Seit der Psychose nur noch ein Wrack

  • Admin: Wieso würdest du tablettenform der Depotspritze vorziehen? Nehme es auch nicht in der Depotform, sondern als Lösung, ds ich keine Tabletten schlucken kann. Und habe so die Kontrolle über die Menge. Kann also selbst ein wenig dosieren. Habe aber noch nie davon Gebrauch gemacht und brav alles eingenommen, was verordnet wurde ^^:rolleyes:.. Ich habe nur noch hauptsächlich diese wahnsinnig mich ausbremsende Antriebsschwäche, dann bin ich noch leicht depressiv(habe kein positives Empfinden/positive Gefühle) mehr und meine Beine werden ab und zu steif. Ist zum Weinen manchmal. Will wieder die alte sein, wie vor der Psychose. Sogar waehrend der Psychose hatte ich mehr Energie, konnte alles tuhen trotz der Stimmen. Und jetzt sind die Stimmen weg und ich kriege nichts hin. Bin total traege und schlapp.

  • blueberry naja ich meinte Risperdal-Consta und Xeplion. Risperdon gibt es ja als Generica. Die Spritzen sind sehr teuer und bringen finde ich keinen Nutzen. Gibt es beim Abilify auch das Abilify Maintena aber da hat man dann als Patient keine Möglichkeit mehr seine Dosis nach unten anzupassen. Neuroleptika tabletten lassen sich auch Bedarfsweise einnehmen was auch Vorteile bezüglich der Negativsymptome bietet aber eher von medizinischer Seite abgelehnt wird. Von daher sind eben auch diese speziellen Antidepressiva zur Stabilisierung wichtig das rundet die Wirkung des Abilifys ab grade wenn man das Abilify so minimaldosiert / bedarfsweise einnimmt.

  • Was besonders schlimm ist, das ich 35 Jahre alt bin und jetzt wegen den Medikamenten keine Kinder gebaeren kann. Muss sie jetzt noch mindestens 1 Jahr und 4 Monate einnehmen. Und selbst nach dem Absetzen wird es wohl eine Weile dauern bis sie ganz aus dem Koerper raus sind, sodass ich gesunde Kinder zur Welt bringen kann. Und dann bin ich schon fast 40..:(

  • blueberry , darf ich fragen warum du keine Tabletten schlucken kannst?

    Gut eine Psychotherapeutin kann das mit den Medikamentedosierungen kaum beurteilen, also das machen normal die Psychiater die zum Teil auch Psychotherapeuten sind. Reine Psychotherapeuten dürfen aber keine Medikamente verordnen also haben da auch weniger Erfahrung damit.

    Ich bezweifle auch sehr das man mit 15mg Abilify mehr Antrieb haben soll als mit 10 mg. Meiner Meinung nach wird dem Abilify ein antriebsteigerde Wirkung zugeschrieben, also ich war zwar aktiver als bei anderen Nls aber trotzdem unmotiviert. Also meiner persönlichen Meinung nach wären 5mg besser auch vom Antrieb her wenn du stabil bleibst damit. Also ich würde eher zu niedrigerer Dosis gehen.
    Letztendlich muss darüber aber ein Arzt entscheiden. Wenn du eine Lösung hast kannst du ja prinzipiell auch mal testen wie es ist wenn du nur 5mg oder 7mg nimmst, dann solltest du ja merken ob es dir vom antrieb her besser geht.
    Ich würde da der eigenen Wahrnehmung mehr glauben schenken. Das mit der antriebssteigernden Wirkung finde ich ist wohl eher ein Gerücht oder relativ gesehen zu anderen Neuroleptika die noch mehr lahmlegen, also hab auch schon davon gehört und letztendlich wurde es erst mit Antidepressiva insbesondere Bupropion zusätzlich besser.

  • Admin: Ich habe einen starken Wuergereflex, deswegen geht es nicht mit Tabletten und Kapseln schlucken. Das ist auch eines der Gruende wieso ich Abilify bekomme, weil es ihn auch als Lösung zum Trinken gibt..Naja, sie ist Psychiaterin und Psychotherapeutin, also beides..Ich habe Angst, dass wenn ich weniger Abilify nehme, also auf 5 mg.runtergehe, dass die Stimmen dann wieder da sind. Und eine erneuete Psychose wäre in meinem Fall fatal.

