Seit der Psychose nur noch ein Wrack

  • Admin: Welche Negativsymptome hattest du nach deiner zweiten Psychose und welche hast du heute? Wie hast du denn Antrag auf EM-Rente begruendet? Wird man da auch begutachtet? ..Also hast du jetzt immer wieder akute Phasen oder was fehlt dir genau? Nutztier: Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich habe einen Freund, aber wir leben getrennt, ich weiss nicht wie es mit dem betreuten Wohnen funktionieren soll und mit der Reha. Und du hast Recht, ich merke wie ich immer weiter abbaue, liege fast die ganze Zeit im Bett und kann nichts mehr tuhen. Alles faellt mir schwer, jede Taetigkeit.

  • Fakt ist, erste Anlaufstelle sollte der Amtsarzt des Arbeitsamtes sein, genauer der Psychiater, der ein Gutachten über die Erkrankung macht und einen auch über längere Zeit krank schreibt.

    Nutztier
    Das sehe ich nicht so.
    Man kann eine normale Reha auch über den Psychiater seiner Wahl beantragen und warum sollte ich mir als Betroffener einen Amtsarzt der Argentur für Arbeit suchen der dann wohl die Entscheidung über meine Zukunft und was für mich richtig ist fällt?

    Ich hab mich damals als ich im Arbeitsamt war gar nicht getraut zum Amtsarzt zu gehen weil ich befürchtet habe das das dann für alle zukünftigen Arbeitgeber einsichtig ist unter welcher Erkrankung und Problemen ich leide und das dann für mich Konsequenzen hat.

    Naja ich hab damals sogar auf 1 Jahr Arbeitslosengeld verzichtet weil mir die Frau vom Arbeitsamt zu sehr aufs Dach gestiegen ist unter den Vorwand eines einfühlsamen Menschens. Komisch das man einen Amtsarzt braucht wenn man als psychisch Kranker mit Psychose keine 2 Schicht machen will, das ist doch absurd so etwas. Also die von die von der Arbeitsargentur meinte damals das sie mich für 3 Schicht herausnehmen kann aber 2 Schicht hat sie mir dafür angeboten. Ist doch krank so etwas und da brauche ich keinen Amtsarzt mehr wenn mich die Angestellten dieses Amts quasi nur das Nötigste zugestehen.

    Naja 1 Jahr aufwärts ohne Einkommen hab damals meine Krankenversicherung und so selbst bezahlt, keine Ahnung wie das war.
    Bin auch kein Mensch der mit dieser Form von Stress klar kommt und damals ging es mir schon recht schlecht.

    Also ich rede von keiner beruflichen Reha die ein Halbes Jahr aufwärts Dauert und Zehntausende Euros kostet, sonder von einer normalen Reha für psychisch Kranke etwa wo man in 6 Wochen ein leichtes Programm hat und über seine Probleme reden kann und auch eben die Arbeitsunfähigkeit so Attestiert wird wie es eben der Fall ist.

    Das Andere nach den Motto "Arbeit macht frei" und "die sitzen ja sonnst alle nur daheim faul rum" kannst du dir da finde ich sparen, gibt genug Menschen die belastbar genug sind um zu Arbeiten und Betroffene sollten in erster Linie eine gute Behandlung bekommen also wenn das mit den Medikamenten endlich mal richtig gemacht wird, dann wird das auf längere Sicht auch das diese wieder im normalen Arbeitsleben Fuß fassen. Also es handelt sich um keine Sozialschmarotzer sondern kranke Menschen mit ernsthaften Problemen die erstmal bewältigt werden müssen und wo in der Praxis eben selbst die Medikametöse Therapie stark zu wünschen übrig lässt und man unter Neuroleptika + Psychose nur begrenzt leistungsfähig ist.
    Und wenn es ein Problem ist das man einen 450€ Job macht und das Aufstocken möchte dann sollte man an der gesetzlichen Situation etwas ändern damit man wenn man sich mehr zutraut und mehr schafft auch die Möglichkeit zur Vollen-Erwerbsminderungsrente zurückzukommen, also da eben Rücksicht nimmt. Keine Ahnung ob das wirklich ein Problem ist, aber wenn ja dann kann man das ja vielleicht ändern.

    Betroffene brauchen in aller erster Linie die richtige medikamentöse Behandlung und davon sind wir noch Lichtjahre entfernt! Solange es keine Behandlung gibt die einen auf längere Sicht diesen Druck der Negativsymptome nimmt oder lindert sehe ich gar keinen Grund warum man unter diesen Umständen arbeiten soll oder geht es wirklich nur um die Erniedrigung das solche Leute auf dem 2. Arbeitsmarkt landen die von sich glauben zu höheren bestimmt zu sein(Größenwahn etc.).

