Angst das Onkel vollkommen durchdreht

  • Hallo,


    mein Onkel ist psychisch krank. Er hat sich immer von der Gesellschaft abgekapselt, wohnt bei Mutti und lässt sich von ihr seine Isolation finanzieren.
    Er war nie in psychischer Behandlung, hält sich allgemein von Ärzten fern und würde sich auch nie freiwillig untersuchen lassen.


    Natürlich bin ich kein Fachmann, aber in der Familie sind wir uns sicher das er Paranoid-Schizophren ist, seine Symptomatik, sein Verhalten, es spricht einfach alles dafür. Seine Mutter ist depressiv, hat 2 Suizdiversuche hinter sich, allerdings schon länger her.


    Er wohnt wie gesagt mit seiner Mutter (fast 80, er ist 55) in seinem Elternhaus, ist seit 30 Jahren zuhause, hat damals seine Krankenkarte und alles was seine Existenz nachweist verbrannt und von da an von Mutti gelebt). Ich wohne auf dem selben Grundstück mit meinen Eltern in einem angebauten Haus. Ich bin 19. Wir leben in Stuttgart.


    Er ist äußerst aggressiv, da ihn ja jeder hasst und ihm natürlich alle nur sein Hab und Gut wegnehmen wollen, fremde Menschen darf man nicht anschauen, die sind böse, ich denke mit Details muss ich euch nicht überhäufen, viele von euch werden die typischen Situationen ja kennen.


    Mein Problem ist eher das ich langsam nicht mehr weiß, wie lange man es verantworten kann ihn einfach da rum sitzen zu lassen.


    Spätestens wenn ich ihn in seine Schranken weise, beruhigt er sich nach einem Ausraster aber wieder (sowas ist nur mit harten Worten möglich, glücklicherweise hat er vor mir noch etwas Respekt, wenn nicht zu sagen Angst, da ich ihm körperlich überlegen bin, richtige körperliche Auseinandersetzungen gab es aber seit Jahren nicht).


    Nur wie lange das noch gut geht bis er richtig durchdreht ist fraglich. Habe das Thema mit meinem Psychologen mal besprochen (bin wegen Psychosomatischen Problemen in Behandlung), dieser meinte, dass es stark nach Paranoid-Schizophren klingt und solche Menschen oftmals ihr wahres Gesicht verbergen können. Allerdings sagte er auch, dass spätestens wenn eine seiner "Säulen" wegbricht, er keine Kontrolle mehr haben wird. Die Säule ist natürlich seine Mutter. Sie ist zwar Gott sei Dank körperlich fit, aber natürlich wird auch sie irgendwann sterben.


    Meine Oma tut mir leid, sie kann sich kaum gegen ihn wehren, er beherrscht sie richtig und sie leidet so sehr darunter, aber den Weg ihr und vorallem dann auch ihm zu helfen, ist für mich nicht ersichtlich.


    Ich weis einfach nicht ob es klug ist abzuwarten bis etwas passiert. Einfach die Polizei rufen und ihn zwangseinweisen lassen funktioniert nicht, dafür muss er ja akut sich selbst oder andere gefährden und er wird sich wohl im Griff haben wenn die Beamten vor der Tür stehen.


    Ich habe mir gedacht mal beim Gesundheitsamt anzufragen, soweit ich weis schicken die ihm dann einen Termin zur Begutachtung zu und schauen ihn sich mal an. Auf der anderen Seite wäre so ein Brief natürlich ein Stressaulöser, welcher wohl wahrscheinlich zu einem Ausraster führen wird, der sich gewaschen hat. Da kommen einem gleich seine Drohungen wie "ich fackel das Haus ab" wieder in den Sinn.


    Auch die Führerscheinstelle wäre eine Möglichkeit, da er bei einem psychotischen Schub wohl kaum fahren dürfen wird, wird dann nicht auch eine ärztliche Untersuchung erfolgen?


    Die Frage ist halt auch einfach - Was macht Sinn? Abwarten oder Handeln?


    Tut mir leid für den langen Text, für die Übersichtlichkeit noch einmal kurz meine Fragen:


    - Hat jemand Erfahrungen mit dem Gesundheitsamt und dem Prozedere, ist es möglich das das Amt einfach mal unangemeldet vorbeikommt oder schicken die ihm einfach einen Brief


    - Muss ich eigentlich nicht sogar die Führerscheinstelle informieren, wenn ich der Meinung bin das er psychotisch ist? (Man muss dazu sagen, sein Geisteszustand ist eher chronisch, er spinnt mal mehr, mal weniger)


    - Können mir vielleicht Betroffene dieser Krankheit erzählen wie sie sich zu einer Therapie überwinden konnten?