  • Was besonders schlimm ist, das ich 35 Jahre alt bin und jetzt wegen den Medikamenten keine Kinder gebaeren kann. Muss sie jetzt noch mindestens 1 Jahr und 4 Monate einnehmen. Und selbst nach dem Absetzen wird es wohl eine Weile dauern bis sie ganz aus dem Koerper raus sind, sodass ich gesunde Kinder zur Welt bringen kann. Und dann bin ich schon fast 40..

    das mit 2 Jahren wurde mir auch gesagt zu beginn der Erkrankung, sobald man einmal absetzt hat und rückfällig wird bedeutet das das man chronisch ist. Ich bezweifle das du nach 1 Jahr 4 Monaten deine Medikamente absetzen kannst, also das ist eher eine Wunschvorstellung mit der man uns Erkrankte etwas hinhält.
    Bin männlich von daher treibt mich das Thema Schwangerschaft persönlich weniger um, aber auch ohne Medikamente gibt es bei dieser Erkrankung Risiken. Manche Erkrankte nehmen auch Neuroleptika bei der Schwangerschaft ein. https://www.embryotox.de/ ist eine Seite die über die Risiken bestimmter Wirkstoffe auch Neuroleptika bei der Schwangerschaft informiert etwa. Aber kann man auch so direkt bei Google suchen nach Artikeln dazu.

    Als Betroffene würde mir eher die Frage umtreiben ob ich trotz der Erkrankung im Stande bin mich um ein Kind entsprechend zu kümmern, also dazu braucht es mindestens ein gesundes Elternteil meiner Meinung nach und als Betroffener unterschätzt man grade zu beginn der Erkrankung wie schwerwiegend die Situation ist. Also sich überhaupt selbst die Probleme einzugestehen und diese zu finden weil man eben aufgrund der Behandlung und alles ein anderer Mensch ist.

    Was ich sagen möchte ist, das erstmal du gesund oder auf einen guten Weg sein solltest bevor du dich irgendwie überforderst.

    Wann genau bist du Ersterkrankt? Normal ist Mitte 30ig eher spät meist tritt die Erkrankung so zwischen 20-30 auf bei Frauen eher ende 20 und bei Männen etwas früher.

  • Ich habe Angst, dass wenn ich weniger Abilify nehme, also auf 5 mg.runtergehe, dass die Stimmen dann wieder da sind. Und eine erneuete Psychose wäre in meinem Fall fatal.

    Ja, am Besten du sprichst mit deiner Ärztin warum sie glaubt das mit 15mg der Antrieb besser sein soll wo auf der anderen Seite da die Nebenwirkungen ja zunehmen sollen.
    Kannst ja fragen ob man 5mg mal kurz probieren könnte und wie hoch da das Risiko wäre wenn Stimmen wiederkommen.

  • Admin: ich habe das Gefühl sie weiss es alles nicht..sie sagt es so weil es Vorschrift ist; 15 mg.steht auf der Packung, also sollte man so viel nehmen. Das ist ihre Meinung.

    Mir ist das Problem bekannt das Abilify eher in höheren Dosierungen angepriesen wird. Ich verstehe nicht warum das so ist obwohl ich schon länger davon weis. Es gibt so etwas wie eine Minimumdosis die aber eher so um die 2,5mg lieg (bei mir etwa) das kann sich aber unterscheiden je nach Verstoffwechslung Körpergewicht und so. 5mg sind aber oft für den Betroffenen ausreichend von der Akutwirkung und alles. Ärzte sehen in wahnhaften Zuständen häufig ein viel größeres Problem als wir Erkrankte und tendieren meist da zu hohen Dosierungen die auch schädlich und problematisch auf längere Sicht sein können.
    Volkmar Aderhold ein Psychiatriekritischer Psychiater hat die Untergrenze von Aripiprazol so auf ca.2mg festgelegt was bei manchen Betroffenen anscheinend schon ausreicht. Ich finde 5mg bietet für mich persönlich genug Sicherheit und wirkt sehr schnell.