    Also in meinen Augen funktioniert das derzeitige System nicht das in den Psychiatrien bestimmt was Sache ist. Betroffene werden zum Teil mehr geschadet als geholfen und sollen unter immensen Problemen dann sich anscheinend unter Mindestlohn abschuften. Ich frage mich schon bisschen was das soll und ob das sein kann. Diese Maßnahmen und alles kosten ja auch Geld und ich denke es ist besser wenn man Betroffenen erstmal genug Zeit einräumt auch überhaupt gute Therapien zu finden und sich medikamentös perfekt einstellen zu lassen und dann im Nachgang entscheidet was möglich und das Beste in der Situation ist.
    Also unter manchen Medikamenten kann man kaum normal funktionieren und ist quasi 0 belastbar und diese Wirkstoffe wie Risperdal, Xeplion und so werden schon sehr häufig gegeben. Über spezielle Antidepressiva gegen die Negativsymptome der Erkrankung wird bisher kaum nachgedacht weil man ja mit den Neuroleptika die reine Ruhigstellung vorzieht.
    Beides, die medizinische Situation ist eine Zumutung und auch so ist das ganze andere System was auf diese schlechte Situtation aufbaut dann hinfällig.
    Besser man sucht sich gute Medikamente, nimmt sich die Zeit die eigenen Probleme zu verarbeiten und dann schaut man wie es weitergeht, also das Potential wäre meins Erachtens da und Betroffene können später auch leichter entscheiden welchen Weg man einschlägt. Zwischenzeitlich kann man ja trotzdem arbeiten also Mini-Job etwa.

    Was das Arbeitsamt angeht würde ich einfach da einen Bogen drum herum machen. Ich denke da ist man dann gezwungen irgendwelche berufliche Rehamaßnahmen anzunehmen, also irgend welche Druckmittel haben die da schon, dann darf man sich dort um Harz 4 Streiten obwohl einen eine EU-Rente zusteht. Warum sollte man das tun? Damit man später den Renteanspruch verliert?

    Also ich sehe das einfach etwas kritisch alles und bin mit der derzeitigen Situation eher unzufrieden. Ich selbst hatte wohl sehr viel Glück und alles, also ich denke viele haben es mit der Erkrankung deutlich schwerer. Vielleicht unterscheiden sich unsere Wege da etwas, was nicht heißt das dein Weg falsch ist, ich hab nur bisschen Bedenken.

    Da diese Krankheit länger dauert und der Verlauf unklar ist kann man denke ich da am Anfang noch keine klaren Entscheidungen treffen was nun das Richtige ist.

  • Die Rede ist ja nicht von Faulheit.

    Mir geht es darum: wenn du dann die Rente auf Lebenszeit hast, wie füllst du dir die restlichen Jahrzehnte, ohne irgendwann nur noch auf der Couch zu liegen?

    Ab gewissem Krankheitsgrad kommt das früher oder später, und die Folgen für den Körper, wenn man das jahrelang macht, sind katastrophal.


    Aber mit dem was du schreibst hast du vollkommen Recht: sich dem Arbeitsamt auf Gedeih und Verderb auszuliefern kann auch zum Problem werden, zumal die Gelder immer knapper werden.


    Vielleicht hast du Recht. Allerdings hat blueberry ja angeblich nicht die Anwartszeiten für die EU bzw. EM Rente erfüllt. Falls nicht, kann sie ja Grundsicherung für Erwerbsunfähige beantragen. Bei den Anträgen muss sie allerdings wahrscheinlich sowieso zu einem Gutachter.


    Danach einfach abwarten bis sie einen 450,- EU Job packt (bei Grundsicherung darf sie glaube 120,- EU davon behalten), und dann kann sie ja gucken.

    Ob sie die Anträge alle selber ausfüllen kann, bei fehlenden Unterlagen den Nerv hat alles nachzureichen, und ob sie in einer Wohnung wohnt die von der Grundsicherung finanziert werden kann, wären dabei wichtige Details.


    Am wichtigsten eventuell wäre dann, zu prüfen, ob EU/EM Rente geht oder Grundsicherung. Dazu wendet man sich am Besten an die Rentenversicherung.

    Der VDK kann in solchen Angelegenheiten ebenfalls helfen.


    Von Faulheit war meinerseits nie die Rede, wenn man unheilbar krank ist kann man gerne zuhause bleiben. Wenn man es schafft sich den Alltag zu strukturieren kann es ja ganz nett sein.