    - Würdet ihr erst einmal abwarten bis er richtig durchdreht oder den Weg zum Amtsarzt gehen?


    - Wie geht es weiter falls das Amt sagt er muss behandelt werden? Zwangseinweisung? Wielange? Für einen bestimmten Zeitraum oder bis eine Besserung eintritt?



    Danke schon einmal für jede Antwort und liebe Grüße,


    Schatten.

  • Ich sollte vielleicht noch dazu sagen, dass er zwar offensichtlich starke psychische Probleme hat, es ist aber nicht so das man jede Sekunde mit einem grundlosen Ausraster rechnen muss, ich denke dass schon was passieren muss, bevor er mal richtig durchdreht.

  • Also meine Überlegungen dazu sind im Moment folgende:
    Ich denke, eine Zwangseinweisung wäre der größte Vertrauensbruch von Angehörigen, die man einem paranoid Schizophrenen antun kann, aber ich verstehe auch eure Lage, in der ihr euch befindet.
    Ich wollte fragen, ob dein Onkel Kontakte außerhalb von seinem familiären Umfeld hat?
    Evtl. könnte man über seinen Freundeskreis oder andere Kontaktpersonen deinen Onkel dazu bewegen, eine Therapie zu machen, die er offensichtlich dringend nötig hat, wenn er nicht über kurz oder lang zwangseingewiesen werden möchte.

  • IHR könnt nichts machen. Besser er wohnt bei Mutti als obdachlos- Jeder zweite Obdachlose ist schizophren. Ich sehe das so er macht sein Ding. Lass ihn machen- mehr als sich selbst ruinieren und auf der Straße landen kann er nicht. Viele schizophrene leben bei Angehörigen ich auch.

  • Zitat

    IHR könnt nichts machen. Besser er wohnt bei Mutti als obdachlos- Jeder zweite Obdachlose ist schizophren. Ich sehe das so er macht sein Ding. Lass ihn machen- mehr als sich selbst ruinieren und auf der Straße landen kann er nicht. Viele schizophrene leben bei Angehörigen ich auch.

    Und was willst du machen, wenn deine Angehörigen, in diesem Fall die Mutter des Onkels, stirbt?

  • Ja, er sollte rechtzeitig eine Therapie machen, die ihn vor einer Zwangsmaßnahme bewahrt.
    Aber wie willst du ihn dazu bewegen, eine zu machen, wenn er chronisch paranoid schizophren ist @DA JAGNA?

  • Die Kunst für den Paranoiden ist rauszukriegen das die Stimmen Innenwelt sind.
    Das ist gar nicht einfach kann ich aus eigener Erfahrung sagen weil Stimmen überzeugend sind und die Macht übernehmen können.
    Bei mir kommt und geht der Wahn seit 18 Jahren und die Medikamente helfen kaum.
    Ich bin in der selben Situation wie dein Onkel bin auch 55 und wohne bei meinem 80 jährigen Vater.
    Ich kann nicht putzen , nicht einkaufen und die Stimmen haben die Macht.
    Als Angehöriger kann man schon froh sein wenn der Betroffene sich nicht umbringt und keinen tödlichen Unfall hat.
    10 Prozent sterben durch Unfälle und mehr als 10 Prozent bringen sich um.
    Hauptsuizidgrund ist das die Betroffenen es nicht mehr aushalten und ertragen könne was in ihrem Kopf und in ihrer subjektiven Welt-bzw. ihrem eigenen Universum läuft. Du und deine Eltern sind die die ihm ein weiterleben wie bisher ermöglichen können und dassollte ihr auch tun. Ich denke das es nichts bringt ihn reparieren zu wollen- das wird in der Regel nicht funktionieren, weil 70 Prozent auch trotz Behandlung Symptome haben und krank sind. Klar gesagt: Als Angehöriger muss du schon froh seine das dein Onkel sich nicht umbringt oder aus Versehen vor einen LKW rennt. Lass ihn doch sein Ding machen und ne ruhige Kugel schieben.

  • Hallo @Schatten
    sehe es so wie @Lightness er könnte von nahestehenden Personen überredet werden eine Therapie zu machen, das wäre kein Vertrauensbruch und ist besser somit. Zwangseinweisung ist nur möglich wenn Fremd oder Eigengefährdung besteht, so etwas zu provozieren wäre falsch.


    @DA JAGNA hat auch eine sehr gute Idee, da hier in so einem Forum am besten dieses hier, da können wir wenn er persönlich sich dazu überwindet mal seine Probleme zu schildern mehr machen und ihn auch dazu ermuntern sich Therapieren zu lassen. Oft ist es kein Problem zu einem Psychiater zu gehen, der verschreibt dann Neuroleptika in der Regel, aber leider schränken diese zum Teil sehr ein, von daher sollte man sich als Betroffener oder Angehöriger über die Medikamente und Möglichkeiten die man hat informieren um wirklich eine gute Therapie zu finden, die man selbst etwas zum Positiven beeinflussen kann.