    Du solltest vielleicht auch aufpassen das dir das mit den Kinder bekommen weniger als Wahn ausgelegt wird, wenn jemanden ein Thema besonders umtreibt ist das für Ärzte oft ein Zeichen das man krank ist und vielleicht tendiert deine Ärztin von daher zu einer Dosiserhöhung um derartige Wünsche / Gedanken einen aus den Kopf zu schlagen.

    Ich für meinen Teil denke du solltest erstmal an deine Gesundheit denken bevor du dich über das Kinder bekommen zu sehr Gedanken machst und du solltest damit rechnen das du mit dieser Erkrankung keine gute Erziehung alleine hinbekommen würdest wenn du auf dich gestellt bist auch weil der Verlauf dieser Erkrankung bis heute eher negativ ist, also mit den Standardbehandlungen wird die Situation wohl auf längere Sicht eher schlechter.

    Das mit den Antidepressiva die ich hier im Forum empfehle kann ich dir von daher nur ans Herz legen so eine Alternative ernsthaft zu erwägen und dich auf diese weise auf längere Sicht von den Neuroleptika wieder entwöhnen zu können.
    Deine Ärztin sagt dir vermutlich auch nix davon was in 2 Jahren ist, weil ihr schon relativ klar ist das man die Medikamente vermutlich auf Dauer braucht.

  • Wieso würdest du tablettenform der Depotspritze vorziehen?

    Mit den Tabletten bin ich viel variabler als mit der Spritze die ich einmal im Monat bekomme.
    Ich kann die Tabletten täglich von der Dosis her meinen Bedürfnissen anpassen und das hängt zum Teil auch von der stresslichen Situation ab wieviel man braucht, also bei den Neuroleptika würde ich sagen ist weniger mehr, also nur soviel wie nötig und auch eine Bedarfseinnahme lässt sich mit Tabletten einfacher realisieren. Gut eine Lösung ist auch ok oder sogar noch besser um eine passende Dosis zu finden. Monats-Depot ist fast wie Zwang und meist sind das relativ hohe Dosierungen, also man neigt da allgemein eher dazu zuviel zu geben. Abilify gibt es glaube ich erst ab 10mg tagesdosis bei der Monatsspritze bei den Tabletten kommt man auf 5mg oder eine Tropfenlösung runter.

    Ganz abgesehen davon das diese Spritzen sehr teuer sind und das den Betroffenen eben kaum zugute kommt wenn sich mit so einer Innovation die ein Rückschritt ist viel Geld verdienen lässt.

  • Admin: Oh Gott, der Gedanke macht mich kaputt, dass ich ein Leben lang auf Neuroleptika angewiesen sein werde. Aber das schlimmste sind diese Antriebsstörungen, ich habe die Befürchtung dass ich niemals mehr gesund sein werde. Ist unverschämt von den Ärzten das nicht direkt so zu sagen..Ich dachte immer das wäre vorübergehend und würde sich nach 2 Jahren wieder einränken.

  • Hallo blueberry,

    kurz zwischendrin mal meine Meinung:

    Da bei dir schon einiges an Leidensdruck vorhanden ist, würde ich dir empfehlen, entweder in ein Betreutes Wohnen für Psychisch Kranke zu gehen oder eine stationäre Reha zu machen.


    Betreutes Wohnen gibt es wohl in jeder Stadt, dort hat man tagesstrukturierende Angebote, wird medizinisch, aber auch rechtlich umfassend betreut. Man bekommt eine gesetzliche Betreuung die den Papierkram für Hartz 4 oder andere Angelegenheiten erledigt, und kann sich erstmal erholen. Bei Terminen beim Jobcenter wird man auch begleitet und hat dort kaum Druck. Oft gibt es Arbeitstherapie die einen langsam arbeitsfähig macht, und auch andere tagfüllende Tätigkeiten. Man findet oft auch Gleichgesinnte.

    Negativ ist, dass die Mitbewohner auch zur Belastung werden können, und dass man kaum mehr mündig ist aufgrund der gesetzlichen Betreuung und dem Hartz 4 (was man beides aber recht schnell wieder ändern kann falls man gesund genug ist).


    Stationäre Rehas gibt es von der Lebenshilfe, oder RPKs, wichtig ist die richtigen Angebote für Psychisch Kranke zu finden und es sich einmal am Besuchertag anzusehen. Dort kann man zum Teil lange Zeit oder auch für immer, im geschützten Rahmen arbeiten, oder man wird direkt an Arbeitstätigkeiten herangeführt, je nachdem welche Einrichtung man wählt und wie der Bedarf ist. Später ist auch eventuell eine Umschulung möglich in einen Beruf den man packt.


