• Hallo,


    ich habe herausgefunden wie man neue Themen erstellt :smiling_face:


    Also hier nochmal zu meiner Frage.

    Meine Tante lebt schon ziemlich lang wie es aussieht in einer Welt die nicht real ist, als das rausgekommen ist und sie von einer Person konfrontiert wurde, hat sie selbst auch erzählt was wirklich ist. Aber ich glaube nur das eine Mal, sonst erzählt ihre Phantasiegeschichte und wird auch richtig sauer, wenn man eine falsche Frage stellt.

    Wir wissen das jetzt seit ungefähr einem Jahr.

    Seit das herausgekommen ist, verbringt sie ihre Zeit fast nur in der Küche und raucht, manchmal auch tagelang und schläft auch nicht regelmäßig, manchmal tagelang nicht. Raus will sie kaum noch.

    Für sie ist alles in Ordnung, sie fühlt sich besser denn je sagt sie (sie sieht aber nicht danach aus). Für die Menschen um sie herum ist gar nichts in Ordnung.

    Meine Großeltern, bei denen sie auch wohnt (eine eigenen Wohnung hat sie nicht mehr), können nicht mehr, sie macht ihnen glaub ich auch Angst, sie reagiert aggressiv, wenn sie etwas sagen was ihr nicht gefällt, oder nur auftauchen, wenn es ihr grad nicht passt... sie werden jetzt für ein paar Monate in ihr Haus im Ausland fahren.


    Das macht mir Angst, weil sie alleine wirklich unberechenbare Dinge machen kann und die Realität vollkommen verliert.

    Sie hat weder Arbeit, noch ist sie irgendwo gemeldet, hat also keine Einnahmen. Auch ein Problem, sie ist nicht bereit sich beim Arbeitsamt zu melden und behauptet sie lebe von Ersparnissen...


    Jetzt zu meiner eigentlichen Frage. Wie lässt sich diese Situation verändern? Wie schafft man es, dass jemand in dieser Situation bemerkt, dass er ein Problem hat? Ist es wirklich so, dass wenn die betroffene Person nicht will, man sie einfach lassen muss? Und was bedeutet Selbst- oder Fremdgefärdung? Muss man wirklich warten bis etwas passiert?

    LG

  • Da sie ja keine Krankenversicherung zahlt, was ja Pflicht ist, wäre da eventuell ein Hebel, ihr eine gesetzliche Betreuung aufzubrummen, um eine hohe Verschuldung abzuwenden. Monatlich wächst ja ihr Schuldenberg um den fälligen Beitrag bei ihrer KV.

    Die gesetzliche Betreuung kann versuchen, auch das Bestimmungsrecht über ihren Aufenthaltsort zu bekommen und sie dann einweisen.


    Da sie kein Einkommen hat wird sie im Haus deiner Großeltern bald anfangen, Einrichtung zu verkaufen, um an Tabak und Nahrung zu gelangen, falls ihr das Geld ausgeht.

  • Eigen- oder Fremdgefährdung bedeutet, dass Grund zu der Annahme besteht, dass sie sich selbst oder anderen etwas antun würde, wenn sie nicht in der Psychiatrie ruhig gestellt wird. So lang das nicht der Fall ist, kann man niemanden zwangseinweisen lassen und das ist meiner Meinung nach auch gut so. Ich verstehe, dass man sich in so einer Situation hilflos und verzweifelt fühlt und gerne etwas tun möchte, aber man sollte nicht aus den Augen verlieren was für ein drastischer und teilweise auch traumatisierender Schritt es ist, einem Menschen die Freiheit zu nehmen. Nach dem was du beschrieben hast, geht von deiner Tante keine Gefahr aus und man kann immer noch mit ihr reden. Finde auch Spekulationen, dass sie nun anfangen würde die Einrichtung zu verkaufen, als jemand, der sie nicht kennt, nicht in Ordnung. Was Wahnvorstellungen betrifft ist man meiner Meinung nach viel zu schnell dabei, Betroffene komplett entmündigen zu wollen, weil sich das Umfeld überfordert fühlt. Das kann ich auch verstehen, aber man kann niemandem Hilfe aufzwingen, besonders nicht professionelle Hilfe. Für mich klingt alles danach, als wäre deine Tante sehr einsam, wenn sie kaum noch die Wohnung verlässt und sich eine Beziehung ausdenkt, die es nicht gibt. Einsamkeit ist nach allem was ich bisher gelesen hab, oft Auslöser für Psychosen. Vielleicht wäre es ein guter erster Schritt ihr Gesellschaft zu leisten ohne darauf zu drängen, dass sie sich einen Therapeuten oder einen Psychiater sucht oder sich beim Arbeitsamt meldet, bis sie bereit ist sich zu öffnen und Rat eher anzunehmen.