    Neuroleptika sind immer so eine Sache die haben alle ihre Vor- und Nachteile und bereiten Negativsymptome von daher möchten Betroffene oft davon weg kommen und lehnen das psychiatrische System ab, damals etwa als dein Onkel jünger war und erkrankt ist was vermutlich schon einige Zeit her ist, gab es kaum gute Medikamente, heute ist man da zumindest etwas weiter auch wenn die Psychiatrie oft Rückständig noch arbeitet. Hier einen Überblick der Neuroleptika die so eingesetzt werden, normal sollte man ein Verträgliches einnehmen oder zumindest zuhause haben wenn mal etwas ist:
    Atypika Liste/Vergleich


    was da im Einzelfall das Beste ist, entscheidet der Arzt, aber man kann nach einen verträglichen fragen da es da schon große Unterschiede gibt.


    Manchmal sind Neuroleptika gar nicht nötig, was einiges an Leidensdruck für den Betroffenen nehmen kann, da die Negativsymtome und Nebenwirkungen durchaus stark ausfallen können also die Lebensqualität einschränken, was die Psychose aber auch macht.
    Von daher würde ich mich zusätzlich vom Arzt Bupropion (Elontril) verschreiben lassen was ein SDNRI Antidepressivum ist und auch bei ADHS eingesetzt wird, das hilft gegen Stimmungsschwankungen sehr gut und auch bei Positiv- und Negativsymptomen, also kann auch ein leben ohne Neuroleptika ermöglichen, so das die Erkrankung und Medikamente kaum Einschränkungen machen. Das wäre mein Tipp das zusätzlich sich aufschreiben zu lassen, da es da kaum etwas vergleichbares gibt. Indem man eine gewisse Vorauswahl bei den Medikamenten trifft kann man als Betroffene seine Therapie auch im Positiven beeinflussen, leider ist es häufig so das Ärzte so oft Planlos Medikamente aufschreiben und man zum Teil da sehen muss wo man bleibt, von daher rate ich das ihr oder auch er sich da im Vorfeld hier informieren was den Schritt zu einer Therapie glaube ich erleichtert und auch den Erfolg dieser wesentlich verbessert.


    Grüße

  • Zitat

    Also meine Überlegungen dazu sind im Moment folgende:
    Ich denke, eine Zwangseinweisung wäre der größte Vertrauensbruch von Angehörigen, die man einem paranoid Schizophrenen antun kann, aber ich verstehe auch eure Lage, in der ihr euch befindet.
    Ich wollte fragen, ob dein Onkel Kontakte außerhalb von seinem familiären Umfeld hat?
    Evtl. könnte man über seinen Freundeskreis oder andere Kontaktpersonen deinen Onkel dazu bewegen, eine Therapie zu machen, die er offensichtlich dringend nötig hat, wenn er nicht über kurz oder lang zwangseingewiesen werden möchte.

    Hallo Lightness. Mein Onkel hat leider überhaupt keine sozialen Kontakte. Er hat jeglichen Kontakt zu früheren Freunden abgebrochen.


    Zum Vertrauensbruch muss ich sagen, dass es glaube ich für ihn gar kein Vertrauen gibt. Es gibt zwar keinen mir bekannten Anlass dazu, aber ich habe das Gefühl das er überhaupt kein Vertrauen fassen kann. Man kann ihn sehr schwer einschätzen, er lässt niemanden von uns in seine Seele blicken. Da blockt er sofort ab, ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass das jemals anderst war...


    Ich will ihm ja nur helfen und den Rest der Familie natürlich auch irgendwo schützen. Das versteht er aber glaube ich einfach nicht.

    Zitat

    Wenn die Mutter stirbt ist seine Hilfesystem kaputt- dann wird es gefährlich für ihn- dann droht Obdachlosigkeit und Armut -es sei denn irgendjemand löst sein Problem

    Hallo Da Jagna. Ja genauso sehe ich das auch, aber wie soll ich einem Menschen helfen, der sich nicht helfen lassen will?


    Tut mir leid das du diese Krankheit auch hast, aber ich finde es positiv und gut ,das du dich wenigstens mitteilst und darüber reden kannst. Mein Onkel redet ja überhaupt nicht über sowas. Internetzugang hat er nicht, hat sich nie damit befasst. Wenn ich mit Laptop zu ihm gehe und ihn mal ein bisschen zu dem Thema rum lesen lassen will, wird er das sofort ablehnen.