    Auf eigene Faust zuhause rumzuhängen und eventuell Hartz 4 zu beziehen, oder Grundsicherung für Erwerbsunfähige (glaube das wäre in deinem Fall die Alternative zur Erwerbsunfähigkeitsrente), halte ich persönlich im Nachhinein für einen Fehler.


    Ich selber bin jetzt 37 Jahre alt, bin vor ca. 20 Jahren erkrankt an paranoider Schizophrenie, und habe auch an starken Depressionen gelitten nach den Psychosen. Das dauerte mitunter schon ein, zwei Jahre bis die Depression mehr oder weniger verfliegt. Habe selber schon viele Einrichtungen besichtigt und besucht, darunter Maßnahmen der Lebenshilfe, RPK, Umschulung, das Betreute Wohnen und bin jetzt schließlich in der BU Rente. Für mich war es eine große Erleichterung, nicht mehr den Arbeitsdruck zu haben, und die finanzielle Absicherung hilft ungemein.


    Rückblickend hätte ich aber einige der Angebote lieber annehmen sollen, darunter vor allem die Arbeit bei der Lebenshilfe, die meinem Alltag sicherlich mehr Struktur gegeben hätte. Und ich hätte sicher weniger alleine versuchen sollen, im ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, das war viel zu viel Druck und unnötige Quälerei.


    Familienplanung sollte man erstmal sein lassen. Ich selber habe mich mit der Einsamkeit abgefunden. Kinder bedeuten sehr viel Verantwortung, und gerade als Psychisch Kranker sollte man da gut überlegen ob man es dem Nachwuchs antut, ihn in die Welt zu setzen, wenn man selber schon genug Probleme hat. Aber es kann sich auch vieles noch ändern bei dir, wobei es jedoch in meinen Augen besser ist, sich mit der Situation abzufinden und sich erstmal selber keinen Druck zu machen.

  • Wie lange bist du schon erkrankt und wie alt bist du?

    Bin 33 und seid 2011 hab ich etwa die Psychose. Zu beginn wurde mir das auch mit 2 Jahren gesagt das ich die Medikamente einnehmen müsste. Ich hab diese relativ schnell abgesetzt was wohl um die 80% innerhalb der ersten 2 Jahre machen. Bei mir hat das etwa ein Jahr nach den ersten Klinikaufenthalt zu einem Rückfall geführt, dann hat man mir klar zu verstehen gegeben das ich die Medikamente ein Leben lang einnehmen müsse, also besser gesagt wurde das meiner Mutter so gesagt und ich stand quasi wie das behinderte Kind daneben und dachte mir das das mit diesen Medikamenten damals hatte ich die Xeplion-Spritze etwa 100mg bekommen kein Leben ist.
    Naja hab dann wieder abgesetzt bis ich schon halbwegs Akut war und dann Abilify in 5mg Dosis bekommen. Das war deutlich besser aber es dauerte dann viele Jahre bis ich diese Antidepressiva so fand und das mit Abilify so ist auch weniger toll. Ich hatte eben wegen so kleineren Absetzversuchen Stimmungsschwankungen bekommen, also ist in jeden Fall ratsamer mit Hilfe dieser Antidepressiva-Kombi das Abilify später zu reduzieren.
    2 Jahre ist zwar ein kurzer Zeitraum aber diese Neuroleptika können in höheren Dosierungen auch dem Gehirn schaden, also das Gehirn baut sich ab. Von den Ärzten bekommt man da meist auch keine zufriedenstellenden Antworten.

  • Da bei dir schon einiges an Leidensdruck vorhanden ist, würde ich dir empfehlen, entweder in ein Betreutes Wohnen für Psychisch Kranke zu gehen oder eine stationäre Reha zu machen.

    Nutztier, woran erkennst du das denn das es bei blueberry schon soweit ist?
    Also bisher hat sich das bei mir noch nicht so angehört und ich denke das ist viel zu früh. 4 Monate nach der Erstdiagnose oder so kann man sich kein richtiges Bild machen zudem könnte es ja immer noch eine einmalige psychotische Episode gewesen sein, also keine chronische Schizophrenie.