  • Ja, bedauerlicherweise kann man als Angehoeriger nichts machen, wenn der/die Erkrankte nicht will. Es gibt nur Zwangseinweisung bei Selbst- oder Fremdgefaehrdung oder freiwilliges Handeln, was jemand, der einen psychotischen Schub hat, selten einsieht. Zwangseinweisungen finde ich auch schlimm. Ich verstehe auch nicht, warum es keine Alternativen gibt. Z.B. las ich auf der Website der hiesigen Uniklinik, dass sie in Zusammenarbeit mit bestimmten Krankenkassen eine Inhouse-Behandlung anbieten wuerden. Was dort zu lesen war, hoerte sich sehr einfuehlsam und gut an. Ich rief also an. Das Ergebnis: Das Projekt wurde aufgegeben. Wurde von den Krankenkassen nicht mehr finanziert. Und so ist es immer. Gute Ideen verlaufen im Sande. Wendet man sich an Experten, verweisen sie auf den sozialpsychiatrischen Dienst. Er kommt zwar ins Haus, aber erreicht meist nichts. Hinterher hat man meist mehr Probleme mit seinem Angehoerigen, weil er/sie danach einem misstraut. Das werde ich nicht mehr tun.


    Das Finanzielle ist wichtig. Gesetzliche Betreuung koennte man da sicherlich erreichen. So koenntest du schon mal auf dem Gebiet Schaden abwenden.

  • Vielen Dank für eure Antworten. Das gilft mir schon mal etwas weiter.


    Es geht mir gar nicht darum herauszufinden wie man sie am schnellsten weggesperrt bekommt oder sowas. Das würde die Situation wahrscheinlich verschlimmern, ihr ist Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit sehr wichtig. Und dass eine er sthafte Gefahr von ihr ausgeht denke ich auch nicht.


    Die finanzielle Geschichte ist so eine Sache...

    Alle Schulden die sie gemacht hatte, bei der Krankenkasse und auch sonst wurden für sie bezahlt. Und auch wenn meine Großeltern für ne Zeit weggehn, bleibt sie nicht ohne Ungerstützung, es wird für sie gesorgt und ihre Kinder sind da, sie wird nicht unversorgt bleiben. Aber daduch, dass ihr alle Schulden weggenommen wurden und warscheinlich auch weiterhin werden so lange das geht, gibt es keinen Punkt an dem man ansetzen kann um irgendwie an Untrstützung zu kommen. Das ist so mein Gefühl gerade...


    Der psychiatrische Dienst war auch ein Versuch, aber durch Corona kommen die zur Zeit anscheinend nicht nach Hause. Und wie du sagst kissa, es würde wahrscheinlich nur noch mehr Misstrauen in ihr wecken.


    Das bedeutet dann unsere Aufgabe im Moment ist einfach für sie da zu sein, sie aus der Wohnung holen, irgendwas nettes mit ihr unternehmen, ohne die Dinge zu anzusprechen die nicht ok sind?

    Aber wie kommt es dazu, dass sie selbst bemerkt, dass das Leben, was sie denkt zu leben, nicht real ist?

    Wie seid ihr (oder ein betroffener Angehöriger oder Freund) zu dem Punkt gekommen, an dem ihr selbst angenommen habt, dass ihr Hilfe braucht?

  • Du fragst: Wie merkt man, dass der Angehörige oder Freund Hilfe braucht? Nun mit der Zeit kennt man die Anzeichen. Nur, wenn man es bemerkt, ist der/die Betroffene meist nicht mehr zugänglich. Das ist das Problem. Mit Druck erreicht man gar nichts. Man kann es nur immer wieder vorsichtig ansprechen. Aber nicht jeden Tag neu. Vielleicht einen Deal machen? Das habe ich mal gemacht. Es hat auch geklappt. Aber das funktioniert nicht immer. Es gibt keine Lösung, die immer funktioniert. Ich versuche zurzeit, ruhig zu bleiben. Ich habe in der letzten Zeit ein paar mall versucht, ihr Hilfsmöglichkeiten anzubieten, worauf sie ärgerlich reagierte. Ich tue zurzeit so, als wenn sie sich ganz "normal" verhalten würde.


