Gaslighting: Wenn die Wahrnehmung fremdgesteuert wird

  • Für mich auch ein sehr wichtiges Thema bei Schizophrenie. Ich bin in den letzten Monaten vermehrt in Situationen mit Gaslighting geraten - sei es im Alltag oder im Internet.


    Ich denke, für Personen "aus dem schizophrenen Formenkreis" ist es schwerer mit Missbrauchserfahrungen umzugehen. Menschen ohne gefestigtes Selbstwertgefühl sind am meisten gefährdet. Die Taktik hinterm Gaslighting ist erst sehr undurchschaubar. Ich war mehrmals ein "bereitwilliges" Opfer. Besonders in der früheren Beziehung zu meinen Eltern.


    Man könnte sagen: ein gesundes Misstrauen gegenüber Menschen, die Anteile eines soziopathischen Charakters aufweisen, ist mehr als angebracht. Wenn man sich vorstellt, wie reizoffen und "gebunden" man als Psychotiker sein kann, wird es sehr wichtig, sich frühzeitig gegenüber Querulanten (im Schafspels) abzuwenden - aus Selbstschutz und auch, um ein Zeichen zu setzen.


    Andererseits sind es auch Schizophrene, die meinen Mitschizophrenen und mir selbst perfide Erpressungs- und Erniedrigungstakten antun - die Gespaltenheit in positive und negative Charakteranteile ist da sehr groß, sodass diese Taktiken mitunter noch verheerendere Wahrnehmungsverzerrungen im Opfer anrichten. Die Gaslighter kommen öfters vor als ich zuerst gedacht habe.


    Im Arbeitsleben kann einem sowas auch passieren.

  • Maggi


    Für mich ist es sehr problematisch, dass sich Gaslighting und andere Formen von Zerstörungstaktiken häufiger abspielen als von vielen angenommen. Es ist daher ein stillschweigend hingenommenes sadistisches Verhaltensmuster in außerklinischen Lebensbereichen. Aufklärung gibt es darüber nur in vereinzelten Artikeln oder Sachbüchern, aber ein direktes Eingreifen der Menschen, die diese Zusammenhänge durchschauen können und widerstandsfähig gegenüber ihnen sind, habe ich selten gefunden - sei es in der Berufswelt, in Kliniken oder in der als "normal" oder auch als abnormal geltenden sozialen Kommunikation - und wenn, nur anhand von Einzelnen. Mal salopp gesagt ist das "stichprobenartig". Die realen Ausmaße sind sehr groß und ich glaube, das kann und muss man unabhängig von jedem Hang zur Übertreibung sagen.


    Mir fehlte am Anfang fast jegliches Bewusstsein und jegliches Distanzierungsvermögen gegenüber Gaslighting. Diese Taktiken, die den Tätern hauptsächlich dazu dienen, ein tiefgreifendes Ohnmachtsgefühl zu betäuben, welches durch ein zerfressenes, untergebuttertes und gehasstes Selbst entsteht, können nicht nur zu einer Demontage der Wahrnehmung und der Menschenwürde der Opfer führen, sondern auch zu einer Verführung derselben zu den gleichen Verhaltens- und Persönlichkeitsmustern.


    Ich persönlich schwamm mehrmals in einer ohnmächtigen Wut, als ich missverstanden und derart roh behandelt wurde, wie es in dem Artikel steht - von Kameraden, meinen Eltern, Mitkranken und anderen. Da sieht man schon die narzisstische Ansteckung, den Fall ins relative Selbst sowie die Zerstörung des bindenden Vertrauens in die Gesellschaft. Andererseits kann die Wut aufgrund des emotionalen Schmerzes zur Selbstzerstörung in Form von Depressionen, Negativsymptomatik und kognitive Probleme umschlagen.


    Wenn ich sehe, dass sich bereits leichte Manipulationsmuster in meinem Bekanntenkreis abspielen und auch ich unerfahrenerweise immer wieder ein Bestandteil davon war und ebenso bin, komme ich zu der Vermutung, dass Normalität, so wie wir sie sehen, größtenteils eher eine Idealvorstellung als Realität ist. Und ich bekomme es ja auch in anderen Umgebungen mit, wo der gesellschaftliche Druck größer ist. Ein Speziallfall ergibt sich nochmal anhand der Anonymität im Netz, die dazu verleitet, allerhand Schund auszuüben.


    Für mich als ohnehin empfindlicher und introvertierter Mensch, der sich durch die schizophrene Dynamik und Struktur selbst zerstört, leicht instrumentalisierbar ist, sich desintegrieren und sich leicht ins gesellschaftliche Abseits stellen kann, ist es überlebenswichtig, mich nicht unerfahren und handlungsunfähig dem Gaslighting auszusetzen. Ich muss meine Mitmenschen lesen können und darf nicht mit Unerfahrenheit jedem gegenübertreten. Ich darf mich aufgrund einzelner Erfahrungen weder zerstören und desintegrieren noch selbst zum Täter werden. Nehme es als Pflicht wahr, uns alle vor periden Persönlichkeits- und Verhaltensmustern zu bewahren.


    Nicht, indem sie vehemend verboten werden, sondern indem aufgeklärt und regulierend eingegriffen wird. Rechtfertigungen und Gründe, warum das nicht geschieht, sind z.B. Geldmangel, fehlendes Verantwortungsgefühl, der Reiz an der Mittäterschaft (bis zur Co-Abhängigkeit), keine Einsicht und realitätsfremde Fälle von Medizinern. Man selbst kann noch so laut schreien, es stößt oftmals auf taube Ohren. Eins ist mir im Gespräch mit ein paar Leuten darüber klar geworden: die Mittäter kann man nur schwer bis gar nicht ändern. Die direkten Opfern kann und sollte man aber unterstützen. Die großen zerstörerischen Gruppendynamiken umzupolen, ist gerade deshalb aussichtslos, weil sie schon sehr fest im Kern der Gesellschaft stecken.

  • Ich habe Gaslighting auch schon erlebt als Kind in der Tagesheimschule. Das war ein sehr perfides Spiel was die Tagesheimmutter da mit mir betrieb und zog sich über Jahre. Das hat mich ziemlich kaputt gemacht.


    Aber ich beobachte Gaslighting sogar in Foren, wenn sehr übergriffige Menschen andere Menschen kleinreden und ihre eigene Wahrnehmung absprechen. Und das Schlimme ist, dass dagegen seltenst was unternommen wird, weil sich solche Leute immer an der Netiquette entlang bewegen.