Was hätte sein können?

  • Ich weiß, dass es eigentlich sinnlos ist, darüber nachzudenken, aber mir geht es nicht aus dem Kopf..


    Als ich nach einen horror Aufenthalt mit körperlicher, sexueller Belästigung auf der geschlossenen auf die offene verlegt wurde und mich sogleich selbst entließ, war ich auf 2 Tabletten haldol. Schrecklich. Hätte mich mein Kumpel nicht aufgenommen und versorgt, wäre ich zuhause auf der Coach verhungert. Das wäre wirklich bald passiert. Als mein Kumpel es nicht mehr aushielt und sein mitbewohner/Vermieter auch nicht mehr wollte, dass ich dort wohnte, stand ich erstmal vor dem Nichts. Irgendwie kamen wir dann zu der Wohnung seiner Mutter, die irgendwie eine beruhigende Wirkung auf mich hatte. Ich lag dort ein paar Stunden auf einer Matratze, während mein Kumpel nebenan einen selbstgeschrieben Song über batman und "hit the road jack" spielte. Am Ende riefen wir seine Mutter an und fragten, ob ich dort eine Weile bleiben könnte (also richtig wohnen), sie sagte ja und rettete mir damit das Leben, den mein Plan war es gewesen, an diesem Tag mit meinem Kumpel nochmal richtig auf die kacke zu hauen (Schwimmbad, Kino, 50er zu Kiffen, Essen gehen) vondem Geld, dass ich während des klinikaufenthaltes ja nicht ausgeben konnte und, wenn er weg wäre und ich dann allein in meiner Wohnung, schön bekifft aus dem 6. Stock zuspringen. Er wusste das nicht, ich wusste einfach nicht mehr weiter, die Tabletten und die erlebnisse in der Klapse hatten mich richtig depri gemacht.

    So zog ich mit ein paar Klamotten und Handy in das freie zimmer ihrer dreiraumwohnung ein. Schlief erst auf einer Matratze auf dem Boden. Die Mutter meines kumpels ist Professorin für Linguistik an der Universität, mit einer schaurige Mutter, die selbst neuroleptika nahm, die sie quäulten, sie war aber nicht willens, zu lernen, ohne diese auszukommen, zu mühsam. Als sie nun nach Hause kam, textete ich sie leider leider erstmal mit meinen wahngedanken zu :rolleyes::(. Sie blieb aber ruhig, servierte erstmal Tee und belegte Brote, stellte mir ihren Lebensgefährten vor. Irgendwie wurde es dann ein angenehmer abe d und ich konnte mich endlich mal wieder entspannen, bis das haldol mich zu müde machte, dass ich schlafen ging. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt seit vier Tagen keine einzige Tablette mehr genommen, da sie aber aus Erfahrung mit ihrer Mutter berichtete und mich bat, es schnell wieder einzunehmen, bevor ich Zustände bekommen würde, tat ich es.

    Ich lebte etwa drei Monate bei ihr.

    Kurz nachdem wir uns kennengelernt hatten, fuhr sie mit ihren Lebensgefährten nach Sizilien und ließ mich, meinen Kumpel und ihren jüngeren Sohn mit etwas Geld in der Wohnung. Es ging uns gut. Nur ich litt unter der Medikation, wie ein Hund. Ich bekam tachikardien, war zu träge um 500 Meter zu Edeka zu bewältigen oder mir auch nur selbst was zu essen zu machen! Mein Kumpel kam jeden Tag nach seiner Arbeit und kümmerte sich aufopfernd. In dieser Zeit war er auch mein einziger sozialer Kontakt.

    Eines Tages war ich so träge, dass ich zu träge war, ins Nebenzimmer zu gehen, um mir die nächste trägheitspille einzuverleiben. Ich hatte eine schweisgebadete Nacht, aber am Morgen ging es mir gut! Konnte mich normal bewegen, war happy. Mein Kumpel fand es scheiße! Vonda an tat ich mir die chemische Keule nicht mehr an, erwachte aber auch aus meinem dämmerschlaf und sah, was ich alles nicht erledigt hatte, in den letzten Monaten! Die Symptome holten mich allerdings auch recht schnell wieder ein. Als ich nach einer kleinen Ewigkeit mal wieder in meine eigenen 4 Wände fuhr, wurden die Stationen in der u Bahn verkehrt herum angezeigt. Ich halluzinierte heftig, verlor die Orientierung und schaffte es aber doch noch irgendwie zu mir. Ich entmüllte erstmal das Zimmer vom gröbsten und sackte meine Unterlagen ein. Da war corona gerade auf dem Vormarsch und die Mutter gehört zur risikogruppe. Ich fuhr mit einer höllischen Panik, mich ja nicht zu infizieren, mit dem Fahrrad züruck, verfuhr mich, rief die Mutter an und war auf einmal wieder sachlich als ich mitihr sprach. Fand den Weg zurück dann doch, umfuhr aber die Innenstadt weitläufig.

    Eine meiner letztenvernüftigen Handlungen war es, eine Betreuung anzustoßen, damit der/die glückliche sich um den ganzen Mist kümmern würde. Zusammen mit meinem Kumpel fragten wir die Person bei der entsprechenden Stelle locker eine Stunde Löcher Inden Bauch, bis wir beruhigt waren und sie sagte, sie würde sichdarum kümmern, dass es jemand erfahrenes wird.

    Leider machte ichmir derartigen Stress, u. a. wegen Ummeldung, dass auch autogenes training nur noch ganz schwach half. Die Mutter machte sich auch Sorgen um mich, mein Kumpel wollte dass ich eine halbe haldol nehme, ich tats. Es half aber nicht mehr. Nachts um drei bekam ich Panik, als die Leute auf einmal auf den Balkons geklatscht hatten, war völlig verwirrt.ich wusste nix von der Aktion und halluzinierte mir meinen Teil. Irgendwas mit Engeln.. Ich dachte da, wir hätten Apokalypse, war generell auf dem bibeltrip. Ich rannte auf die Straße, wurde fast angefahren und winkte einem Krankenwagen zu, der zufällig vorbeifuhr. Sie nahmen mich mit, ich total verwirrt, ich landete wieder in der geschlossenen Klapse.


    Die beiden hatten mich bis dato zu diversen Ärzten geschleppt, keiner war auf die Idee gekommen, umzustellen, stattdessen gab's Betablocker gegen den Zustand, in dem ich dachte, ich segne gerade das zeitliche. Beim Psychiater hatten wir auch einen Termin, die sah, wie ich leidet, ich wusste damals leider noch nix vom umstellen, mein Kumpel schilderte die Lage und die gute Frau kam auch nicht auf eine andere Idee als haldol!


    Ich frage mich nach diesem kleinen Roman nun, was gewesen wäre, wenn irgendjemand mal auf die Idee gekommen wäre, umzustellen oder ich nach dem Auftrag zum Betreuer finden "freiwillig" in die offene eines anderen Krankenhauses zum umstellen gegangen wäre.

    So habe ich mit meinen retten leider nur noch briefkontakt.