  • Mir geht es darum: wenn du dann die Rente auf Lebenszeit hast, wie füllst du dir die restlichen Jahrzehnte, ohne irgendwann nur noch auf der Couch zu liegen?

    Ab gewissem Krankheitsgrad kommt das früher oder später, und die Folgen für den Körper, wenn man das jahrelang macht, sind katastrophal.

    Bei mir ist es bisher noch befristet. Wenn man mich das nächste mal untersucht, keine Ahnung wer das macht kann man das ja auch auf 3 Jahre oder so befristen und danach nochmal schauen. Also ich denke auf Lebenszeit kann man das ja bei jenen machen wo man eben sicher weis das sich da nix mehr bessert.

    Du schreibst von Krankheitsgrad, es ist aber leider eher so das es an den Medikamenten liegt wie schwer die Folgen für den Körper sind, also das kann man etwa durch meine Medikamentempehlung hier im Forum alles vermeiden oder minimieren:
    Medikamenteempfehlung Psychose

    Ich bin sogar körperlich wieder so Leistungsfähig das ich zuhause mit in den Wald gehe und dort eben wieder mithelfen kann was mir vorher sehr schwergefallen war, anfangs unter Risperdal oder dann Xeplion hab ich nach 10-20 Minuten Waldarbeit schon aufgeben müssen weil ich körperlich und so fix und fertig war. Heute kann ich dagegen recht normal arbeiten (unter diesen Medikamenten, zur Zeit ohne Neuroleptika) also kann den haben Tag also für Stunden arbeiten fast wie jemand gesundes würde ich sagen. Aber eben nur weil ich mir selbst andere Medikamente gesucht habe und über Jahre herumexperimentiert habe mit unterschiedlichen Antidepressiva etwa.

    Also die Neuroleptika und die Folgen dieser Medikamente sind auf Dauer katastrophal, das sollte man besser so sagen. Würde man also bessere Therapien anbieten wo man auf längere Sicht von den Neuroleptika wieder weg oder dosismäßig weit runterkommt, dann wäre Arbeiten auch einfacher wieder möglich und mit vielen Problemen kaum zu rechnen.

    Bupropion (SNDRI Antidepressivum was ganz wichtig ist) wird auch zur Nikotinentwöhnung eingesetzt und bei Abnehmprodukten zum Teil, das wäre für viele Betroffene ein Idealer Wirkstoff den man mit einsetzen sollte um die Negativsymptome zu verbessern. 80% der Betroffenen sind Raucher aber auch jene die keine Nikotinsucht haben sollten diese Möglichkeit bekommen.

    Das Thema ist also schon schwierig wenn man so will.

    Unter den üblichen Neuroleptika baut sich das Gehirn mit der Zeit ab, das führt natürlich zu Problemen, mag sein das man das mit Arbeitstherapie und so alles ein Stückweit kompensieren kann aber es wäre ja besser wenn es zu keinen Substanzabbau kommt. Die derzeitigen Therapien lassen finde ich nur schwer positive Verläufe zu, also bringt es jetzt etwas diese Therapien beizubehalten und dann die Folgen mit Arbeitstherapie und so irgendwie einzudämmen versuchen, oder sollte man sich nicht das Problem von Anfang an vornehmen indem man die medikamentösen Therapien verbessert und anpasst und dann nur noch wenige schwerwiegende Fälle hat die berufliche rehamaßnahmen oder 2. Arbeitsmarkt etc. beanspruchen können.

    Es heißt ja nicht das wenn man zuhause ist dann nur herumliegt. Also wenn man da die Möglichkeit hat da wo mitzuarbeiten und seine Belastbarkeit zu steigern dann wäre das ja einer Maßnahme vorzuziehen. Das ist eben sehr langwierig und ich denke manche Betroffene haben Zuhause bessere Möglichkeiten als im beruflichen wo man dann Leistung immer/regelmäßig bringen muss. Seine Wohnung sauber zu halten und den Alltag zu erledigen kann schon schwer genug sein wenn man gleichzeitig mit wahnhaften Problemen zu tun hat, die allein so viel Zeit wie ein normaler Beruf kosten können und mehr. Also ich bekomme von der Erkrankung quasi meine Tagesstruktur weil diese Dinge auch irgendwie verarbeitet werden müssen und für diese Leistung die Psychotiker erbringen eben kein Geld verrechnet werden kann. Mein Forum hier muss ich selbst bezahlen etwa, also das ich hier Hilfe anbieten kann das kostet mir Geld statt das ich daran etwas bekomme.
    Von daher finde ich das die EM-Rente ein guter Ausgleich ist dafür das Betroffene wohl auch etwas Sinnvolles aus ihren Leben machen wollen und wohl kaum völlig Grundlos mit der Welt oder ihren Leben überfordert sind.