    Eine normale stationäre Reha (ca. 6 Wochen) würde ich vielleicht 1-3 Jahre später machen um die Berufsunfähigkeit dokumentiert zu bekommen, also damit man EM-Rente beantragen kann was dann finanziell sehr absichert. Also Harz 4 ist ja eigentlich Quatsch wenn sie vorher gearbeitet hat und einen Rentenanspruch besitzt, dann kann sie EM-Rente beantragen die besser ist als Harz 4 wo man dann noch auf das wohlwollen der Ämter angewiesen ist.

    Betreutes Wohnen sehe ich gar keine Notwendigkeit auch die persönliche Mündigkeit da jemand anderen zu Übergeben außerhalb der eigenen Familie. Also vielleicht kann sie ja auch selbst zurechtkommen, sehe da bisher gar keine Anzeichen und würde dann immer noch lieber bei meinen Eltern leben als in ein Wohnheim quasi zu müssen. Also das ist wenn eher für Fälle geeignet wo bereits klar ist das der Verlauf weniger gut ist und eben das mit der Eigenen Wohnung oder bei den Eltern / Angehörigen leben kaum funktioniert.

    Sie hat so zumindest die Mündigkeit ein Stückweit selbst noch über ihre Medikamente mitentscheiden zu können, wenn sie in so einen betreuten Wohnheim ist gibt sie diese Privilegien die einen guten Verlauf überhaupt möglich machen können ab und die Standardbehandlungen bei Psychose sind auf Dauer eben von dem was ich mitbekommen habe eher schädlich, also da kann ich mich mit meiner quasi "Eigenmedikation" glücklich schätzen.

    Also sonnst wenn es bei ihr wirklich so schlimm wäre und der Verlauf negativ, dann würde ich dir zustimmen das dies wohl für einen Teil der Betroffenen heute eben wegen der schlechten therapeutischen Möglichkeiten so ist.

    Ob man auf den 2. Arbeitsmarkt arbeitet würde ich mir auch überlegen ob das wirklich Sinnvoll ist. Wenn man EM-Rente bekommt kann man dazu noch 450€ oder sogar 525€ dazuverdienen ohne Abzüge, also man kann sich da einen Mini-Job am Ersten Arbeitsmarkt suchen, also kann zumindest unter Mindestlohn oder höher arbeiten, da sind 500€ leicht verdient.
    Letztendlich kann man dann sein Leben in der Zeit überdenken, die weichen für Heilung stellen und sogar wenn man sich bereit fühlt wieder mehr arbeiten.

    Zwecks Tagesstruktur muss man denke ich schauen wie es im Einzelfall ist, häufig fällt ja auch zuhause arbeit an und selbst das fällt Betroffene schwer in der Anfangsphase ihr Leben ohne Arbeit gut hinzubekommen, also ich sehe da keine zwingende Notwendigkeit für eine Art Arbeitstherapie auf dem 2. Arbeitsmarkt wo man dann wieder weniger Zeit für sich und die eigene Gesundheit hat.

    Die Erkrankung würde ich auch mehr als eine Überforderung ansehen. Am Anfang der Erkrankung braucht man erstmal Orientierung und viel Zeit für sich und um mit seinen Problemen fertig zu werden, auch zu schauen wie man von den Medikamenten her das Beste für sich herausholt.
    Das Andere mit betreuten Wohnen oder 2. Arbeitsmarkt würde ich erst dann in Betracht ziehen wenn nix anderes mehr übrig bleibt oder eben klar ist das man auf den 1. Arbeitsmarkt (Mini-Job) nix findet oder keine Wohnung selbst oder bei den Eltern geregelt bekommt.

