Ist Wahn vergleichbar mit Sucht? Positiv- oder Negativsymptom?

  • Ich behaupte das Wahn auch einen Suchtkarakter hat, also der Treibende Faktor Sucht ist also es kommt irgendwo im Wahn zu Belohnung im Gehirn und dadurch verliert man sich im Detail oder anderen wahnhaften Verstrickungen.


    Sucht würde Neurchemisch bedeuten, das im Frontalen Kortex ein Dopaminmangel ist, deswegen Rauchen auch 80% der Schizophrenen und nur 20% der Allgemeinbevölkerung, Da auch durch das Rauchen Dopamin ausgeschüttet wird aber eben nur kurzzeitig und man wird damit dann umso Süchtiger da Nikotin eine schnell süchtig machende Droge ist.


    Wenn also das Dopamin dort wo der Mangel ist mit ADHS Medikamenten oder vergleichbaren gesteigert wird, befriedigt man die Sucht und dadurch löst sich der Wahn, gleichzeitig senkt sich aber anders als man erwartet auch der Überschuss da der Körper selbst zu keinen überschüssigen Dopamin anregen muss. Im Grunde ist die Psychose sogesehen ein Selbsterhaltungstrieb, da sich sonnst Gehirnmasse im Frontalen Kortex abbauen würde steuert das Gehirn dem entgegen, was aber auf der anderen Seite zu einen Überschuss führt da vor allem die Ausschütung der Botenstoffe verändert wird.


    Sogesehen wenn man nun Negativsymptome mit den Dopaminmangel im Frontalen Kortex begründet, dann wäre da dort auch die Sucht durch den Mangel entsteht meiner Meinung nach auch der Wahn ein Negativsymptom oder beinhaltet auch diesen treibenden Aspekt, da man sich daher da man auf Belohnung(Belohnungssystem) wartet eben dann auch in Wahnhafte oder ganz verrückte Dinge hineinsteigert. Somit kann man selbst sich schwer unter Kontrolle halten da die Positivsymptome weiter in den Wahn triggern also das Dopamin einen die Kraft gibt das Wahnhafte nachzugehen, aber die Ursache eben bleibt.


    Ähnlich denke ich ist es auch mit den Problemen die einen da belasten man wird solange davon getriggert das etwas verkehrt läuft oder den Anschein hat daneben zu laufen bis man quasi auch ein Problem für den Trigger gefunden hat, also wie man überhaupt diese Faktoren die einen beunruhingen entgegenwirken kann und dafür sind glaube ich auch die Positivsymptome da, wie zwei Pole oder Yin und Yang. Irgendwo reinigt oder schult/ erzieht die Psychose oder das Erleben denke ich auch da man mit sich selbst und diesen teilweise Kontrollverlust zu kämpfen hat. Das kann einen vielleicht abhärten aber man kann auch gebrochen werden also diese Gefahr sehe ich auch.


    Da wir das Thema schonmal in einen anderen Beitrag hatten. Vielleicht als Diskussionsfaden.

  • Basis für Wahn ist etwas Falsches zu wähnen, einen Anfangsverdacht beizubehalten - aufgrund von Informationsdefiziten durch zu knappes Zeitbudget zum Abklären des Kontextes oder durch zu viele zeitgleiche Ereignisse. Wohlwollend interpretiert ist Wahn am ehesten ein Missverständnis. Danach süchtig sein zu wollen ist genauso abwegig wie die Sucht nach Tratsch und Gerüchteküchen.

  • Also in meinen Realitätsbaukasten lässt sich die Komponente einer Art "Sucht" bei Psychosen integrieren. Dieses wahnhafte und paranoide Erleben stellt sich für mich so komplex dar, dass ich das nie richtig verstehen werde. Darüber gibt es ganze Bücher und Abhandlungen.


