Was tun als Angehöriger bei akuter Psychose

  • Ich wollte bei euch um Rat fragen, da ich langsam nicht mehr weiter weiß und etwas überfordert bin. Meine Partnerin hat ca. Mitte August erste psychotische Symptome bekommen (hat mir nicht mehr getraut, dachte ich vergifte sie, war die ganze Zeit sehr ängstlich, hatte Angst, sie wacht nach dem Schlafen nicht mehr auf etc.)... dies ist dann soweit eskaliert, dass wir entschieden haben, mal zur psychiatrischen Klinik zu gehen. Die haben sie behalten, sie kam auf die Akutstation, hat Risperidon bekommen, was sie in der Dosis 4mg (2 morgens, 2 abends) absolut nicht vertragen hat - sie war sehr sediert, hatte an nichts mehr Spaß, war aber immer noch extrem unruhig und angespannt, hätte den ganzen Tag schlafen können, fühlte sich "verdummt", hatte dann auch Panik deswegen natürlich und sich entschieden, es abzusetzen. Paar Tage ging's gut, dann ging es von vorne los - noch einmal Akutstation, da wurde sie dann von einem Mitpatienten beim Schlafen geküsst/ans Bett gedrückt, sie haben sie dann auf die offene Station verlegt. Immer noch Risperidon, niedrigere Dosis, gleiche Nebenwirkungen. Auf der offenen Station haben ihr die Menschen Angst gemacht und es gab keine Therapieangebote oder nur sehr wenige wegen Mitarbeitermangel, dann hat sie sich erneut gegen ärtzlichen Rat entlassen. Sie hat immer gesagt, sie möchte kein Risperidon nehmen, aber ernst genommen hat sie da keiner, auch nicht der ambulante Psychiater. Sie hat's dann wieder abgesetzt, aber ausgeschlichen über ca. 1-2 Wochen, auf 0,5mg runter und dann nichts mehr. Das war vor ca. einer Woche und jetzt... habe ich Angst, dass es von vorne beginnt. Gleiche Symptome, teilweise schlimmer, sie wird handgreiflich, möchte aus der Wohnung abhauen. Tabletten haben wir keine, nur Atosil Tropfen, aber ich habe das Gefühl, die bringen nichts. Nun die Frage... was soll ich tun? Wieder in die Klinik, wo sie so viel Angst hat und nur Risperidon verschrieben bekommt oder morgen versuchen, ambulant einen Psychiater zu bekommen, der ihr vielleicht was anderes verschreibt (irgendwelche Vorschläge, die gut verträglich sind)? Ich bin echt ratlos. Eine andere Klinik nimmt sie nicht weil's nicht das Einzugsgebiet ist, habe ich schon versucht. Tagesklinik gibt's Wartezeiten, Therapeuten sind hier momentan auch überlastet. Ich muss theoretisch arbeiten, hab gerade meine duale Ausbildung angefangen, aber ich kann sie so ja nicht alleine lassen... :( ich weiß auch nicht, wie ich mit ihr umgehen soll, wenn sie so im Wahn ist. Ich versuche ihre Gefühle ernst zu nehmen, ruhig zu bleiben und ihr die Wahnvorstellungen nicht auszureden, habe ich so gelesen. Habt ihr irgendwelche Tipps, wie ich sie vielleicht emotional unterstützen könnte? Danke!


    LG

    Murphy

  • Hallo Murphy, ich habe deinen Beitrag gelesen und habe mich da ein bisschen wieder erkannt, habe dasselbe Problem mit meinem Freund.

    Ich kann dir raten, wenn sie wirklich gewillt ist Tabletten zu nehmen, würde Ich auf jeden Fall eindringlich mit dem Arzt reden um andere Medikamente zu bekommen um die Zeit bis zur Tagesklinik zu überstehen.

    Hier gibt es auch einen Beitrag der eine Medikamenten Empfehlung beinhaltet trotzdem würde ich immer drauf achten ob das auch gut verträglich für deine Freundin ist.

    Und im Wahn ist es wirklich schwer mit der Person umzugehen, wenn sie aber unruhig ist und raus will, solange keine rigengefährdung besteht, würde ich mit ihr einen Spaziergang machen auch wenn sie in der Öffentlichkeit mal wütend wird, einfach weiter gehen, habe die Erfahrung gemacht, dass das zumindest meinem Freund ne Zeit lang gut getan hat.

