Mein Schwager kam nicht allein

  • Liebes Forum,

    heute muss ich einfach Hilfe von selbst Betroffenen oder Angehörigen einfordern... Mein Mann hat heute Geburtstag (32) und sein kleiner Bruder (26) kam zu Besuch. Er hat bereits vor drei Jahren die Diagnose einer Paranoiden Schizophrenie bekommen und seither einige stationäre Klinikaufenthalte gehabt. Nebst hat er unzählige Studiengänge und Ausbildungen begonnen, musste sie aber immer abbrechen. Medikamentös war es meines Erachtens gut eingestellt, aber nach einiger Zeit setzt er sie immer von selber ab, weil es ihm dann immer ganz gut geht. Kurz danach bricht alles wieder ein und es wird immer schlimmer, habe ich den Eindruck. Er geht regelmäßig zu einem Psychologen, der allerdings immer sagt, solange er keine Medikamente nehme, würde ihm nicht geholfen werden können.


    Zum heutigen Tag... Ich habe ihn mit dem Auto abgeholt und direkt gemerkt, dass es wieder ein schlechter Tag ist. Er lacht dann immer plötzlich, sagt in dem einen Moment "es ist kompliziert" und im nächsten "Ach, alles gut".

    Ich habe ihn heute gut beobachtet und war ganz offen und habe ihn nicht bedrängt. Ich habe schließlich weit über 10 verschiedene Charaktere sehen können und bin einfach nur absolut getroffen. Bei einigen hat er die Haare anders hingelegt, bei anderen die Brille abgenommen oder sich ganz untypisch für ihn verhalten.


    Vielleicht habt ihr einen Tipp für mich, wie ich ihn unterstützen kann. Ich dachte an einen Brief, in dem ich ihn frage, ob er ein "Ich" oder ein "Wir" ist. Ob ich fragen soll, "Möchtest DU was trinken?" oder ein "Möchtet IHR was trinken?"

    Ich möchte alle da drin kennenlernen, damit ich auch allen gerecht antworten kann. Gleichzeitig möchte ich aber auch eine Unterstützung sein, so dass seine eigentliche Person wieder mehr "vorne" sein kann. Er hat diesen Sommer wieder die Chance eine Ausbildung zu starten, auf die er sich wirklich lange gefreut hat. Derzeit sehe ich das nicht als realistisch. Was kann ich tun?

    Eine Persönlichkeit weigert sich auch zu essen und zu schlafen- seine Gesundheit ist also auch stark beeinträchtigt.


    Ich würde mich sehr über Antworten und Tipps freuen. Vermutlich habe ich total viel wichtiges vergessen.


    Eure Dachräuberin

  • Hi Dachraeuberin

    keine Ahnung inwieweit das mit den verschiedenen Charakteren mit der Psychose zusammenhängt, vielleicht stellst du das auch etwas krasser da fast wie eine multible Persönlichkeitsstörung. Hab selbst eine Psychose bin auch 32 und würde das eher wie Wesensveränderungen beschreiben, wenn man die Realität unterschiedlich wahrnimmt, verträumt ist oder eben sich anders verhält wie üblich, kann ja auch mit Symptomen und Nebenwirkungen der Erkrankung zusammenhängen, so würde ich das mir erklären.
    An sich ist die These das sich bei einer Schizophrenie / Psychose die Persönlichkeit aufspaltet strittig oder wird eher dann als multible Persönlichkeitsstörung gesehen wenn man da ein völlig Anderer Mensch wäre.
    Ein Stückweit kann es vielleicht zu einer Veränderung kommen also man ist in einer Akuten Psychose klar anders etwa misstrauischer, man hat eventuell Ängste und Überzeugungen die man sonnst weniger hat oder unter der Decke hält.

    Ich kann dir diese Medikamente empfehlen für ihn:
    Medikamenteempfehlung Psychose

    Aripiprazol 5mg täglich (Neuroleptikum das gegen die Psychose wirkt) später nur 1 Woche im Monat am Stück (5-10mg täglich)
    Bupropion 300mg täglich (SNDRI Antidepressivum) macht innerlich ruhig und steigert die Konzentration, ganz wichtig weil das die Nebenwirkungen und Negativsymptome der Erkrankung behandelt und eben damit dann das Aripiprazol einfacher reduziert eingenommen werden kann.
    Citalopram 20mg täglich (SSRI Antidepressivum) hebt die Stimmung und dämpft das Emotionale etwas zudem hilft es gegen Nebenwirkungen die Bupropion machen kann. Das Citalopram also mehr ergänzend.

