Psychotischer Partner

  • Hallo zusammen,

    Ich neu hier und hoffe hier Rat von "Leidensgenossen" zu bekommen. Ich versuche mich kurz zu fassen, mein Partner und ich sind seit vielen Jahren ein Paar. Er hatte vor 7 Jahren eine heftige Psychose aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie. Er hatte mich damals verlassen und wir wohnten noch nicht zusammen weswegen ich vieles nicht miterlebt habe. Nach der Genesung und vielen Gesprächen sowie eine Therapie die er seither macht, haben wir uns ein tolles Leben aufgebaut.


    Vergangenes Wochenende fing er dann an komisch zu werden. Hat sich selber eine Email geschrieben in der stand "Willkommen Realität", hat geflüstert ",weil uns sonst um 4 Uhr morgens der Nachbar zuhört" und noch mehrere andere Sachen wie allgemein abweisendes und abwertendes Verhalten mir gegenüber. Er hat sehr starken emotionalen Stress weil sein Vater sehr krank ist der ihm sehr nahe steht, ich vermute das hat das ganze auch ausgelöst. Ich konnte ihn dann am Montag überzeugen, dass wir zusammen zu seiner Therapeutin fahren. Er nimmt jetzt seit Montag Risperidon aber ich habe das Gefühl, dass sich nicht wirklich eine Besserung einstellt. Er versteht glaube ich, dass er am Wochenende angefangen hat psychotisch zu werden aber ist eben mittlerweile der Meinung, er wäre stabil und hätte sich eben geändert.

    Hat hier vielleicht jemand Erfahrung wie lange es dauert bis die Medikamente anfangen zu wirken? Ich ertrage sein Verhalten mir gegenüber kaum mehr und fühle mich so hilflos und bete einfach dass er wieder "aufwacht"... weiß einfach nicht was ich noch tun soll.. ihn einfach sein Ding machen lassen?

  • Risperidon ist kein so guter Wirkstoff. Ich hatte das früher auch mal einnehmen müssen und war damals eine sehr schwierige Zeit für mich und meine Angehörigen zumal ich mir da keine Beziehung hätte vorstellen können.

    Probiert es am Besten mit einer Medikamenteumstellung auf andere Wirkstoffe die besser wirken und verträglicher sind.

    Statt dem Risperidon braucht es ein anderes Neuroleptikum um einen ausreichenden antipsychotischen Schutz zu haben, da ist Aripiprazol(Abilify) ein recht gut verträglicher Wirkstoff der bereits ab 5mg gute Wirkung zeigt. Übliche Dosierungen liegen da oft deutlich höher bei 10-15mg wobei ich da zu 5mg raten würde da diese Neuroleptika starke Wirkstoffe sind und da weniger oft mehr ist. 5-10mg sollten ausreichen und Tabletten sind am Einfachsten, da man sonnst eventuell Depotspritzen und so Scheiß bekommt.

    Aripiprazol hat ein paar Nachteile wie Unruhe oder Stimmungsschwankungen oder Restsymptome die da sein können. Dafür braucht es spezielle Antidepressiva die die Wirkung ergänzen und verbessern auch wenn das keine Standardtherapie darstellt und Ärzte meist nur Neuroleptika verordnen finde ich das entscheidend dafür das man wieder Gesund wird. Bupropion ist ein SNDRI Antidepressivum und Nikotinentwöhnungsmittel welches auf Noradrenalin und Dopamin wirkt, das hilft sehr gut gegen diese Restsymptome Unruhe und Stimmungsschwankungen, also passt super zum Aripiprazol und ist meiner Erfahrung nach entscheidend für den Therapieerfolg. Im Grunde hilft dieser Wirkstoff auch von der Neuroleptikaabhängigkeit wieder wegzukommen und auf längere Sicht sogar ganz darauf(auf das Aripiprazol) verzichten zu können.

    Desweiteren wäre dann noch zusätzlich Citalopram ein SSRI Antidepressivum sinnvoll, welches auf das Serotonin wirkt und einerseits gewisse Nebenwirkungen des Bupropions ausgleicht und andererseits etwas die Libido senkt, was beim Aripiprazol eher erhöht ist. Zudem kann das Bupropion übermäßig wach machen und auch da kann Citalopram den Schlaf etwas verbessern. An sich muss man sich da zwar keine Sorgen machen da Aripiprazol so schon einen sehr guten Schlaf machen sollte, aber später wenn man eventuell Aripiprazol absetzen möchte ist Bupropion allein für sich kein Ersatz und gerade dann können Schlafstörungen auftreten.

    Hier findet ihr weitere Informationen zu diesen Medikamenten und Dosierungen. Am besten nach und nach darauf Umstellen lassen. Erst das Aripiprazol statt Risperidon und möglichst früh oder gleich das Bupropion zusätzlich und im Anschluss dann Citalopram noch zusätzlich.

    Link: Behandlungsvorschlag

  • Ramona


    Psychose ist keine einfache Erkrankung und die üblichen Standardtherapien ermöglichen kein normales Leben.


    Neuroleptika sind Medikamente die sehr ungern eingenommen werden, da die Negativsymptome der Erkrankung dann eher zunehmen und man praktisch dann kaum mehr arbeiten oder sich motivieren kann, andererseits helfen diese aber verlässlich gegen die Positivsymptome der Erkrankung und sind notwendig.

    Risperidon ist ein Wirkstoff von vielen Neuroleptika, da gibt es noch ältere die in Kliniken etwa zur Akutbehandlung gern eingesetzt werden und diese relativ neuen Atypischen Neuroleptika wo Risperidon eines ist. Das ist die 2. Generation der Neuroleptika. Aripiprazol zählt zwar auch zu den Atypischen Neuroleptika ist aber die 3. Generation die weniger Nebenwirkungen hat und bisschen anders und eher regulierend auf das Dopamin wirken soll.

    Neuroleptika werden heute als Antipsychotika bezeichnet, das sind eben Wirkstoffe die das Dopamin blocken oder reduzieren und damit diese Positivsymptome senken.
    Bei einer Psychose gibt es aber auch einen Dopaminmangel der durch die Neuroleptika noch vergrößert werden kann, von daher braucht es die oben genannten speziellen Antidepressiven Wirkstoffe. Behebt man auf diese Weise diesen Mangel, dann verbessern sich diese Negativsymptome der Erkrankung was im Allgemeinen zu einer Verbesserung der Symptomatik führt und womit man auf längere Sicht auch einfacher die Neuroleptika so absetzen oder reduzieren kann.

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