    Zitat

    Hallo @Schatten
    sehe es so wie @Lightness er könnte von nahestehenden Personen überredet werden eine Therapie zu machen, das wäre kein Vertrauensbruch und ist besser somit. Zwangseinweisung ist nur möglich wenn Fremd oder Eigengefährdung besteht, so etwas zu provozieren wäre falsch.

    Hallo Maggi. Ich möchte ihn nicht provozieren, ich möchte ihm auch garantiert nichts böses, nur weis ich nicht wie ihm zu helfen ist, das ist mein großes Problem. Als wirklich Nahestehend würde ich nur seine Mutter bezeichnen. Diese hat aber nicht die Überzeugungskraft ihn zu einer Tat zu bewegen, sie ist froh wenn er mal seine Klappe hält und sie nicht den ganzen Tag mit paranoiden Gedanken und wirklich endlosen Wiederholungen von Themen quält. Von ihrer Seite aus fehlt einfach die Power etwas zu bewirken, was man der guten mit ihren fast 80 Jahren auch nicht verübeln kann.


    Zum Thema Arzt... wir sind froh das er überhaupt einen Hausarzt hat. Vor ein paar Jahren wurde ja diese freiwillige Selbstversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse eingeführt. Als wir meinem Onkel erklärten, dass man die Monate die man nicht versichert war nachbezahlen muss hat er sich wenigstens dort angemeldet und war mal bei einem Allgemeinmediziner, weil er wegen einer Kleinigkeit operiert werden musste, der wurde dann zum Hausarzt. Wir haben den Hausarzt über sein Krankheitsbild informiert, er hat seinen Patienten aber auch seit Jahren nicht mehr gesehen und somit ist auch nichts weiter passiert. Es hat sich also noch kein Fachmann mit ihm befasst. Laut meiner Mutter fing die Krankheit bei ihm so mit 20 - 25 Jahren an und wurde dann nach und nach schlimmer. Ich persönlich kenne ihn gar nicht anderst als er jetzt ist.




    Ich sollte vielleicht sagen, dass seine einzigste Säule wirklich seine Mutter ist. Sein Vater starb vor ein paar Jahren, seine Schwester (meine Mutter) hat genauso wie ich ein eher "kaltes" Verhältnis zu ihm. Um "kalt" etwas zu definieren: Für ihn sind meine Mutter und ich halt da, wir sind Verwandtschaft und das wars auch. Familiäre Gefühle oder so etwas gibt es für ihn nicht. Ist schwer zu beschreiben. Vielleicht versteht ihr ja was ich meine.




    Habt ihr vielleicht eine Idee wie man ihn auf die sanfte Art, meinetwegen auch über Amtswege wenigstens soweit bekommt, dass er wenigstens mal mit einem Arzt redet. Ich kann es schlecht einschätzen, aber vielleicht ist ein Psychiater ja in der Lage, ihn von einer Therapie zu überzeugen.
    Gutes zureden und Überzeugunsversuche werden nichts bringen, das endet so das er ausrastet, mir Hausverbot erteilt und meine Oma dann seinen Zorn dauerhaft zu spüren bekommt, bis er sich nach ein paar Tagen beruhigt hat, das hatten wir alles schon.


    Mir fällt einfach nur die harte, unangenehme Tour ein, das Gesundheitsamt zu informieren und dann natürlich auch die Gefahr zu laufen, dass er ausrastet wenn er erfährt, dass ihn jemand untersuchen will.
    Wenn wir gar nichts tun wird dieser Ausraster wohl spätestens kommen wenn seine Mutter mal stirbt oder einmal ins Altenheim muss. Die Gefahr das er ausrastet wird wohl in beiden Fällen gleich hoch sein, was meint ihr? Klar wäre das eine Provokation und nicht die nette Tour, aber im Endeffekt will man ihm damit ja helfen und nicht schaden.


    Wie ihr seht ist es für uns scheinbar Aussichtslos an ihn heranzukommen.


    Soll man vielleicht doch einfach zusehen und ihn sein Leben vor sich hin leben lassen?


    Sorry das ich schon wieder so viel geschrieben habe.


    Kann mir vielleicht noch jemand sagen wie ich einen User markiere um ihn direkt anzusprechen, dann muss ich nicht zitieren
    (einfach @ und der Name?).


    Danke für eure Hilfe.

  • Du willst ihn ändern Schatten- das ist Quatsch- lass ihn doch sein Ding machen- ist ein freies Land. Medikamente bringen nur bei jedem Dritten ne Verbesserung und verkürzen unser Leben deutlich. Ansonsten ist die Lebenserwartung eines Schizophrenen Mannes im Durchschnitt 53 Jahre. Ich denke du hast ein Problem Schatten- Du willst deinen Onkel ändern. Das wirst du aber nicht können