Interpretation Wahninhalte

  • Hallo,


    hat sich irgendwer mal mit Interpretationen des Wahns auseinandergesetzt? Also damit, was es bedeutet, wenn man einen bestimmten Wahn hat? Ist es möglich darüber allgemeine Aussagen zu treffen?


    Wenn man z.B. unter Schuldwahn oder Beziehungswahn oder nihilistischem Wahn leidet. Was bedeutet das?


    Mich würde auch interessieren, ob sich euer Wahn wiederholt hat, d.h. ob ihr z.B. Schuldwahn hattet, gesund wart und dann erneut Schuldwahn hattet, obwohl ihr ja in Psychoedukation etc. gewesen seid?


    Ich frage mich nämlich immer, was das alles zu bedeuten hatte und kann mir zudem nicht vorstellen, nochmal auf diese abstrusen Gedanken "hereinfallen" zu können. Das scheint ja aber auch zu passieren.


    Über Antworten freue ich mich.

  • in einer Psychose kann man eh nicht aus. Du hast keine wirkliche Wahl was du tust. Von daher mach dir keine Sorgen. Es geht einem so schlecht dass man alles versucht da heil rauszukommen, z.B. indem man etwas gutes tut.

    Vermutlich löst man mit einer Psychose Sachen die sich vorher über lange Zeit angestaut hatten und lenkt es in die Richtung die kommen wird.


    Das würde erklären warum man sich in einer zum Teil so gigantisch selbstständig und so fühlt.


    Ich habe auch schon gehört dass manche (vielleicht wenige) gar nicht mehr sie selbst sind. Und auch an das Getane gar nicht mehr erinnern können.
    Das wäre dann ein Fall von Besessenheit den aber Gott zugelassen hat.

  • Ich denke, der spezielle Wahn, der bei dir funktioniert, hat etwas mit deiner Lebensgeschichte zu tun, sonst würdest du ihn nicht glauben können.

    Soweit ich bei mir und anderen beobachtet habe, ist ja ein Körnchen Wahrheit drinnen.

    Dieses wird dann aber in übertriebenem Maße aufgebauscht oder in eine Richtung umgeleitet, die diese starken Ängste auslösen.


    Liebe Emma, ich kann dir sagen, daß ich ohne Medikamente auch aus Wahn wieder raus kam.

    Ich habe damals jemanden im Maßnahmenvollzug besucht (= Gefängnispsychiatrie).

    Ein anderer Häftling, der schon auf Freigang war, hat mir Beipackzettel der Medikamente gegeben, die dort im Papierkorb lagen.

    In meinem Wahn dachte ich, daß man mir die abjagen will, weil sie Beweise sind für verbotene Medikamente, die dort verabreicht werden.

    Ich hab gespürt, daß ein Scharfschütze auf mich angesetzt ist usw.


    In dieser Situation habe ich mich in meiner Wohnung so hingesetzt, daß mich kein Scharfschütze durch ein Fenster treffen könnte, um mich zu beruhigen.

    Damals schon bin ich täglich im Glauben mit Gott verbunden geblieben und hab gewußt: "Das ist jetzt ein Wahngebilde. Es ist nicht die Wahrheit.

    Es ist so stark und bedrängend, daß mein Körper Angstsymptome zeigt. Aber es ist nicht wahr ..."

    Ich habe innerlich gebetet und meinen Fokus auf Gott gelenkt.

    Wenn ich erschossen werde, dann hat Gott das so zugelassen und es soll so sein. Gott kann mich aber auch beschützen. Ich leg das alles in Seine Hände.


    Sobald ich zwar die Angst und die Wahninhalte wahrnahm, mich aber soweit daraus befreien konnte, daß ich handlungsfähig war,

    hab ich sofort begonnen, die Wohnung aufzuräumen oder sonstwie mein Bewußtsein mit leichter Tätigkeit zu beschäftigen.

    Nach drei Tagen war alles abgeklungen.


    Dazu war es aber auch notwendig, daß ich davor schon eine enge Beziehung zu Gott hatte und gelernt habe, Ihm zu vertrauen.

    Das kann man nicht einfach so bei so starkem Druck und schon gar nicht, wenn man nicht in guten Zeiten schon eine Beziehung mit Gott gepflegt hat.


    Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Anregungen geben, wie es gelingen könnte, liebe Emma,

    Gott mit dir und Friede über dir,


    Seren

  • Interessanter Punkt... ich werde darüber nachdenken.


    Das klingt sehr schlimm, was du im Wahn erlebt hast. Ich finde es gut, dass dir Gott geholfen hat, aber ich habe dazu keine Verbindung. Ich finde es trotzdem krass, dass du im Wahn wusstest, dass es Wahn ist. Wahn ist ja eigentlich dadurch definiert, dass es die Betroffenen nicht als solchen erkennen. Ich habe z.B. immer gefragt, wie das alles möglich ist, hatte also auch eine Restskepsis, aber keinen wirklichen Durchblick. Ich hoffe das wäre jetzt anders. Kannst du dir erklären, warum es gerade dieser Wahn war?


    Mir hat das Medikament schon geholfen. Es hat meinen Kopf frei gemacht.

  • Ich hatte wohl große Angst vor Psychiatern damals, daß sie mich wieder einliefern könnten

    und weil ich eben gesehen hab, wie der Häftling, den ich regelmäßig besucht hab, mit einem grausamen Medikament behandelt wurde -

    dem Neuroleptikum Dapotum. Ich wußte nicht, ob Psychiater abichtlich Menschen damit quälen oder es nicht besser wissen.

    Es gab also schon einen Bezug zur Realität, doch meine Ängste steigerten sich ins Irrationale und Unermeßliche.


    Ich konnte erkennen, daß es ein Wahn war, weil ich in Beziehung mit Gott damals schon lebte.

    Als mich die Gedanken und Gefühle bedrängten und überschwemmten, hab ich an Gott festgehalten.

    Er hat mir diese Gedanken gegeben, daß es alles nicht wahr ist und mir geholfen, daß der Spuk nach drei Tagen vorbei war.

    Ich mußte den Glaubenskampf aufnehmen, Gott vertrauen - auch wenn es gerade übel ausschaut,

    aber alle Ehre gebührt Gott! Er hat dafür gesorgt, daß ich nach drei Tagen wieder draußen war aus dem Wahn.


    Davor habe ich ca. 9 Jahre in Psychosen verbracht, die sich immer mehr zugespitzt haben. Am Anfang sind sie noch abgeklungen.

    Zuletzt waren Stimmen, Wahnideen u.a. Wahrnehmungen jedoch permanent da - trotz Neuroleptikabehandlung,

    die ich über mich ergehen ließ, weil ich Angst hatte, daß mir sonst die finanzielle Hilfe entzogen wird.

    Schlafen war nicht mehr möglich. Ich konnte nur noch dahindämmern und wurde bald wieder von Stimmen u.a. aufgeweckt.


    Gott allein hatte die Macht, mich da rauszuholen. Er kann auch dir helfen, liebe Emma, wenn du dich auf die Suche nach Ihm machst.

    Er hört dich, wenn du Ihm sagst, was dich bedrückt. Und so entsteht allmählich eine Beziehung.

    Du lernst Ihn kennen und erfährst Seine Liebe. Er ist immer da für dich! Er läßt dich nicht im Stich.


    Gott mit dir, liebe Emma, vielleicht hast du ja einen kleinen Einblick gewonnen, wie es bei mir so war.

    Alles Liebe dir, du schaffst das!


    Seren

  • Liebe Emma, ihr lieben Alle,


    ich kann ziemlich genau deuten, welche Gedanken und Inhalte in meinem Leben zu meinem Wahn geführt haben.


    Als ich im Wahn war, war ich mir völlig sicher, dass ich gerade einen "Breakthrough" habe. Ich war total auf einem spirituellen Trip und wollte unbedingt erfahren, was Enlightenment bedeutet. Hinzu kamen aber noch viele andere Dinge, die ich in dem Moment eben alle in einen universellen Zusammenhang gebracht habe und wie es so ist im Wahn spiegelt sich das alles 1 zu 1 in der "Realität" in der man gerade ist.

