Stelle mich vor... die Neue :)

  • Hallo, ich bin starlight, weiblich, 28 und bei mir wurde das erste mal mit 22 Jahren paranoide Schizophrenie auf Grund von Depression, Stress und Schlafmangel festgestellt. Damals wusste ich nicht was los ist, und was mit der Welt nicht stimmt...


    In den Psychosen (ich hatte drei in den letzten Jahren) erlebe ich akustische und visuelle Halluzinationen und auch mal Wahnvorstellungen. Ohne die Wahnvorstellungen ist die Psychose sehr abenteuerlich für mich, ich habe Kontrollverlust, bin mir aber irgendwo noch bewusst, dass ich mich verhalten muss um kein Ärger zu bekommen (wenn ich trotzdem Ärger mache, liegt das meistens an den Wahnvorstellungen), bin offener als sonst, lache viel mehr, fühle mehr, sehe Farben intensiver, habe Glücksgefühle, fühle Musik intensiver als sonst, male... Nach der medikamentösen Behandlung normalisiert sich alles und ich bin dann wieder antriebslos, blockiert, traurig, der Schmerz kommt wieder hoch und ich fühle mich ungeschützt vor meinem Trauma.


    Übrigens erlebe ich während und kurz nach der Psychose, dass ich viel konzentrierter, gefühlvoller und fantasievoller malen kann, jetzt im Moment kann ich das nicht mehr. Also wenn ich in der Psychose bin, ist das Beste was man mir geben kann Papier und Stifte (und Musik ^^)... Durch die Erkrankung habe ich erfahren, wie ich sein kann, und sie hat mich kreativer gemacht, als ich es je war, das nehme ich als Geschenk an, aber jetzt im Moment bin ich fast gar nicht mehr kreativ. Ich bin eher traurig darüber, dass ich Medikamente nehmen muss, möchte gerne auf natürlichem Weg gesund werden und nicht so blockiert sein.


    Ich bitte jeden der mir hier zurückschreibt, ein paar Worte über sich zu sagen, ;):) ...

  • Morgen habe ich ein Termin bei der neuen Psychiaterin, ich mache mir etwas Sorgen, was dabei rauskommt.


    Fühle mich so weit stabil, merke aber dass mein Kopf schon länger blockiert ist durch das Abilify und will es jetzt reduzieren, oder langsam ausschleichen. Es ist lange bei der selben Menge geblieben, ich bekomme es als Depot und weiß gar nicht mehr wie viel es war. Nehme es schon seit über einem Jahr.


    Kann ich das Abilify nach einem Jahr endlich ganz ausschleichen? Und wie lange dauert das ausschleichen?

  • Würde ich nicht sofort ganz ausschleichen aber deutlich reduzieren lassen und möglichst bald auf Tabletten umstellen.

    Diese Depotspritzen sind von der Dosis auch relativ viel und entsprechen vielleicht so 15mg Aripiprazol täglich.

    An deiner Stelle würde ich von daher an deiner Stelle Tabletten verlangen und dann möglichst gleich 10mg und dann 5mg Tabletten erstmal als Minimumdosis anpeilen.
    Unter 5mg wird es beim Aripiprazol kritisch, also dieser Schritt hin zu gar keinen Medikamenten ist in der Regel viel schwieriger als von der Dosis etwas runterzugehen. Kann auch sein das du nur bis 10mg ohne Probleme runterkommst.
    Abilify(Aripiprazol) gibt es im Grunde nur in Tablettenform die sich wegen ihrer (mini)Größe kaum teilen lässt von daher geht das reduzieren auch nur mit Psychiater, da solltest du auch selbstbestimmt für dich nachfragen das du etwa reduzieren möchtest.

    Wenn du auf einer niedrigen Aripiprazoldosis bist etwa 5-10mg , dann kannst du es mit der hier empfohlenen Medikamentekombination probieren, das ist dann im Grunde so wie wenn man fast oder gar keine Neuroleptika einnimmt und deutlich angenehmer als das Jetzige. Das geht mit speziellen Antidepressiva wie Bupropion+Citalopram.

    Hier findest du da genaueres dazu:
    Medikamenteempfehlung Psychose

    Wäre so mein Ratschlag, so lässt sich das Aripiprazol auf einen kleinen Bedarf reduzieren, wenn man gleichzeitig diese Antidepressiva vor allem das Bupropion einnimmt, dann fallen die Stimmungsschwankungen und Absetzsymptomatik des Abilifys deutlich schwächer aus, also so stabilisiert man sich dann auch auf längerer Sicht. Die ADs sollte / muss man da täglich einnehmen die sind aber verträglich und verbessern diese Negativsymptome dann deutlich.

