Reaktionen auf schizoaffektive Psychose

  • Hallo Zusammen,


    ich treffe mich seit einer Weile mit einem Mann und habe mir vorgenommen nicht zu lügen, wenn wir auf das Thema kommen. Wir kamen dann tatsächlich darauf und ich erzählte ihm ehrlich, dass ich eine Psychose hatte, ein paar Symptome und dass ich Medikamente nehme. Er reagierte ganz gut darauf. Nun kennen wir uns besser und ich bin nochmal auf das Thema eingegangen, da ich erzählen wollte, dass ich bereits vor der ersten richtigen Psychose die Diagnose schizoaffektive Störung erhalten habe, sie aber nicht akzeptiert habe. Ich habe keine Medikamente genommen und den Ärzten nicht geglaubt. Daraufhin war er sehr still und sagte dann, dass das eine ganz andere Hausnummer sei und sowas eine Beziehung schon sehr belasten könnte. Das sei ja eine Persönlichkeitsstörung und könnte ja wiederholt auftreten. Des Weiteren hatte seine Mutter wohl zwei Psychosen. Mich hat seine Reaktion sehr verärgert und auch traurig gemacht, da ich ja nichts dafür kann und auch keine Symptome habe und nicht glaube, dass mir das erneut geschehen kann, da ich schon sehr viele Belastungen hatte damals.


    Ich wüsste gerne, was ihr von seiner Reaktion haltet. Denkt ihr auch, dass sich das wiederholt? Eine Persönlichkeitstörung ist das doch nicht?


    Liebe Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Kann man so und so sehen. Persönlichkeitsstörung ist es in der akuten Phase schon, da man da sehr gereizt sein kann und auch schädliche Gedanken und so haben kann.

    Keine Medikamente zu nehmen führt bei einer richtigen Psychose (Schizophrenie) nahezu zwangsläufig zu einen Rückfall, der mehr oder weniger schlimm sein kann je nachdem wann man entgegensteuert.


    Die Medikamenteempfehlung hier im Forum wäre ein Kompromiss zwischen keine Neuroleptika und täglicher Einnahme, da die Antidepressiva da die täglich eingenommen werden müssen stabilisieren und gut verträglich sind und gleichzeitig das Neuroleptikum in kleiner Dosis oder nur bedarfsweise eingenommen werden kann, also im Idealfall etwa eine Woche im Monat das Aripiprazol(recht gut verträgliches Neuroleptikum), die anderen 3 Wochen dann ohne Neuroleptika und dafür mit verringerter Negativsymptomatik. Die Antidepressiva täglich und dauerhaft die so gut wie keine Probleme machen und die Negativsymptome die auch ohne Neuroleptika verstärkt auftreten würden, werden dann von den Antidepressiva vor allem dem Bupropion auf ein Minimum reduziert.
    Also das wäre eine Möglichkeit, wenn dein Psychiater / Arzt da mitmacht der diese Medikamente verordnen kann.

    • Offizieller Beitrag

    Gut , du behauptest die Medikamente absetzen zu wollen.

    Das ist eben meist unmöglich und dann wirst du auch für deinen Freund zur Gefahr oder stärker zur Last. Möchtest du das?

    Naja diese Medikamenteempfehlung funktioniert und das ist wie wenn man keine Neuroleptika einnimmt, also vergleichsweise verträglich.

    Um was ging es dir denn? Möchtest du absetzen und dann dich und andere Menschen damit zusätzlich in Gefahr bringen oder stark negativ auffallen?

    • Offizieller Beitrag

    Emma H.
    Müsstest du mal deinen Arzt fragen ob Psychose eine Persönlichkeitsstörung ist und wie es speziell bei dir ist.

    Also du möchtest jetzt keine Medikamente absetzen oder so?

    Ist dein Risiko und Leben, aber von der Einstellung her kann ich deinen Freund schon mehr als verstehen. Ich weis selbst wie unausstehlich und krank ich mit der Psychose wahr, ständig Wahnhaft und so. Soetwas ist belastend auch für Andere. Klar Negativsymptome hat man mit und ohne Medikamente, also hast du vom Absetzen nix. Bei Schizophrenie ist ausgeschlossen das man ohne Neuroleptika stabil und normal leben kann, so sind eben die Tatsachen.
    Probieren kann man es klar, aber wenn man das macht sollte man bereit sein auch die Notbremse zu ziehen, viele Betroffene fällt es schwer von sich aus die Medikamente in der Akutphase wieder einzunehmen.

  • Ja, meine Güte, ich weiß auch nicht, warum mir hier unterstellt wird Medikamente absetzen zu wollen und gemeingefährlich zu werden. Finde ich wirklich arg unpassend, die Reaktion. Wenn man sich in diesem Forum mal öffnet, sollte man nicht gleich so angegangen werden.

