Suche Kontakt zu Psychiater, der sich mit eidetischen Phänomenen auskennt

  • Hallo,

    erst mal ein Gruß in die Runde. Mein Name ist Stephan und ich bin an der hebephrenen Form der Schizophrenie erkrankt. Bin momentan relativ stabil und in einer WfbM beschäftigt.

    Um mich soll es aber nicht gehen, sondern um meinen damaligen langjährigen Mitbewohner (ebenso an Schizophrenie erkrankt), der meiner Vermutung nach sehr wahrscheinlich eidetische Phänomene herbeiführen kann.
    Das heißt, seine Fantasie und Vorstellungskraft sind so stark ausgeprägt, dass er sich Bilder und sogar "Filmchen" visuell eindrucksvoll vor Augen führen kann und zwar unterliegt ihm diese Fähigkeit anscheinend bewusster Kontrolle. Sein Habitus entspricht dem eines jung und kindlich gebliebenen Erwachsenen, mit dem ich oft die Gelegenheit hatte, Faxen und Späße zu machen, wobei er eine fast schon juvenile Lebendigkeit an den Tag legte, die wirklich mitreißend war. Heute habe ich leider eher losen und sporadischen Kontakt zu ihm.

    Oft habe ich mich über diese herbeigeführten "Bilder" erkundigt und ihn ausgefragt, wie er diese wahrnimmt und kontrollieren kann etc... Lange habe ich nach einer Erklärung dafür gesucht, habe das Internet abgeklappert und scheinbar immer wieder die falschen Suchbegriffe in die Suchmaschine eingehämmert.

    Jetzt durch einen Hinweis meiner Lebensgefährtin bin ich auf besagte eidetische Phänomene gestoßen bzw. dem eidetischen Gedächtnis. Es ist wohl bei Kindern etwas häufiger anzutreffen, was dann bei Erwachsenen in nur sehr, sehr seltenen Fällen fortbesteht. Im Internet konnte ich nur wenige Informationen sammeln - ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass dieses Thema zu den Akten der Forschung gelegt wurde - anscheinend widerlegt oder sowas, keine Ahnung. Zumindest auf Wikipedia gibt es noch einen krümeligen Artikel dazu. Sehr, sehr seltene Sache.

    Ich würde zum Thema Eidetik gerne Kontakt zu einem Psychiater aufnehmen, am Besten natürlich zu einem Spezialisten, der sich in diesem Bereich gut auskennt, aber das kann ich natürlich nicht erwarten. Ergebnisoffenheit wäre dabei natürlich nicht schlecht, gerade wenn es ein Thema betrifft, welches vermutlich irgendwann in der Esoterik-Spinner-Ecke verschwinden wird.

    Grüße

    Stephan


  • Hi Stephan,

    kein Problem, das passt hier sehr gut ins Forum !

    Also meinst du das Schizophrenie eine Art Verbildlichung der Realität ist oder diese eventuell so vereinfacht das ein Spannendes aber dennoch Falsches Bild entsteht?

    Meiner Meinung nach gibt es so etwas wie Deutungshoheit, wenn man quasi ein Thema und so diktieren kann, weil man eventuell viel oder die meiste Erfahrung damit hat. Lücken in diesen Mustern stoßen dann auf Widerstand oder eine Art demokratischen Diskurs.

    Bei meiner Psychose etwa, versuchte ich die Welt zu verstehen da mir diese Sachen mit denen ich mich vorher kaum beschäftigt habe dann in der akuten Psychose den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Damit war ich in der Erkrankung dann mehr oder weniger besessen davon dieses Weltbild zu kitten und die Wiedersprüche die es darin auch so gibt aufzudecken was dann für mich eine gewisse Erleichterung darüber und tieferes Verständnis brachte.

    Vielleicht meinst du so etwas in der Art damit?

    Teils habe ich etwa in den Medien mitbekommen das diese mit ähnlichen bildhaften Vereinfachungen arbeiten wie ich das in der Psychose gemacht habe und diese zum Teil wie aus Geisteshand aufgriffen, was den Verdacht auf Beobachtung oder Verfolgungswahn begünstigt hatte. Mit der Zeit und mit guten Medikamenten die mir weitergeholfen haben, ist dieses Bild vollständiger oder beständiger geworden so das ich wieder eine Art Fundament oder Boden hatte besser mit der Erkrankung umgehen zu können.