    Ich habe keine Stimmen gehabt während dem Wahn, aber ich habe quasi mit einer mir entfremdeten (wie hypnotisierten) Hand geschrieben und teilweise sehr laute und sehr lange Selbstgespräche geführt mit meinen "inneren Anteilen". Ich wollte alle Gefühle verstehen, weil ich mich als eine Art Retterin der Menschheit dafür auserkoren hatte, dass ich alle Menschen verstehen muss und deshalb eben auch alle Gefühle kennen muss, damit Menschen bei mir Rat suchen können.

    Das mit dem inneren Team rührte auch daher, dass ich mich intensiv mit Aufstellungsarbeit befasst habe. An der Stelle ist es mir aber auch sehr wichtig zu betonen, dass ich der Technik selbst niemals "die Schuld" dafür geben würde, dass ich im Wahn gelandet bin. Auch wenn es gewissermaßen dazu beigetragen hat, konnte ich es gut nutzen, um mich wieder zu stärken und Klarheit über meinen Zustand zu gewinnen (Ich stelle gern selbst etwas für mich auf).

    Ähnlich auch mit der Spiritualität. Es gibt da eben sehr viele Konzepte und so auch einiges, was ich überinterpretiert habe. Dass ich einen "Glauben" habe, stärkt mich gerade auch ungemein (Achtsamkeitsübungen, Meditation… )

    Dazu kommen noch mehr Dinge, mit denen ich mich schon seit mehreren Jahren auseinander setze, wie jährliches Fasten (im Wahn glaubte ich, ich muss nichts oder nur ganz wenig essen) oder die intensive Auseinandersetzung mit Träumen. Ich hatte mir mal fest vorgenommen, klarträumen zu lernen. Im Wahn war ich wirklich wie auf Wolken unterwegs und war mir zwischenzeitlich auch ganz unsicher, ob ich wach bin oder ob ich träume.

    Ich habe mich sehr für andere Bewusstseinszustände als den des "normalen" Wachzustands interessiert. Ich habe mich mit Atemtechniken und Kältetraining befasst (falls euch Wim Hof etwas sagt?) und all das kam im Wahn zusammen, sodass ich im Januar schwimmen gegangen bin. Da haben dann aber auch meine Glocken geläutet, dass etwas mit mir nicht stimmen könnte. So weit ungefähr die Themen, die ich alle "in meinen Kessel geworfen" habe.

    Zu meinem Lebensumständen gehörte zu dem Moment, dass ich auf einer noch nie dagewesenen Erfolgswelle ritt. Und dann folgten zwei Begegnungen, die dann alles gesprengt haben. Zunächst traf ich auf einen älteren Mann, mit dem ich eine ganz starke seelische Verbindung hatte. Plötzlich wandte sich dann aber das Blatt und er war extrem aufdringlich und wirklich anzüglich und eklig. Er schrieb mir ewig viele SMS mit wirklich gestörtem Inhalt. Das hat mir richtig Angst eingejagt, sodass ich wegen ihm Verfolgungswahn hatte.

    Die andere Begegnung war verrückt-schön, zu schön fast. Ich hab mich von jetzt auf gleich so arg verliebt, dass mir alle Synapsen durchgegangen sind.


    Ja, so war das bei mir. Ich bin jetzt seit fast einem Monat runter von Medies, damit fühle ich mich ganz gut. Es hat jetzt schon ne Weile gedauert, bis ich das alles verarbeiten konnte. So ziemlich als Corona begann bin ich in eine depressive Phase gerutscht, die teils immer noch anhält. All das hat aber auch gerade viel mit mir und meiner Lebenssituation zu tun.


    Das hört sich vielleicht etwas komisch an, aber in gewisser Weise bin ich ganz dankbar, dass mir das alles passiert ist. Es gehört jetzt irgendwie zu mir. Ich hoffe natürlich, dass es nicht nochmal passiert, aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es mir auffallen würde, wenn ich wieder übermäßig anfange mir Gedanken zu machen, z.B. nicht mehr schlafen gehen und solche Sachen. Auch meinen Freunden und Bekannten gegenüber war ich offen mit der Geschichte, sodass ich auch dort nochmal Rückhalt habe, falls denen auffällt, dass was mit mir nicht stimmt.


    Soweit von mir und in diesem Sinne: Passt gut auf euch auf.


    Ich wünsche euch alles Gute,


    Jiskah