    Meine derzeitige Methode: Ich spreche mit ihr, wie ich das immer getan habe. Ich kriege zwar einsilbige Antworten, aber sie antwortet. Ich melde mich ab, wenn ich das Haus verlasse, frage, ob sie etwas will. Sie reagiert meist. Auch, wenn sie nein danke sagt, werte ich das als Reaktion. Sie meldet sich auch ab. Das finde ich schon einmal gut. Sie fragt auch, ob ich etwas möchte.


    Das ist meine gegenwärtige Hoffnung. Das mein Verhalten ihr Verhalten im positiven Sinne fördert. Aber eine Garantie ist das nicht. Ich habe heute das Buch bestellt, das Murphy empfohlen hatte: Thomas Bock: Menschen mit Psychose-Erfahrung begleiten. Vielleicht hilft das Buch mir weiter. Ich will alles versuchen, um meine Tochter vor einem Klinikaufenthalt zu bewahren.

    • Offizieller Beitrag

    AliceImWunderland ,
    eventuell hat sie einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente wenn sie vorher etwas gearbeitet hat(müssen nur ein paar Jahre sein):
    https://www.deutsche-rentenver…minderungsrente_node.html

    Ich hatte damals auch eine Situation wo mir die vom Arbeitsamt auf den Kopf gestiegen sind, ich war damals instabil und hab dann aufs Arbeitslosengeld verzichtet für ein Jahr.
    Aufpassen muss man da, weil nach einigen Jahren wenn man gar nix Arbeitet dann kein Rentenanspruch da ist. Mag zwar sein das man dann aufgrund der Psychose das trotzdem bekommt aber normal solltet ihr euch darum kümmern das sie eine Rente bekommt und zumindest finanziell so etwas für die Zukunft abgesichert ist. Das wird gerechnet wie wenn man bis 65 gearbeitet hätte mit den vorherigen Einkommen! Also da kommt man ganz gut weg normal. Auf dem Rentenbescheid müsste das ein eingerahmtes Feld sein wo steht wieviel EM-Rente man bekommen würde.

    Medikamentös kann ich dir hier im Forum die Medikamenteempfehlung geben, die ist bedeutend verträglicher und kommt mit wenig Neuroleptika aus, ich denke das wäre dahingehend die beste Option die man derzeit hat, da Standardtherapien oft übel sind und kaum angenommen werden von den Erkrankten. Diese Medikamentekombi wirkt mehr über Antidepressiva und kommt so mit weniger Neuroleptika aus, man kann die Neuroleptika so auch für Monate absetzen und in Intervallen einnehmen was von der Negativsymptomatik der Betroffenen sehr entegenkommt.
    Hier der Foren-Link wo das mit den Medikamenten genau beschrieben ist: Medikamente für Psychose (Empfehlung!)

    Die Medikamente vor allem das Bupropion hilft auch gegen Aggressionen und so wenn man das so kombiniert mit niedrig dosierten Neuroleptikum (Aripiprazol) einnimmt.

    Vielleicht schafft ihr es so indem ihr sie genau informiert sich in Behandlung zu begeben, normal kann man da als Betroffene/r auch sehr auf die Medikation die man bekommt einwirken.

    Das Problem ist das die Standardtherapien die sie vielleicht schon hatte eben häufig zum Therapieabbruch führen oder beitragen weil diese Medikamente (die Neuroleptika) ungerne eingenommen werden, diese rauben einen die Motivation für alles und mit Negativsymptomen ist es sonnst sehr anstrengend.

    Wie alt ist deine Tante und wann wurde sie krank? Wann hat sie zuletzt gearbeitet? Wenn sie Psychose hat also Schizophren ist dann steht ihr normal eine EM-Rente zu also das wäre etwas worum ihr euch kümmern solltet oder eben einen Betreuer einschalten der das für sie tut und bei der Antragerstellung und so hilft.

  • kissa

    Hatte deine Tochter auch eine Zeit in der sie wusste, dass sie psychotisch ist, oder war? Wie läuft das ab, wenn man sowas bei Angehörigen bemerkt, wie schafft man es, dass die betroffene Person zu einem Psychiater geht und sich eine Diagnose geben lässt und auch noch Medikamente nimmt? Das scheint mir unmöglich zu sein... weil die Person ja selbst nicht weiß, dass etwas nicht stimmt.

    Danke für den Buchtipp, das werd ich mir gleich anschauen.


    Admin

    Sie ist 50 und hat bis vor 1,5 oder 2 Jahren noch normal gearbeitet. Wir wissen seit ungefähr einem Jahr, dass sie psychotisch ist. Das geht aber schon sehr viel länger, einige Jahre.

    Sie war nie in Psychiatrischer Behandlung, wird sie freiwillig wahrscheinlich auch nicht und Medikamente nehmen erst recht nicht. Das ist das größte Problem, es gibt keine Diagnose... sobald ein Arzt etwas sagt was ihr nicht gefällt geht sie da nicht mehr hin.

    Ist es in dem Fall auch möglich eine Erwerbsminderungsrente zu bekommen?

    Wie kommt man zu einem Betreuer?

    Und gibt es überhaupt noch einen Weg da raus für sie?

    • Offizieller Beitrag

    Ist es in dem Fall auch möglich eine Erwerbsminderungsrente zu bekommen?

    Wie kommt man zu einem Betreuer?

    Und gibt es überhaupt noch einen Weg da raus für sie?

    Es kommt auf die Diagnose an. Kann ja auch sein das es etwas vorübergehendes oder drogeninduziertes ist. Also kann ich dir nicht sagen, da ich keine Ahnung habe inwiefern sie einen Anspruch hat. Ohne Diagnose kann man das vergessen.

    Einen Weg da raus gibt es immer, es muss aber eben die Bereitschaft da sein sich Hilfe zu suchen oder bei Fremd- und Eigengefährdung wäre eine Einweisung oder so vielleicht möglich.
    Bezüglich der Aggressivität vielleicht.
    Wir sind hier auch keine Psychiater die dir da klar sagen können was zu tun ist. Vielleicht mal in einen psychiatrischen Krankenhaus anrufen und dort die Situation schildern und fragen inwiefern man da helfen oder was machen kann. Bei akuter Gefährdung sollte man schon über Krankenwegen oder Polizei eingeliefert werden können, wir wissen ja nicht wie schlimm das in eurer Situation ist. Einfach mal in einen psychiatrischen Krankenhaus in deiner Nähe anrufen und nachfragen, wäre denke ich das Effektivste wo man dich sicher am ehesten sagen kann was zu tun ist.

  • Ja, so eine Zeit hatte sie. Ich glaube auch, dass sie jetzt weiß, dass etwas nicht stimmt. Sie will sich nur nicht behandeln lassen. Letztlich kann ich das sogar verstehen (Nebenwirkungen der Medikamente). Nur: Eine andere medizinische Behandlung gibt es nicht. Die Medizin ist noch nicht soweit. Wie bemerkt man es? Bei meiner Tochter zeigt sich eine Wesensveraenderung. Es faengt schleichend an und verstaerkt sich immer mehr. In der Psychose ist sie abweisend, will allein sein, totaler sozialer Rückzug. Reagiert auf E-Mails von Bekannten und Freunden und Verwandten nicht. Sie rufen mich dann an und fragen, was los ist. Telefon beantwortet sie nicht. Es sind viele Kleinigkeiten der Wesens- und Verhaltensänderung, die bei mir die Alarmglocken klingeln lassen.

  • Ich weiß natürlich, dass hier niemand genau sagen kann was zu tun ist. Das konnten die psychiatrischen Einrichtungen und psychiatrischer Dienst auch nicht. Nur, dass man nichts machen kann, wenn sie nicht will, außer sie wäre gefährlich oder würde draußen nackt rumlaufen oder sowas...

    Und das lässt mich echt verzweifeln... Sie is so verloren und ohne Behandlung kommt sie da nicht raus, aber sie glaubt ja, dass alles in bester Ordnung ist...


    Ich suche die ganze Zeit nach so einer Art Erfahrungsberichten.

    Wie ist es anderen Menschen gelungen in psychiatrische Behandlung zu kommen?

  • Ich kann dich gut verstehen. Ich war auch schon einmal an dem Punkt der schieren Verzweiflung. Zusehen zu müssen, wie ein nahestehender Mensch sein Leben selbst kaputt macht, ist grausam. Wie kommt man zu einer Behandlung? Freiwillig oder Zwangseinweisung. Leider gibt es nichts dazwischen.