    • Offizieller Beitrag

    dass ich bereits vor der ersten richtigen Psychose die Diagnose schizoaffektive Störung erhalten habe, sie aber nicht akzeptiert habe. Ich habe keine Medikamente genommen und den Ärzten nicht geglaubt. Daraufhin war er sehr still und sagte dann, dass das eine ganz andere Hausnummer sei und sowas eine Beziehung schon sehr belasten könnte. Das sei ja eine Persönlichkeitsstörung und könnte ja wiederholt auftreten.

    Also das klingt für mich so als ob du diese Diagnose hast und keine Medikamente nimmst, oder abgesetzt hast.

    Kannst ja auch erklären wie du es meinst. Das sollte auch kein Angriff sein aber es ist eben unüblich das man bei einer bei einer "richtigen Psychose" Medikamente einnehmen muss.
    Nimmst du welche oder keine und wie geht es dir damit oder ohne?

    Also wäre schon nett wenn du mir nicht gleich Bösartigkeit unterstellen würdest nur weil ich da etwas kritisch drauf eingehe und nachfrage.

  • danke für deine neue Antwort.


    Nein, ich setze gar nichts ab. Ich nehme zur Sicherheit eine sehr geringe Dosis und die wird wohl auch bald weggenommen. Sagte meine Ärztin.


    Als ich das erste Mal die Diagnose bekam, hatte ich "nur" Konzentrationsprobleme, Reizüberflutung und ein Unwirklichkeitsgefühl. Kein Wahn oder ähnliches. Damals glaubte ich den Ärzten nicht, dass das passt und nahm daher auch keine Medikamente. 4 Jahre und viele Stresssoren später hatte ich auch Wahn, ging aber trotzdem in Behandlung und habe verstanden, dass sie die Anzeichen bereits früh richtig diagnostiziert haben. Wobei ich nicht genau weiß, welche Rolle Manie spielen müsste...


    Eine Belastung möchte ich natürlich nicht sein, aber solange gar nichts ist, ist es ärgerlich stigmatisiert zu werden.

    • Offizieller Beitrag

    Kann ich dich auch voll verstehen! Hab das auch probiert so wie du, aber muss sagen das es mir zumindest unmöglich war von dieser Minimumdosis dann ganz abzusetzen. Solange du das gemeinsam mit deiner Ärztin machst ist das sowieso völlig in Ordnung. Ich hab da teilweise gegen den Willen meiner damaligen Psychiaterin reduziert, aber für mich hat sich der Weg auf längere Sicht dann trotzdem gelohnt, da eben eine Andere Lösung zu finden.

    Wenn du es ohne schaffst ist das super, aber tue dir bitte keinen Zwang an indem du dann absetzt und dann in der Hoffnung das es irgendwann besser wird immer weiter in die Psychose hineinarbeitest.
    Das mit der Manie weis ich nicht, bei einer Psychose spricht man da ja eher von Wahn, also Manie eher bei Bipolaren oder vielleicht noch beim schizoaffektiven ein Stückweit. Ich glaube Manie ist insofern nur ein anderer Begriff für Wahn, wobei Wahn eben irreale Gedanken sind die man verfolgt oder sich reinsteigert und Manie eben eine Art überschüssige Kraft ist wenn man extrem viel Sport macht oder anderes, was einen bei einer Psychose eher schwer fallen sollte.

    Bin da auch kein Arzt oder Experte und hab mir da ähnliche Fragen wie du gestellt.

  • Emma H.

    "Ich wüsste gerne, was ihr von seiner Reaktion haltet. Denkt ihr auch, dass sich das wiederholt? Eine Persönlichkeitstörung ist das doch nicht?"


    Nachdem wir die Wichtigkeit der Medis nun nochmal klargestellt haben, mal Ausnahmsweise zur eigentlichen Frage :smiling_face: ( Ist übrigens mein Ernst, auch wenn ich die nur in einer akuten Phase nehmen würde, da ich sonst zu ängstlich um meine Gesundheit bin, und Notfalls eher 24/7 gegen die Stimmen Battlerappen würde. Gut dass es hier Maggie gibt die sich damit auskennt )


    Er ist doch wenigstens schon einmal so ehrlich zu sagen, dass es ein Problem für Ihn ist. Er hat also nicht so getan als wär es ok und sich dann nicht mehr gemeldet oder so. Das heißt für mich das er noch an dir und deinen Problemen interessiert ist und Ihr diese gemeinsam aus der Welt schaffen könnt. Und solltet Ihr das nicht schaffen und er das Problem als so groß einschätzt, dass er Eure Vergangenheit lieber hinter sich lassen will, anstelle sich, trotz allen Widrigkeiten, auf eine gemeinsame Zukunft mit dir zu freuen, dann ist das halt so und du solltest Ihn guten Gewissens in eine Zukunft mit einer "gesunden Seele" und einem Leben in Saus und Braus und Heiterkeit entlassen.

    Gerade wenn man jemand liebt sollte man Sie ziehen lassen können und einsehen, dass es wohl irgendwo, irgendwie eine "bessere" Person für Sie gibt, der man selbst nicht das Wasser reichen kann :face_with_tongue:

    Entweder das oder man hält sich für den besten der Welt :smiling_face: