Benötige Ratschlag Thema Schizophrenie

  • Hallo Leute,
    ich muss mich hier einmal aussprechen.
    Und zwar folgendes:
    Meine Mutter (57) leidet seit ca. 1 Monat an einer Psychose, die sehr Vielfältig aufgestellt ist. Zu meiner Mutter: Sie hatte eine sehr harte Kindheit, hat selten Unterstützung bekommen ( seitens ihrer Eltern ) und dass sie darunter litt merkt man auch im Verhältnis heute zu ihren Eltern. Sie hat sich zweimal scheiden lassen, das letzte mal war vor ca. 2 Jahren. Sie hat sich schon seit Jahren mehr und mehr zurückgezogen. Sie arbeitet als Putzfrau, was sie nicht glücklich macht, aber ohne Arbeit kann sie auch nicht. Nach der Arbeit setzt sie sich vor den Fernseher und guckt bis zum Abend irgendwelche Sendungen. Am Wochenende betäubt sie ihren Kopf mit Alkohol und das seit Jahren!
    Ganz plötzlich begann sie dann Zuhause davon zu erzählen, dass unsere Nachbarn sie beleidigen würden und dass sie ein Problem mit uns hätten. Ich dachte am Anfang es stimmt, konnte es aber nicht verstehen, da unsere Nachbarn immer sehr nett waren. Mehr und mehr fing sie dann an zu sagen, dass es Zuhause nicht mehr sicher sei und dass "die Nachbarn uns auseinander bringen" wollten. Einen Tag später fand meine Halbschwester meine Mutter auf der Toilette sitzend wieder, mit ausgeschaltetem Licht, rauchend und weinend. Sie fuhren umgehend ins Krankenhaus und anschließend kam sie in die Psychatrie. Ich wohne derzeit nichtmehr Zuhause, da ich kurz nach der Erkrankung meinen Studienplatz in einer anderen Stadt annehmen musste, deshalb erhalte ich jede Information momentan über meine Schwestern.
    Nun zu meinen Fragen:
    Das verwunderliche ist, dass sie diese "Nachbarsstimmen" nur Zuhause wahrnimmt und nicht aber in der Psychatrie. Woran kann das liegen? Sie sagt immer sie hätte Sehnsucht und sie fühle sich alleine, sie hätte keinen Mann der zu ihr hält, aber sie bräuchte einen. Aber realistisch gesehen: Was ist wenn sie keinen Mann findet? Findet sie noch zu sich selbst? Der Doktor hat die Diagnose gestellt: Schizophrenie, Ich Grenzstörung und Halluzination. Wahnstörungen sind "deutlich rückläufig". Allerdings ist das nicht ganz so, unseres Erachtens nach. Sie durfte gestern und heute kurz wieder in die Wohnung, wo sie viel mit meiner leiblichen Schwester gesprochen hat. Als meine mutter jedoch meine Halbschwester anrief, sprach sie wieder davon, dass die Nachbarn sie hören könnten, wenn sie lauter mit meiner Schwester in der Küche spricht. Auch ihre Persönlichkeit hat sich verändert, sie ist sehr wehmutig, emotional, so schreibt sie zum Beispiel neuerdings Gedichte, was sie zuvor nie tat.
    Ich weiss sie bekommt erst seit 1 Monat Psychoitika und Behandlungen, aber ich mache mir Sorgen um meine Mutter.. Ich liebe sie und ich will nur, dass sie wieder zu sich selbst findet.. Aber deswegen wende ich mich an euch, bin ich unrealistisch zu denken sie könne irgendwann alleine irgendwo wohnen (suizidgefährdet ist sie nicht) und das glücklich? Wie sind eure Erfahrungen mit solchen Symptomen?
    Ich danke euch für eure Hilfe
    -------
    Zu den Psychoitika:
    Risperdal morgens und abends
    Zopidon nachts
    Bedarfsmedikament: Dipiperon bis zu 3x täglich

  • Hi,
    mit 57 zu erkranken ist relativ spät, in der Regel bricht die Erkrankung meist so zwischen 20 und 30 aus. Hatte sie vorher schon psychische Beschwerden und wenn ja welche waren das?