    Da du ja Depot noch hast ist das ein längerer Weg bis dahin, das ist dann praktisch fast wie wenn man keine Medikamente einnimmt wenn das alles gut eingestellt ist.
    Ganz ohne Medikamente schaffen es die Wenigsten, das ist dann noch quälender als mit den Medikamenten, das was ich dir da vorgeschlagen habe ist ein guter Kompromiss zwischen keine Medikamente und eben wie du es hast hohe Neuroleptikadosierungen.
    Im Grunde wenn du es so schafft das Abilify nur noch eine Woche im Monat bedarfsweise einzunehmen(5 oder 10mg) dann ist das ein Erfolg was sich dann eventuell auf 2-3 Monate herauszögern lässt bis man diesen Bedarf des Neuroleptikums einnehmen muss. Die Antidepressiva vor allem das Bupropion braucht es aber um bei so kleinen Dosierungen möglichst stabil zu bleiben und das sich das mit dem Verlauf auch so verbessert.
    Am Besten möglichst nahe daran halten wenn du da Erfolgreich sein möchtest.

    Da du schon seid 6 Jahren erkrankt bist, hattest du vermutlich auch schon mal versucht abzusetzen und wurdest rückfällig oder?
    Von daher sollte dir klar sein das komplettes Absetzen meist dann zur Absetzpsychose führt und der Nutzen insofern auch begrenzt ist.
    Volkmar Aderhold ein Wissenschaftler auf dem psychiatrischen Gebiet empfiehlt da auch möglichst kleine Dosierungen anzustreben(Neuroleptika Minimal).
    Dieser Arbeit von Aderhold kann man sich da anschauen um so diese Grenzdosierungen der einzelnen Wirkstoffe etwa einzusehen. Oft ist die Wirkung auch unter 5mg noch voll gegeben oder ausreichend, also das allein kann schon helfen.
    Ich würde dir aber eben zu dem was ich dir empfohlen habe raten. Nehme das selbst so in der Art ein und es funktioniert sehr gut, also es wird stetig besser und die Negativsymptome sind so gut wie vollständig weg.

    Ich bin so seid 2011 erkrankt an Psychose und es war auch ein längerer anstrengender Weg die Medikamente so herauszufinden, insofern schon etwas länger als du, bin jetzt 33(männlich). Das mit den Antidepressiva musste ich zum großen Teil selbst durch Selbststudien so finden, also da gibt es wenig seriöses das diese Auffassung teilt das ein echter Nutzen von Antidepressiva bei Psychosen da ist aber die Risiken und Nebenwirkungen dieser genannten Wirkstoffe was du auch im Link findest sind kaum vorhanden und stehen in keinen Verhältnis zum Nutzen der da wirklich hervorragend sein kann.

    Hier nochmal der Link zum Forumartikel wo schon viel darüber drinsteht:
    Medikamenteempfehlung Psychose

    Ansonsten eben erstmal auf Tabletten Aripiprazol umstellen und mit der Dosis runtergehen, das mit den ADs kann man eventuell begleitend machen. Vielleicht am Besten mal so den Artikel dazu den ich geschrieben habe ausdrucken so das du das deinen Arzt zeigen kannst und absprechen kannst inwiefern du so etwas mal ausprobieren kannst und er/sie das unterstützen würde. Letztendlich kann nur der Arzt oder besser gesagt Psychiater dir diese Medikamente so verordnen.
    Abruptes Absetzen davon kann ich nur dringend abraten.

    Da du eh bald Termin hast vielleicht kannst du da gleich dann ein Feedback dazu geben ob und inwiefern dich dein Arzt helfen kann (eventuell auch mit so einer Umstellung die quasi eine minimale Bedarfsdosis des Neuroleptikums ermöglichen kann).

    LG



  • Danke für die vielen Infos, das ist schon sehr hilfreich.


    Ich war gerade bei meiner Ärztin und habe von Depot auf 10 mg Tabletten umgestellt und bin sehr froh darüber :)

    Vielleicht kann ich etwas später nochmal reduzieren, bis ich zur minimalen Bedarfsdosis gehen kann.


    Den langen Text werde ich später nochmal durchlesen, um alles zu verstehen und zu verinnerlichen, das ist ganz nützlich was du schreibst. Und danke für die Warnung vor der Absatzpsychose, ich habe an anderen Stellen hier im Forum schon darüber gelesen und werde mich noch ein bisschen weiter informieren. Ich hatte sie auch schon, wird mir jetzt klar.


    LG