    Es gibt den sozialpsychiatrischen Dienst die können einen bezüglich Antragstellung und Information helfen was EM-Rente und so angeht. Wenn man allein ist vielleicht findet man einen Betreuer der das macht oder die Angehörigen helfen einen dabei. Letztendlich muss auch der Psychiater das begutachten, also am besten dort die Situation bereden was das Beste für einen ist oder sein könnte.

  • Ihr sprecht von Herzkrankheiten, ich schätze Medikamente begünstigen das auch sehr stark.

    Vereinsamen ist wohl auch viel den Medikamenten geschuldet.

    Fakt ist bei betreuten wohnen kann man doch zwangsmedikiert werden? Wenn man der Meinung ist du könntest ja mit Medis viel besser arbeiten...

    Psychose rüttelt an Grundfesten, da braucht man auch erst mal bisschen Zeit für sich, zumal es ja noch nicht geklärt ist ob man wieder eine Psychose bekommt

  • Ihr sprecht von Herzkrankheiten, ich schätze Medikamente begünstigen das auch sehr stark.

    Keine Ahnung, viele Betroffene rauchen viel und bekommen eben keine Nikotinentwöhnungsmittel wie Bupropion , ich denke das macht schon viel aus weil das Rauchen hab ich früher auch kaum unter Kontrolle gehabt und 80% der Schizophrenen sind Raucher.
    Übergewicht machen die Neuroleptika auch sehr oft, hab auch zugenommen und bin immer noch etwas übergewichtig, aber jetzt wo es ohne NL klappt ist es einfacher Gewicht zu halten und körperlich aktiv zu bleiben. Ist eben nur wenig ratsam einfach so die NLs abzusetzen weil man in der Regel rückfällig wird, also von daher besser mit Antidepressiva und mit Plan vorgehen.

    Fakt ist bei betreuten wohnen kann man doch zwangsmedikiert werden?

    Ich weis es nicht, aber ich kann mir vorstellen das man da eben eine gewisse Mündigkeit verliert und eben gewisse Medikamente bekommt auch wenn man gerne Andere hätte etc. . Solche Grundfreiheiten in die eigene Therapie einzugreifen finde ich schon sehr wichtig, weil das eben über den Verlauf der Erkrankung entscheiden kann.


    Wenn man der Meinung ist du könntest ja mit Medis viel besser arbeiten...

    Ohne Medikamente kann man auch nix machen wenn man am Rad dreht und im Wahn auf alles mögliche für Andere Dinge konzentriert ist, da können selbst Nls vorteilhaft sein auch wenn man dann relativ wenig Motivation hat. Spezielle Antidepressiva sehe ich als Notwendigkeit wenn man wirklich diese Negativsymptome überwinden möchte und auch da dauert das seine Zeit und die ganze Medikamenteeinstellung muss passen.


    Psychose rüttelt an Grundfesten, da braucht man auch erst mal bisschen Zeit für sich, zumal es ja noch nicht geklärt ist ob man wieder eine Psychose bekommt

    Ja. Zumindest war bei mir der Druck in der Anfangszeit der Erkrankung schon sehr krass und da kann das mit den Negativsymptomen und durch die Neuroleptikaeinnahme zu beginn alles eben total wegbrechen.

  • So sind die mir auch damals gekommen.

    Immer mit Wiedereingliederung und so Zeug.


    Heute würde ich es so machen: krank schreiben, wenn mich der Psychiater nicht krank schreibt, Psychiater wechseln, und wenn alle Stricke reißen einfach in einer guten Psychiatrie auf eigenen Wunsch einweisen lassen für zwei Wochen und dort mit dem Sozialdienst der Psychiatrie eine Strategie entwickeln (= betreutes Wohnen, oder Grundsicherung, Rente,...)


    Was ich hier zur Rente geschrieben habe, nehme ich überwiegend zurück. Wenn man Rente bekommt, kann man immer noch 450,- eu job machen, und oft ist das mehr als genug Beschäftigung. Da hatten die anderen schon recht. Existenzängste haben mich 20 Jahre lang jeden Tag zermürbt, ich würde jetzt viel früher Rente beantragen, die Wiedereingliederung klappt doch bei kaum jemandem.