    Das sie in der Psychiatrie keine Stimmen gehört hat liegt vermutlich an den Medikamenten, die die Stimmen ja unterdrücken sollen, selbst höre ich keine Stimmen habe aber auch Schizophrenie, da unterscheiden sich die Symptome, das die Wahnstörungen deutlich rückläufig sind hört sich finde ich schon mal sehr gut an, aber nach 1 Monat kann man da recht wenig sagen, da so eine Erkrankung wenn es Schizophrenie ist sich über Jahre und Jahrzehnte ziehen kann. Eine große Rolle spielt da mit den Symptomen umgehen zu können, diese einzuordnen da die Grenzen zwischen gesund und krank da oft fließend erscheinen.
    Etwa könnte so ein Nachbarstreit ja tatsächlich leicht vorhanden sein, da vielleicht Probleme da sind die zu wenig zur Sprache kommen oder auf Verständnislosigkeit stoßen. Etwa wäre es denkbar das in eurem Falle die Nachbarschaft etwas vom Krankhaften Verhalten deiner Mutter mitbekommen hat und kaum in der Lage ist das einzuordnen oder damit umzugehen, etwa weil die Medikamente es deiner Mutter schwer machen das anzusprechen und wen sie dann tatsächlich Stimmen von der Nachbarschaft im Kopf hören sollte dann ist das ja vielleicht schwieriger, da zumindest ein gewisser Realitätsbezug da sein könnte. Ich habe zwar keine Stimmen aber irgendwo scheinen sich so Wahnhafte Probleme auch in der Realität abbilden zu können, wobei da vor allem hilft wenn deine Mutter ihre Konzentration auf andere Dinge lenkt im Sinne von das wenn die Stimmen oder Nachbarschaft merkt das sie Gedanklich das Interesse daran verliert oder eine optimistischere Sichtweise einnimmt indem gewisse Zwischenmenschliche dinge geklärt werden etwa so das die Nachbaren von der Erkrankung erfahren und für diese Probleme sensiblisiert werden indem gegenseitige Ängste abgebaut werden, da ja auf beiden seiten Argwohn da sein kann etc.
    Man muss ja als Betroffener erstmal selbst sehen wie man die Erkrankung einordnen und damit umgehen kann und 1 Monat ist recht wenig, das kann also auch nur eine vorübergehende Psychose sein und keine richtige Schizophrenie, da glaube ich bei Schizophrenie die Symptome Monate oder ein halbes Jahr bestehen müssen, dann wäre das chronisch, aber ist medikamentös relativ gut behandelbar, also es gibt da auch ein paar Alternativen zu diesen Medikamenten die sie hat, die man probieren kann und die wesentlich besser sein können.


    Ich denke da müsst ihr schauen inwieweit deine Mutter für sich selbst sorgen kann gerade bei ihrer bestehenden Medikamenten kann es sehr schwer sein für sie ein normales Leben zu führen und beruflich das zu leisten was sie vorher geleistet hat, kann aufgrund von Negativsymptomen die mit der Medikamenteeinnahmen und Erkrankung verbunden sind sehr schwer fallen. Also gerade wenn sie unglücklich mit ihren Beruf ist und gleichzeitig unter den Stress der Erkrankung leidet, wäre es sinnvoll Stundenmäßig wenn das möglich ist herunterzugehen, also halbtags oder nur ein paar Tage in der Woche. Tagesstruktur durch Beruf kann helfen, aber es kann aufgrund von Symptomatik und wahnhafter Probleme die man erst für sich verarbeiten oder Einordnen muss sehr schwer fallen da gerade am Anfang der Erkrankung so weiterzumachen wie bisher. Vielleicht gibt es ja auch etwas anderes realistisches beruflich was sie immer mal machen wollte aber ihr der Mut gefehlt hat ihren Beruf zu wechseln, damit meine ich das sie den Mangel den sie mit ihren Beruf verbindet und sie unglücklich macht versuchen sollte auszugleichen, was man etwa auch mit Vereinstätigkeiten, Sport, Neuen Hobbys machen kann, was vielleicht vorerst am einfachsten ist, weil man sich auch erstmal stabilisieren sollte und es mit der Krankheit und Medikamenteneinnahme schwer fallen kann da beruflich Fuß zu fassen. Man muss erstmal sehen wie man klar kommt und etwas weniger Arbeit gibt mehr Raum daheim trotz Erkrankung seinen Verpflichtungen auch nachkommen zu können und die Gesundheitsprobleme die am Anfang schon stark auftreten können ohne zu hohen Druck für sich zu verarbeiten damit so wahnhaftes sich neutralisiert. Oft entsteht ein Wahn von einseitiger Sichtweise, wofür man viele Dinge wegblendet die dagegen sprechen weil man gewisse Dinge überbewertet die in Wahrheit einen geringeren Stellenwert haben wie man glaubt, also bei so etwas läuft zum Teil bei der Bewertung von Informationen etwas verkehrt und man neigt vielleicht zu sehr zu Extremen so das man leichtgläubig ist aber auch dann wieder paranoid und übervorsichtig, also man sich ein Stück weit auch Wissen aneignen sollte und etwas von so von der Glaubensebene wegkommen sollte indem man etwa nachfragt wenn man denkt das jemand einen komisch angeschaut hat oder eine komische Bemerkung, ob das wirklich so gemeint war also sich ein Stück auch wenn es schwierig erscheint das Feedback einholt das man braucht um von Glauben(was trügerisch sein kann) hin zu mehr Klarheit(Realität) zu finden. Auch an sich selbst zu arbeiten seine Grundeinstellung zu überdenken kann helfen, also gewisse Defizite Charakterlich für die man früher vielleicht kaum Zeit hatte, darüber nachzudenken auszugleichen oder eben die Bedürfnisse wie das sie sich einen Mann sucht eben nach und nach zu erfüllen, wobei das auch eine seelische Stabilität voraussetzt, also man keine Wunder erwarten sollte.


    Medikamentös:
    Risperdal hatte ich früher und fand es weniger gut, das hat mir kaum oder nur wenig geholfen und die Naivität/Kopflosigkeit Einschränkungen Nebenwirkungen waren bei mir zumindest weniger förderlich, da das vermutlich auch bei deiner Mutter so ist oder sein kann, könnte oder sollte man über eine Medikamenteumstellung nachdenken. Da kann es schon helfen wenn man mal ein paar Wirkstoffe die es da gibt zu Probieren und es gibt besser Verträgliche die das ganze vereinfachen können oder eher einen positiven Verlauf der Erkrankung zur folge haben. Etwa ist Aripiprazol ein sehr gutes relativ gut verträgliches und wirksames Neuroleptikum mit antidepressiver Wirkung, welches ich vorziehen würde. Sonnst sind Ziprasidon(laut Studien schwächer) oder Sertindol recht gut verträglich und es Wert den Risperdal vorgezogen zu werden. Bupropion ist ein SNDRI Antidepressivum, welches begleitend zu den Neuroleptika gegen Nebenwirkungen wie innere Unruhe und Negativsymptomen helfen kann, also zusätzlich stabilisiert.


    Hier findest du eine grobe Übersicht über die antipsychotischen Wirkstoffe und unterstützende Antidepressive Medikamente:
    Antipsychotika Liste und Vergleich (Neuroleptika, Antidepressiva)