    Ich wünsche dir viel Kraft und drücke die Daumen das es ihr schnell besser geht.

    LG

  • hi, ich bin psychose erfahren und habe schon viel durch. aus meiner erfahrung will ich dir deshalb ein paar ratschläge geben.


    ich will das etwas unmenschlich mit einem fehlerhaften programm vergleichen. im gehirn stimmt was mit dem dopamin nicht.

    deshalb kommt es zu wahrnehmungs und denkstörungen.


    das beste was du machen kannst, für sie da zu sein, in einem vernünftigen rahmen.

    psychose patienten fühlen sich oft alleine, also die frage ruhig öfters mal stellen, sag mir wenn du dich alleine fühlst, ich will für dich da sein, weil ich dich liebe. (als beispiel)


    es ist wie einen pc neu zu installieren, man kann den kopf verlieren und es macht einen fertig, weil irgendwelche fehler vorher drauf waren und man so viel zeit investieren muss. oder man ist ein guter system administrator und bleibt cool und tut was immer nötig ist, damit man eine ordentliche umgebung schafft.


    die erkenntnis um die eigene psychose und denkstörungen kann , wie in meinem fall die genesung beschleunigen.

    aber ohne medikamente geht es nicht, sie muss das risperidon nehmen.

    man könnte zum beispiel ein flipboard aufbauen, so eine tafel mit großen papieren, und drauf aufschreiben, wann sie in der klinik war und wie lange

    was passiert ist (meistens negative highlights)

    damit sie bei einem klaren gedanken, versteht, ok mit mir stimmt was nicht,


    liebe und zuspruch sind unabdingbar und können sehr viel helfen.


    aber die medikamente muss sie nehmen, ohne geht es wahrscheinlich nicht und es könnte wenn sie die medikamente nicht nimmt so bleiben, also sprich chronisch werden.


    sie braucht eine begleitung wie ein kind, nur mit positiven sachen und viel familie

    viel reden ist auch gut.

    ein psychose patient kann meistens nicht einsehen oder den fehler im denken entdecken, deshalb muss man ein gesamt erlebnis schaffen das von sicherheit und beständigkeit geprägt ist. in der sie halt findet.


    das sind random gedanken. ich wünsche euch ganz tolle zeiten in der zukunft, wenn sie das überwunden hat und vielleicht in 5 Jahren das risperidon absetzen kann.


    grüße

  • Hallo ihr Zwei, danke für die Antworten und sorry, dass ich so lange gebraucht habe. Die Situation ist kurz nach meinem Beitrag auch eskaliert, sie ist aus dem Fenster gesprungen, weil sie entweder Angst vor mir hatte oder um generell zu flüchten (ich habe leider den Fehler gemacht, dass ich unsere Wohnungstür abgeschlossen habe, weil ich Angst hatte, sie rennt mir nachts weg - ich glaube das hat den Wahn absolut verschlimmert, das werde ich mir für die Zukunft merken, aber ich war echt heillos überfordert). Seither ist sie wieder stationär, nimmt auch wieder das Risperidon und schlägt darauf gut an, die Wahnvorstellungen und die Stimme (die kam neu dazu anscheinend) sind deutlich weniger, ihre Gefühle sind auch nicht mehr so abgeflacht oder nur bei Angst wirklich sichtbar - es geht also bergauf, würde ich sagen! Durch COVID19 darf ich sie jetzt leider nicht mehr besuchen, was sehr schwer für uns beide ist, sie hat immer mal wieder Momente, in denen sie sich entlassen möchte, was sie aber nicht kann bis zum 29.10., da sie eine richterliche Anordnung hat. Um ehrlich zu sein habe ich etwas Angst, dass sie ich genau dann entlassen lässt, ohne vorher auf der offenen Therapiestation gewesen zu sein, wo sie hoffentlich noch lernt, etwas besser mit den Symptomen umzugehen und mir vielleicht auch Tipps geben kann. Ich versuche viel Kontakt mit ihr zu halten und ihr immer wieder zu sagen, dass ich für sie da bin, sie liebe und ihr Sicherheit zu vermitteln. Leider bin ich psychisch auch krank, jetzt nichts mit Psychose oder Ähnliches, aber Depression z.B. und wenn sie merkt, dass mich etwas belastet, ist das natürlich auch schwer für sie. Aber wir geben unser Bestes!