    Du kannst dir ja den Link oben anschauen und da steht das etwas anders erklärt. Diese Kombi würde ich ihn erstmal empfehlen so das er diese Wirkstoffe regelmäßig einnimmt. Dazu braucht er einen Psychiater der das auch aufschreibt.
    Das ist bereits eine sehr milde Therapie, da die Antidepressiva kaum oder keinen negativen Effekt machen und das Neuroleptikum minimal eingesetzt wird, von daher nimmt man das auch eher freiwillig ein. Das wäre vermutlich das Einfachste. Die Dosierungen sollen ein ungefährer Richtwert sein.

  • Hallo Maggi,

    danke für deine Antwort. Ich bin mir nicht sicher, ob er "einfach nur" in einer akuten Psychose steckte. Er veränderte immer die Frisur, den Gesichtsausdruck, die Stimmlage und sein komplettes Auftreten. Wenn ich etwas gefragt habe, dann hatte ich immer den Eindruck, er müsse sich erstmal entscheiden, wer mir antwortet.

    Mit der Medikamentenempfehlung werde ich mir ausdrucken und ihm mal mitgeben, aktuell wehrt er sich jedoch wehement. Mal sehen...


    Meine eigentliche Frage war jedoch, wie ich ihn persönlich unterstützen kann. Soll ich einen Brief schreiben oder ihn zu einem Gespräch bitten? Gestern habe ich nur kurz mit ihm alleine geredet und er meinte, er hört super viele Stimmen, kann aber nicht eindeutig sagen, wie viele es sind.

    Was kann ich tun, um ihm zu helfen?

    Soll ich ihn begleiten zu den Terminen mit Psychologen und Psychatern?


    Liebe Grüße

  • Kann sein das er auch mit einen Brief in der aktuellen Lage schwer zu erreichen ist, grade wenn man Akut ist da hat man viele Andere Dinge im Kopf.

    Ja Termin beim Psychiater wo ihr gemeinsam hingeht macht Sinn! Da könntet ihr auch das mit den Medikamenten einfacher ansprechen. Allein wenn er hingeht hat er vermutlich zusätzlich Ängste gar das man ihn in die Psychiatrie bringt etc. und dann bekommt er vermutlich irgendwas anderes verordnet wenn der Arzt ihn überrumpelt.


    Du kannst mit ihn eventuell auch etwas über seine Symptome sprechen falls er dich da als Ansprechpartner sieht, dann könntest du ihn eventuell versuchen mit Gegenargumenten etwas seine Verschwörungstheorien abzumildern. Erwarte keine direkte Reaktion wenn du anderer Meinung bist und er völlig überzeugt von etwas ist, das kann sich über Nacht (da verarbeitet man viele Dinge des Tages) ändern.

    Gut kommt ganz auf die Symptome an die er hat, manchmal bringt es auch nix oder nur wenig oder er kann dich dann auch negativ sehen wenn du anderer Meinung bist, Streit oder so bringt gar nix.

  • Ja, in Ordnung. Sein nächster Termin ist morgen, das schaffe ich leider nicht, da ich 10 monatige Zwillinge zu Hause habe. Aber ich kann ihm vorschlagen, zu dem nächsten Termin mitzukommen.


    Ja, mit den Verschwörungstheorien hat es vor 5 Jahren circa angefangen. Da hat er viel Gegenwind bekommen und behält diese seither eher für sich. Vielleicht kann ich da nochmal einhaken. Er sagt immer nur er höre so viele Stimmen. Ich fragte, wie viele es sind und er sagte: "Nicht so viele, wie es mal waren aber immer noch sehr viele!" "Mehr als 10?" "joa, ist echt kompliziert..."


    Puuh.. es ist wirklich unglaublich schwer das zu sehen... :-(

  • Vielleicht bekommt er ja schon Morgen diese Medikamente wenn er sich drauf einlassen kann, zumindest wäre das deutlich einfacher wenn er die Richtung einschlägt.

    Mit Stimmen hab ich keine Erfahrungen gemacht, stelle mir das auch sehr schwierig vor. Verschwörungsdenken lässt meist mit den Medikamenten nach, also du musst dich da nicht reinhängen wenn er damit Probleme hat oder so. Wichtig wäre es das er eben diese Wirkstoffe bekommt.
    Hat er früher mit den Medikamenten die Stimmen wegbekommen?

  • Ich sag dir wie es ist. Die Leute ficken ihn nonstop und er zerbricht daran. Dann will ers dir sagen weils sich aufstaut und es raus muss. Wenn er dann dabei ist es zu sagen wird ihm klar wie krass die Welt ist in die er gedrängt wird und wie organisiert gegem ihn vorgegangen wird, dass er dir nicjts sagt weil du eh nichts dagegen machen kannst und er dich deshalb nur unnötig in diese Welt ziehen will