    Eine Sucht ist für mich soetwas wie ein "Lückenfüller", sozusagen ein Platzhalter, eine vorläufige Kompensationsmethode, die man begehrt. Wenn man irgendwas füllen will, muss das zu füllende "Gefäß" zu irgendeinem Maß leer sein. Wenn wir jetzt vom Dopaminmangel im Frontalhirn ausgehen, dann will der reguliert werden. Es entwickelt sich ein Hunger nach spezifischen REIZEN. Beim Begriff "Frontalhirn" gehen meine Warnglocken an. Im Frontalhirn gibt es mehrere, evolutionär "neue" Strukturen zur sozialen Beziehungsgestaltung und zu kognitiven Leistungen. Ist unglaublich komplex, was es da mittlerweile für Einsichten gibt.


    Tausendmal vereinfacht und unpräzise: Ein Mangel im Gestalten der sozialen Beziehungen führt zur Lückenfüllung durch Paranoia und Wahn. Aber irgendwie klingt das für mich absurd. Vielleicht handelt es sich daher nicht um eine Kompensationsmethode, sondern um eine natürliche Kausalkette: Ein Mangelgefühl im sozialen Bereich führt zur Entwicklung kruder Ansichten (wie z.B. Missverständnisse). Die müssen nicht sofort falsch sein, aber ich glaube, es wäre berechtigt zu sagen, dass man da ordentlich übertreiben und in eine gefährliche Gier verfallen kann - sowohl im als positiv erlebten magischen Denken als auch in negativ erlebter Horrorparanoia.


    Das alles schreit für mich förmlich nach einem tiefgreifenden Konflikt mit sich und der sozial erfahrbaren Welt. Das ist so ein schwer durchdringlicher Nebel, der unbedingt aufgeklärt werden will. Von Süchten ist in Fachtexten zumindest die Rede, wenn es um einen "Reizhunger" geht. Diese Komponente der "Sucht" muss irgendwo einen wahren Kern haben.


    Was passiert nur, wenn wir die Lücke mit Substanzen füllen wollen? Man kann eine Gleichung regulieren, indem man auf einer Seite irgendwas draufsummiert. Fühlt sich gut an. Ist ja wieder alles im Lot. Scheinbar. Scheinbar, weil der Gleichung eine tieferliegende Dysbalance zugrunde liegt, die durch die Substanz nur passiv reguliert wird. Beispiel aus der Biologie: Bei der passiven Immunisierung verabreicht man ein Gegenmittel, das eine Erregerkrankheit für einen bestimmten Zeitraum heilt. Aber das körpereigene Immunsystem wird dadurch nicht angeregt. Man heilt sich nicht selbst. Das kann im akuten Fall notwendig sein, um einer lebensbedrohlichen Infektion zu entgehen. Aber langfristig kann man immer wieder krank werden.


    Eine aktive, körpereigene Regulierung sind konsumierte Substanzen nicht. So stellt sich das in meinem begrenzten Hirn auch bei Medikamenten und Wahn-Sucht dar.


    Fazit: Keine Ahnung, was da los ist. Eins ist für mich sicher: Angst, Paranoia und Wahngebilde führen zu Missverständnissen. Das eigentliche Problem sitzt tief. Das Missverständnis ist aber nicht der Wahn, es ist mehr eine Folge des Kommunikationsproblems.


    Anmerkung: Wenn der Dopaminüberschuss auch am Belohnungssystem ansetzt, kann man von einer "Suchtproblematik" reden. Die Sucht nach dem Aufdecken von Missständen oder sowas (Kameras, übergewaltsame Kommunikationsstrukturen, Weltleid, Hinflosigkeit, emotionaler Missbrauch, seelische Zerrüttung, etc. pp).

  • Ich hatte damals in der Psychosegruppe geäußert, dass ich glaube, dass man zu süchtig machenden Substanzen greift, weil ein Dopaminmangel im Belohnungssystem vorherrscht. Die leitende Psychologin sagte, dass das eine Hypothese sein kann. Also soviel zum gesicherten Wissen auf biologischer Ebene über Psychosen. Die ganze Forschung zielt auf passive Regulationstechniken ab - in Form von medikamentösen Substanzen. So richtig Konkretes erfährt man erst, wenn man sich psychologische Erklärungsmodelle antut oder wenn man die assoziativ mit neurobiologischem Wissen verknüpft. Letzteres kann aber auch schnell albern werden.