    Von daher glaube ich nimmt uns Erkrankten keiner die Arbeit an unseren Trugbildern und den eventuellen tieferen Sinn oder Unsinn dahinter ab, da kommen vielleicht Kommunikationsprobleme und anderes hinzu.


    Was meinst du dazu und wäre das ungefähr die Richtung die du diskutieren möchtest?

  • Hallo Markus,


    was Du schreibst, ist in der Tat sehr interessant und deckt sich teilweise auch mit meinen Erfahrungen. Dazu später mehr.


    Mein damaliger Mitbewohner und Freund, ist, was seinen derzeitigen Gesundheitszustand betrifft, nach meiner Beobachtung nahezu frei von wahnhaftem Empfinden und - so glaube ich - auch von Halluzinationen ("gut eingestellt"). In der Öffentlichkeit möchte ich natürlich nicht so gerne über seine Gabe und Erkrankung schreiben. Nur soviel: Ich glaube, es handelt sich in diesem Fall nicht um Trugbilder, sondern eher um eine äußerst seltene Begabung, die wahrscheinlich auch in Korrelation zu seiner Erkrankung steht.


    Mir ist aber bewusst, dass es sich hier um ein Psychose-Forum handelt, daher werde ich auf den Ansatz "Verbildlichung der Realität" eingehen, natürlich aber auch weil ich diesen Denkanstoß interessant finde. Persönlich hatte ich nie ausgeprägt mit Halluzinationen zu tun, erst Recht nicht mit optischen.


    Was Du beschreibst, ist im Prinzip eine kognitive Dissonanz, also ein eklatanter Konflikt des bisherigen Weltbildes mit unangenehmen Wahrheiten oder Wahrnehmungen. Dies bedeutet häufig enormen Stress, auch dann, wenn ich dem Impuls nachgebe und die neuen Erkenntnisse akzeptiere, um diese letztendlich wie Puzzleteile aneinander fügen zu können. Die zahlreichen fehlenden Teile füllt die Schizophrenie hervorragend aus und es entsteht ein in sich geschlossenes und logisch wasserfestes System von Kausalitäten. Ein großer Haken an der Sache sind halt die verzerrten Wahrnehmungen, die als real empfunden werden, aber das Gedankengebäude für Außenstehende konfus und wirr erscheinen lassen, was es im Prinzip auch ist.


    Viele Informationen sind nach meinem Empfinden im gesellschaftlichen Einvernehmen oder in der politischen Führung abstrahiert worden, um sie anschaulicher und begreiflicher zu machen. Häufig sind es wirklich Sinnbilder oder Metaphern. Meine Vermutung ist, dass auch akut psychotische Menschen diese Abstraktionsfähigkeit besitzen, sich aber diesbezüglich ein eigenes Süppchen kochen, natürlich auch aufgrund der verzerrten Wahrnehmung. Es sind ja in der Tat lebendige Bilder, die in manchmal kreativer Höchstleistung erzeugt werden. Daher wohl auch oft diese Neologismen im Sprachgebrauch.

    Was ich erwähnenswert finde, um dem ganzen auch eine politische Dimension zu geben: Wir leben in einer Zeit, in der - meiner Meinung nach - sehr fragwürdige Bilder verwendet werden. Ich möchte keine Beispiele nennen, weil dies sehr wahrscheinlich zur Folge hätte, dass eine politische Debatte entstehen würde und da steht mir nicht der Sinn nach. Nur soviel: Die Massen an Informationen, werden vor allem in den Medien, aber auch immer öfter im privaten Umfeld, in eine unpassende Form gegossen und hinterlassen seltsame Botschaften in den Köpfen der Menschen. Möglicherweise leben wir in den Zeiten einer Massenpsychose, ähnlich wie es seinerzeit vor dem zweiten Weltkrieg der Fall war. Unsere Sprache ist durchsetzt von kruden Neologismen als politische Kampfbegriffe, Euphemismen und Doppelstandards, bis hin zu religiöser oder messianischer Erhöhung bestimmter Heilsbringer (Obama, Greta etc.) und geächteten Antagonisten, die immer zahlreicher durch das Höllenportal zu schlüpfen scheinen. Klingt alles ziemlich verrückt - komische Zeiten...