  • Ich kann eure Verzweiflung sehr gut verstehen, die Situation als Angehöriger ist wirklich unglaublich belastend. Ich hoffe auch, dass das Buch euch was bringt - ich fand es gut, ein einfühlsamere und auch weniger beängstigende Sicht auf die Psychose zu bekommen. Ich glaube, das ist für uns Angehörige auch wirklich das A und O - verstehen, dass die Psychose nicht von "irgendwoher" kommt (ich halte es auch absolut nicht für richtig und zu einseitig, Psychosen als reine Hirnkrankheit zu bewerten, die nur biologisch begründet und mit Antipsychotika zu behandeln ist). Mittlerweile erkenne ich den Sinn hinter einer Psychose, zumindest für meine Partnerin... ich weiß natürlich nicht, wie das ist bei drogen/medikamenteninduzierten Psychosen etc., aber für meine Partnerin wurde das "reale Leben" einfach zu viel, zu schwer und sich zu flüchten in die Psychose war ihr letzter Ausweg, das hat sie natürlich nicht bewusst gemacht, aber ihr Hirn sah das als letztes Hilfsmittel an, es gab ihr wieder Sinn im Leben, "Bedeutung", am Anfang auch Trost. Deswegen würde ich persönlich bei sozialem Rückzug vorsichtig sein, das als eindeutiges Frühwarnzeichen zu sehen, kissa - wenn du jetzt beispielsweise von allem langsam überfordert wirst, dann hättest du wahrscheinlich auch nicht den Kopf, auf E-Mail zu reagieren, sondern würdest dich zurückziehen wollen. Ich habe großen Respekt vor dir, dass du alles tun möchtest, um einen Klinikaufenthalt für deine Tochter zu verhindern - Hut ab, das bedeutet viel Kraft! Aber vielleicht hilft es ja, deine Sorge etwas gehenzulassen, auch für dich ganz persönlich, wenn du mehr versuchst die Perspektive zu wechseln. Deine Tochter macht gerade höchstwahrscheinlich was Schweres durch... ist es da "okay", sich zurückziehen zu wollen? Was setzt sie eher unter Druck, was könnte ihr gut tun? Wenn sie auf dich reagiert, auch einsilbig, ist das wirklich noch gut! Vielleicht schafft sie momentan nicht mehr. Meine Partnerin hat mir mitgeteilt, dass sie, auch als sie gar nicht mehr auf mich reagieren konnte, trotzdem noch meine Worte wahrgenommen hat und in Kontakt treten wollte, aber es war einfach zu schwer (bei ihr noch verstärkt durch die Tabletten tatsächlich, die haben sie wirklich total zum Zombie gemacht, tat unheimlich weh das zu sehen). Was uns auch mehr geholfen hat (nicht in der akuten Psychose, aber so im "Aftermath" und auch die Wochen als es sich "angeschlichen hat") war Schreiben, tatsächlich. Meine Partnerin meinte es war sehr viel leichter für sie, sich durch's Schreiben zu verständigen, weil sie da länger nachdenken konnte und Reden für sie mit Druck verbunden war, besonders im direkten Kontakt. Vielleicht kannst du das deiner Tochter auch mal anbieten, sagen, hey, ich hab's Gefühl reden ist gerade bisschen schwerer für dich aber ich wäre unheimlich gerne für dich da, wenn du mir also was sagen magst, kannst du's auch aufschreiben/per WhatsApp schicken/E-Mail und ihr vielleicht auch sagen, dass ihre Familie an sie denkt, sehr liebt, aber dass sie nicht antworten muss wenn sie gerade nicht kann/möchte. Immer viel Liebe und Zuneigung! Ich habe meine Partnerin immer am besten erreicht, wenn sie meine Liebe noch gespürt hat und wenn ich auch mit den Symptomen "liebevoll" umgegangen bin.


