Keine Neuroleptika mehr!?

  • Ich bin sehr pragmatisch geworden und glaube gerade seit sehr Psychose nicht mehr an die Wiedergeburt der Seele. Alles ist ein chemischer Prozess im Gehirn, genau wie die Psychose. Daher glaube ich auch z.B. nicht an Nahtod-Erfahrungen von manchen Komapatienten. Wenn das Gehirn nicht mehr arbeitet, dann ist auch nichts mehr da.. Leo1: Hattest du eine regilioese Psychose? Dachtest du die nehmen dich in den Himmel auf und wollen dich dafuer testen?..Mir haben die Stimmen gesagt, mein Arbeitgeber will mich testen, weil ich eine Ausbildungsstelle in dem Unternehmen haben wollte, die ich nicht bekommen habe. Dafuer sollte ich in die Personalabteilung des Unternehmens gehen, alle Personaler versammeln und das Mobbing im Unternehmen gegen mich anprangern, weil der Arbeitgeber angeblich nur meine Reaktion testen wollte..Schon verrueckt das Ganze

  • Hallo Leo1,


    Dass die Symptome wiederkamen, nachdem du deine Medikamente reduziert hast, bedeutet nicht zwangsläufig, dass deine Erkrankung chronisch ist. Dein Gehirn hat sich dem Medikament angepasst und bei den Symptomen, die beim Reduzieren oder Absetzen des Medikamtes entstehen, handelt es sich oftmals um einen Entzug, auch Absetzpsychose genannt. Deshalb ist es so schwierig davon loszukommen.

    Wenn die psychotischen Symptome wenige Tage bis ungefähr sechs Wochen nach einer Dosisreduktion wiederkommen, handelt es sich wahrscheinlich um einen Entzug und nicht um die ursprüngliche Erkrankung.


    Wenn ein Mensch, der zuvor noch nie eine Psychose hatte, Antipsychotika einnimmt und es dann nach einiger Zeit wieder absetzt, kann beim Absetzen auch eine Psychose bekommen. Das hat dann aber etwas damit zu tun, dass durch die Einnahme des Medikamentes das Gehirn verändert worden ist. Deshalb sollte man immer extrem langsam reduzieren.


    Meine Quelle: Buch " Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika" von Peter Lehmann.


    Außerdem habe ich selbst die Erfahrung gemacht. Ich habe noch nie Stimmen gehört. Als ich mal für drei Wochen lang Seroquel eingenommen habe, ich nahm die Tabletten immer abends, da habe ich ca. 2 Stunden vor der Einnahme aufgrund des abgesunkenen Medikamentenspiegels (denn die letzte Einnahme war ja schon 22 Std her und mein Hirn schon auf Entzug) zwei Mal etwas gehört, als ich im Bett lag. Dieses Phänomen haben auch manche, die eine Depotsspritze bekommen, am Ende ihrer offiziellen Wirkungsdauer.

    Als ich dann das Seroquel komplett abgesetzt habe, habe ich eine ganz ganz schlimme, noch nie zuvor so starke Derealisation erlebt. Ich wusste nun, was damit gemeint war, wenn einem alles so unecht vorkommt, als seien alle Menschen Schauspieler. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens. Der Entzug hat ca eine Woche gedauert und ich muss dazu sagen, dass ich das Seroquel nur 3 Wochen in einer Dosierung von 75mg eingenommen habe. Ja was denkst du denn, was in einem Gehirn beim Absetzen abgeht, wenn die Medikation in höherer Dosis über einen längeren Zeitraum eingenommen wird?


    Ich denke so pauschal kann man das nicht sagen, ob ein Leben ohne Antipsychotika möglich ist, aber ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen diese Medikamente einnehmen, obwohl sie diese nicht (mehr) benötigen!


    Ich kenne eine junge Frau, die nach Ausbruch ihrer Psychose für ca. 6 Monate Aripripazol eingenommen hat. Nach Abklingen der Depression kam dann auch ein Antidepressiva dazu, Elontril. Dann wurde das Ari, wie gesagt schon nach 6 Monaten auf Empfehlung des Arztes abgesetzt und ihr ging es wieder sehr gut.


    Genau so sollte man meiner Meinung nach immer vorgehen! Antipsychotika nur bei einer akuten Psychose einnehmen und dann schnell ein Antidepressiva dazu und das Antipsychotikum wieder absetzen bzw auf ein Minimum reduzieren bzw nur bei Bedarf einnehmen, eig auch so, wie Maggi hier empfiehlt.


    Ich bin überzeugt davon, dass man durch Antidepressiva so stabil werden kann, dass die Wahrscheinlichkeit, wieder in eine Psychose zu verfallen, sehr gering ist. Zumal, ganz ehrlich, ich habe noch nie von jemandem gehört, dass er sich mit nur Antipsychotika gut fühlt. Die Negativssymtome werden ja teils noch verstärkt durch die Antipsychotika.

    Mit Sicherheit gibt es auch Verläufe, bei denen ein Antipsychotikum unverzichtbar ist, aber bitte, gebt euch doch nicht damit zufrieden, "nur" keine Wahnvorstellungen pp. mehr zu haben, was ist denn mit Lebensfreude, Antrieb etc.??


    Jetzt komme ich gleich vom Thema ab.

    Was ich sagen wollte ist, dass ich denke, dass ein Leben ohne Antipsychotika möglich ist! Dass ein Absetzen aber nicht so einfach ist. Dafür empfehle ich o.g. Buch. Das Absetzen von Neuroleptika kann durch Antidepressiva oder andere Medikamente erleichtert werden. Allgemein können Antidepressiva helfen, sich besser zu fühlen und ich würde jedem raten, zusätzlich ein Antidepressivum einzunehmen, damit die Lebensfreude und Energie wieder zurückkommt.