    Das soll keine Kritik sein Nutztier ! Ich orientiere mich ja ebenso an mir selbst mit dem was ich Empfehle, also mehr als Ergänzung. Du hast auf jeden Fall wichtige Punkte angesprochen und als Betroffener macht man sich am Anfang auch selbst viel Druck und das Umfeld möchte eben das alles so weitergeht, aber das ist alles bisschen viel verlangt.
    Bei mir war das mit der EM-Rente auch erst spät und man sollte auch da aufpassen rechtzeitig zu beantragen denn wenn man Jahre Arbietslos ist dann kann man den Rentenanspruch verlieren den man sich aufgebaut hat. Also es reichen ein paar Jahre Arbeit um bereits eine relativ hohe EM-Rente die höher ausfällt als Harz 4 zu bekommen und man ist bei einer Rente auch keinen solchen Druck ausgesetzt. Arbeitsamt und so hat meiner Meinung davon keine Ahnung was Psychose bedeutet wenn man dann noch Schichtarbeit und so Zeugs angeboten bekommt und sich zum Teil bei Jobangeboten einen Tag später bewerben muss ohne das man gefragt wird ob man das machen möchte.
    In meinen Augen ist das schon etwas unwürdig was das Arbeitsamt macht, aber kann ja auch regional unterschiedlich sein. Ich für meinen Teil sehe das kritisch und möchte mit derartigen Ämtern auch nix zu tun haben wenn die einen dann auf den Kopf steigen.

  • Hallo Admin,

    da blueberry schreibt, dass sie ein Jahr lang mit der Psychose herumlief mit Stimmenhören, und danach jetzt 8 Monate an einer postpsychotischen Depression / Negativsymptomatik leidet, und da sie zur Zeit sowohl Probleme mit Druck seitens Jobcenter hat als auch unter stark gemindertem Antrieb leidet, klingt das für mich schon nach etwas längerfristigem.


    Deine Bedenken sind natürlich sinnvoll.

    Was ich halt denke, wenn man einfach nur Rente bezieht, sei es mit einem 450,- EU Job, fehlt es gewaltig an Tagesstruktur. Das führt schnell zu Lethargie, Übergewicht, Herzproblemen, und die mangelnde Belastbarkeit bleibt.

    Die finanzielle Abhängigkeit von der Rente kann schnell dazu führen, dass man eine Tätigkeit gar nicht mehr aufnimmt aus der berechtigten Sorge, die Rente zu verlieren.


    Andererseits sollte man sich bei Betreutem Wohnen, Reha oder WfB schon informieren, ob eventuell Kosten auf die Verwandtschaft zukommen und ob man nicht eventuelle Erbschaften an den Kostenträger verliert.


    Die Rehamaßnahmen dienen übrigens der beruflichen Wiedereingliederung und führen nur in die Rente wenn dort mangelnde Belastbarkeit festgestellt wird.


    Will man jedoch täglich Zeit totschlagen, in den Tag hinein leben und Serien gucken, kann man durchaus zuhause bleiben mit Grundsicherung für Erwerbsunfähige. Ein Gutachter wird ihr das auch gewiss attestieren.

    Das wäre auch mein erster Anlaufpunkt: psychiatrisches Gutachten beim Jobcenter/Arbeitsamt verlangen!


    Nur auf dauer wird man bei einem Tagesablauf in Eigenregie vor dem Fernseher vereinsamen, da ist zumindest für Männer eine Partnerschaft unwahrscheinlich, und man baut ab, und kommt eventuell nie wieder in die Gänge.

    Das Wiedereingliederungssystem mit betreutem Wohnen und Rehamaßnahmen soll genau das verhindern.

    Es gibt ja sogar von der Lebenshilfe Werkstätten, die einen auf dem 1. Arbeitsmarkt sozusagen geschützt arbeiten lassen, und wenn man gut mitmacht kann man eventuell übernommen werden.

    Von so einer Möglichkeit erfuhr ich zB. erst 19 Jahre nach der ersten Psychose.


    Vorteil des Betreuten Wohnens / der Reha: Druck durch Jobcenter fällt weg, man ist unter Betroffenen nicht alleine, hat Tagesstruktur.

    Nachteil: man verliert Mündigkeit, es ist anstrengender als zuhause, eventuell ist man sogar noch nicht fit genug.


    Fakt ist, erste Anlaufstelle sollte der Amtsarzt des Arbeitsamtes sein, genauer der Psychiater, der ein Gutachten über die Erkrankung macht und einen auch über längere Zeit krank schreibt.

    Dann eventuell Termin ausmachen beim Reha Berater des Arbeitsamtes (oder Arge oder wo diese Euphemismustretmühle sonst so inzwischen angekommen ist). Danach hat man sowieso genügend Bedenkzeit und kann monatelang zuhause hocken.