    Ähnliches bei dir, AliceImWunderland, ich sende dir und deiner Familie ganz viel Kraft, möchte aber auch erwähnen, dass es deiner Tante vielleicht gerade gar nicht so schlecht geht wie ihr das wahrnehmt. Es gibt genügend Menschen, die ihre Psychose als etwas Gutes wahrnehmen und durch die Psychose etwas bekommen, was ihnen ihr "reales Leben" nicht geben kann. Im Falle deiner Tante könnte das ganz, ganz simpel sein: (romantische) Liebe, Trost gegen Einsamkeit. Das mag unbeschreiblich erschreckend auf die Familie wirken und ich hoffe, eure finanzielle Situation lässt es zu, ihr da beizustehen bis ihr eine Lösung findet, die für alle Parteien machbar sind, aber vielleicht hilft es euch etwas den Leidens- und Handelsdruck herauszunehmen, wenn ihr seht, es ist vielleicht gar nicht so schrecklich für deine Tante gerade, besonders wenn sie selbst sagt, es geht ihr gut. Es ist schwer Menschen in einer Psychose zu glauben, kann ich nachvollziehen, aber was sie fühlen und wahrnehmen ist echt für sie - wenn deine Tante also sagt, sie ist glücklich, dann würde ich das annehmen und mir persönlich würde das schon etwaaaaaaaas Last nehmen. Es könnte ja auch anders sein, meine Partnerin hatte irgenwann z.B. Todesangst und dachte, ich würde sie umbringen wollen (nicht in ihrer ersten Psychose, sondern in einer Absetzpsychose), da hatte ich mir fast die erste Psychose zurückgewünscht, wo sie "nur" Wahnvorstellungen hatte, dass sie vielleicht multipel sein könnte, was in ihrer Situation Sinn gemacht hat - multipel sein hätte bedeutet, nicht komplett alleine zu sein, eine "Lösung" für ihre Einsamkeit. Ich hoffe man versteht, was ich meine. Ich verstehe, dass ihr helfen wollt, es braucht aber Zeit und in der Zeit, in der deine Tante es noch nicht bemerkt, dass etwas nicht stimmt, weil ihre Psychose ihr vielleicht gerade großen Trost bietet, könnt ihr sie da nicht von abbringen. Stell dir einfach vor jemand würde dir wegnehmen wollen, was sich gerade richtig gut für dich anfühlt, nur, weil er "denkt es wäre nicht real/schlecht"? Das tut weh!


    Es ist auch wichtig, dass ihr auf euch achtet. Ihr habt und könnt nicht für alles die Verantwortung haben. Und so beängstigend und schrecklich das alles ist, manchmal ist es an uns Angehörigen, mehr Verständnis zu zeigen und erst einmal an unserer Angst und Sorge zu arbeiten, bevor wir gut sein können für unsere Liebsten, weil wir sie sonst auch noch mit unseren negativen Gefühlen belasten und das ist oft kontraproduktiv. Im Nachhinein kann ich zumindest sagen, dass mein Handelsdruck (mein Nachfragen, mein "Wir sollten zum Arzt/in die Klinik", "Du brauchst Hilfe", "Das macht mir Angst/Sorge", "Da stimmt doch was stimmt", "Das kann so nicht weitergehen" und Ähnliches, entweder direkt gesagt oder auch einfach nur non-verbal gezeigt) es schlimmer gemacht hat für meine Partnerin und mich. Ich hätte ihr mehr Zeit geben müssen und von Anfang an direkter auf das eingehen, was sie gerade empfindet, auch den Wahn ernstnehmen, selbst wenn es für mich natürlich "überhaupt keinen Sinn" gemacht hat. So kam ich am besten an sie ran und es war weniger Stress. Durch Stress und Druck wurde alles schlimmer und ist bei uns leider richtig eskaliert.

  • Hallo Murphy,

    du hast recht. Wir als Angehoerige muessen auch an unsere seelische Gesundheit denken. Ich versuche mich abzulenken. Gehe mit der einen oder anderen Freundin spazieren, rede viel, bin hier im Forum unterwegs. Das Buch, das du empfohlen hast, ist heute angekommen. Werde es umgehend lesen.

  • Danke für eure Inspiration.

    Ich dachte die ganze Zeit, es muss doch jetzt endlich was passieren, sie kann doch nicht noch ewig so vor sich hin vegetieren und in Träumen leben...


    Aber Murphy du hast recht, es ist nicht sooo schlimm für sie, die Psychose macht für sie das Leben im Moment schöner...

    Sie sagt das auch, anscheinend gönnt es ihr niemand glücklich zu sein, wenn jetz, wo endlich alles läuft, alle denken sie wär verrückt geworden...

    und ich glaube auch, dass sie das manchmal bemerkt, aber nicht will, dass sich was ändert. Sie weiß jetzt auch, was sie vor anderen verstecken muss, oder nicht erzählen darf und macht das auch meistens nicht.