    Hier findest du eine Möglichkeit wie man seine Erhaltungstherapie machen kann(mit dem Antidepressiven Wirkstoff und Suchtentwöhnungsmitte Bupropion) wobei das eher eine alternative Behandlungsform ist und schon eine gewisse Erfahrung mit den Medikamenten und Symptomatik voraussetzt was man bei einem Monat kaum haben kann, wenn man sich darüber genau informiert kann man das probieren um seine Neuroleptika zu reduzieren (nur Bedarfsweise einzunehmen), das kann also in der Erhaltungstherapie eine wesentliche Erleichterung sein so das man nahezu wieder völlig der Alte ist, aber ich denke das setzt eine gewisse Grundstabilität voraus, also 1-2 Jahre würde ich den Neuroleptika(verträgliches wie Aripiprazol) schon geben so das man sich bei regelmäßiger Einnahme stabilisiert und das mit Bupropion als Hauptmedikament und Neuroleptikabedarf wäre mehr als Reduzierungs- oder Absetzmöglichkeit der Neuroleptika zu verstehen, aber das Medikament kann auch so zusätzlich sehr gut helfen. Möchte nur da es da bisher wenige Erfahrungen gibt nix verkehrtes versprechen so das man da sich zwar Chancen ausmalen kann, aber mit Vorsicht und ärztlicher Begleitung, das setzt eben voraus das man selbstständig die Medikamente einnimmt und ein gutes Körpergefühl auch für die Symptome Erkrankung hat, was Monate/ Jahre dauern kann.


    Hier findest du viele Informationen darüber.
    Bupropion - Beschreibung und Studien


    Medikamentös finde ich Dipiperon und Zopidon auch weniger gut man sollte da versuchen wirklich nur das nötigste zu nehmen, aber vielleicht lässt ihre aktuelle Einstellung der Medikamente das kaum anders zu. Dipiperon ist zwar "nur" ein niederpotentes Nl diese sind aber auch nicht ohne, meist genügt ein A-typisches Neuroleptikum wie es das Risperdal oder Aripiprazol ist. Zopidon ist ein Abhängig machendes Schlafmittel auch auf so etwas sollte man unter Neuroleptika verzichten und verzichten können, da die Neuroleptika meist schon eine gewisse Schlaffördernde Wirkung haben, aber es vielleicht wenn man von Schlafmitteln abhängig ist eben etwas dauert bis sich das wieder eingespielt hat. Aripiprazol 5mg etwa hat bei mir zu einen sehr guten Schlafrytmus geführt, aber Risperdal sollte auch einigermaßen gehen. Gut ich bin da kein richtiger Experte und kein Arzt aber würde eben empfehlen da nur das Nötigste einzunehmen.



    Ja ist ganz schön viel geworden, denke mal viel Stoff :) der hoffentlich hilft und bisschen sich hineinzufinden und gute Alternativen aufzeigt. Deine Mutter braucht ja Hilfe also wäre es Sinnvoll wenn sie sich da informiert über die Erkrankung etc. etwa über Foren wie diesem.



    Soviel dazu.. wenn du Fragen hast gerne! :)


    Herzlich Willkommen im Forum und einen guten Austausch wünsche ich. ^^


    Gruß
    Maggi

  • Ich denke deine Mutter ist mit den Medikamenten gut eingestellt und man kann da erstmal nur abwarten, wie sich das jetzt die nächsten Wochen und Monate entwickelt. Dass die Symptomatik rückläufig ist, halte ich auch für ein sehr gutes Zeichen. Es bleibt bei manchen auch bei einem psychotischen Schub. Also würde ich erstmal positiv bleiben.
    Wichtig ist sicher, dass eure Mutter keinem großen psychischen Stress ausgesetzt wird, sowas kann Symptome verstärken.
    Ansonsten wie gesagt abwarten und die Medikamente erstmal wirken lassen. Risperdal ist eigentlich ein gutes Medikament!


    LG
    Candy

  • Hey.
    Ich sehe Situationen Probleme etc. Nun von einer anderen seite.
    Ich habe wieder Kontakt zu meinen Eltern aufgenommen und wir treffen uns regelmäßig.
    Meine Therapeutin hat mir die Augen geöffnet.


    Eine Sitzung ging 50 Minuten und brachte mir jedesmal so zwei Dinge die beherzigte.
    29 Sitzungen insgesamt.


    Zum Schluss der Therapie war die mir wie ein Freund. Nur von ihr wusste ich nix