass sich meine Symptomatik mit dem schrittweisen Absetzten des Risperidons bessern wird. Du meintest ja auch erst ab 0,5mg keine Nebenwirkungen mehr gespürt zu haben. Aber es freut mich zu hören, dass es dir wieder besser geht und hoffe, dass es auch so bleibt.

  • silverstrade97 ,


    Ich schau erstmal, wie es mir ohne Neuroleptika geht. Sollte es weiterhin so bleiben sind es wirklich die Negativsymptome und ich werde dagegen das Escitalopram nehmen. Ich gehe so 3-4 die Woche Basketball spielen und habe auch gemerkt, dass es einen deutlich positiven Einfluss auf das Wohlbefinden hat.