  • freiheitsentzug is strafbar, da würde ich sehr aufpassen, sowas kannst du nur mit einem arzt also sprich psychiater und der polizei regeln.

    und das macht ihr ja auch angst. ich kann verstehen das sowas in jungen jahren passiert, aber es disqualifiziert dich ein wenig, die sichere umgebung zu schaffen, die sie braucht.


    rede mit einem psychiater , wie du dich am besten informieren kannst über menschen mit psychose, also gute lektüre , sprich broschüren oder bücher, falls du gerne liest, und informier dich sehr über das stimmen hören. dass sind ganz schwierige menschen und zustände.


    risperidon is leider ein sehr negatives medikament und hilft aber gut gegen ängste und hilft gegen psychosen, deshalb geht es nicht anders als das sie das nimmt.


    wenn man risperidon nimmt, braucht man ein gutes soziales netz um sich, das einen sozial einbindet und antreibt und anregt

    weil man immer sehr müde ist und zu nichts lust hat.


    da meine ängste und psychosen weg sind nach 3 jahren, habe ich angefangen koffein getränke ,koffeintabletten und medis die gegen die müdigkeit wirken einzunehmen, damit rette ich mich irgendwie über den tag. also es geht auch mit risperidon ein halbwegs aktives leben zu führen.


    tipps und anregungen von ihr, wie du mit ihr umgehen sollst sind immer top, aber du musst dich auch selbstständig über alles informieren.

    es gibt auch gruppen für angehörige, in denen man sich austauscht und sich gegenseitig tipps und erfahrungen anhören kann, empfehle ich dir


    naja wenn du depressionen hast, keine ahnung ob du für sie da sein kannst, es wird zeit sie loszuwerden und die chance des lebens und des leben zu nutzen!


    alles gute

  • Klar, habe ich ja auch schon gesagt, dass das ein Fehler von mir war und ich mir nicht anders zu helfen wusste. Die Angst, dass sie nachts abhaut und ihr etwas passiert, war da einfach sehr stark - und ihre Angst, dass jemand nachts reinkommt, ebenso. Sie hat mich gebeten, abzuschließen, dann wieder nicht, dann wieder (...) Ich habe keine Erfahrung mit Menschen mit Psychosen, sie hatte das auch noch nicht vor August, daher kannst du dir vielleicht vorstellen, dass man bei sowas eben auch mal etwas macht, was nicht gut/sinnvoll ist und man daraus lernt. Ob mich dieser Fehler und meine eigene psychische Krankheit nun "disqualifiziert" für sie dazusein, weiß ich nicht, ich versuche mein Bestes - der "Beste" werde ich nicht sein, ich bin weder ein Psychiater noch ein Therapeut. Freunde hat sie vor Ort hier keine, ich bin sozusagen ihre einzige Bezugsperson, ihre Eltern leben sehr weit weg und das Verhältnis ist eher suboptimal und sonst hat sie nur Freunde aus dem Internet, die aber auch nicht so eng sind. Deswegen ist es mir ja so wichtig, sie zu unterstützen wo ich kann, weil es sonst eigentlich keinen gibt und wir unsere Zukunft miteinander verbringen wollen. Sonst gebe ich dir recht, jemand ohne psychische Erkrankung wäre mit Sicherheit besser geeignet, aber was soll ich tun, ich hab's nunmal, mehr als Therapie machen und meine Tabletten nehmen kann ich auch nicht. Gruppen für Angehörige vor Ort wollte ich schon besuchen, laufen aber COVID-bedingt momentan nicht, Bücher sind auf dem Weg (wenn du da auch noch spezielle Empfehlungen hast, immer her damit), ich schaue Videos, informiere mich sonst im Internet etc. Ich wollte hier nur nachfragen, da hier ja viele Betroffene sind und es auch gut ist, sich mit Betroffenen auszutauschen, natürlich informiere ich mich auch nebenbei noch.


    Dir auch alles Gute

  • wenn du fragen hast, nur her damit, ich beantworte sie nach besten wissen und gewissen.


    naja was du tun sollst? dich kümmern und deine depression angehen. der erste schritt war bei mir zu wollen das sie aufhört und sich nicht einfach ergeben